Neues und Altes

„Ich hab es angemacht, es hat komisch gerochen, gebritzelt und dann war es aus. Das Ding ist hin.“, teilt mir Alex kurz nach dem Aufstehen mit. Unter der Vorankündigung: „Ach, das hab ich gestern vergessen, dir zu sagen..“. Die Rede ist von unserem Furuno GPS Gerät, das unter Deck angebracht ist. Vor einer Woche haben wir beschlossen, die schon arg zerfledderte Folie vom Deck zu nehmen und auch das dazugehörige (windschiefe) Holzgerüst abzubauen. Sie ist wieder „oben ohne“. Nach nun zwei Jahren können wir uns endlich wieder aufrecht an Deck bewegen, ohne uns dauernd den Rücken am Holzgestell zu stoßen und ohne dass permanent weißer Plastikregen der sich auflösenden Folie auf uns niederrieselt. Soweit, so gut. Das bedeutet aber eben auch, dass der Regen nun überall ungeschützt hinkommt. So auch auf vier alte Bohrlöcher, die haben wir zwar zugespachtelt, aber offenbar ist der Spachtel nicht wasserdicht. Wasser hat sich gesammelt, ist durch ein weiteres Loch in der Deckenholzverkleidung getropft und zwar genau auf das GPS. Alex hat es angemacht und es kam, wie es offenbar kommen musste. Es ist kaputt. 16 Tage vor dem Krantermin haben wir auch nichts anderes zu tun, als uns ein neues GPS zu kaufen und nochmal 400 Euro auszugeben. Klasse! *Grrr*
Dazu hat sich in der vergangenen Woche auch die Naht unserer Sprayhood in Wohlgefallen aufgelöst. Also haben wir es abgebaut und ich bin damit durch das Städtchen gelaufen auf der Suche nach jemanden, der nicht ratlos den Kopf schüttelt und mir sagt: „Nee, also das können wir nicht nähen. Da müssen Sie mal bei XY vorbei.“ Nach ähnlich klingenden Aussagen einer Schneiderin, eines Raumausstatters, eines Sattlers als auch eines Markisenherstellers/ -verkäufers bin ich zu der letzten Adresse gefahren. Allerdings ohne wirkliche Hoffnung. Ein weiterer Raumausstatter bei uns um die Ecke. Eine sehr freundliche Dame nahm mich und meine Sprayhood, die ich nun schon seit über einer Stunde spazieren getragen hatte, in Empfang. Ich erklärte ihr mein Anliegen und erwartete das obligatorische ratlose Kopfschütteln. Sie, lächelnd: „Kein Problem. So etwas in der Art haben wir auch erst letzte Woche gemacht.“ Ich starrte sie ungläubig an. Sie meinte das ernst und nun näht die Firma Speer uns alle Nähte nach und verstärkt den Stoff an den wichtigen Stellen. Auf das unsere Sprayhood doch noch ein paar Jahre Wind und Wetter trotzen kann. Diesmal wirklich klasse!
So kurz vor knapp können wir es einfach nicht gebrauchen, dass Dinge schon kaputt gehen, bevor überhaupt erst losgefahren sind. Im Endeffekt aber finden wir es besser, wenn es jetzt noch kaputt geht und wir von zu Hause aus schnell reagieren können. Vom Boot aus, ohne permanentes WLAN und ohne Auto wird die gleiche Aufgabe ungleich mühsamer.
16 Tage sind noch übrig. Über Ostern haben wir das Unterwasserschiff so gut wie fertig bekommen. Primer und 3 Schichten Antifouling haben wir aufgebracht. Wobei wir gestehen müssen, dass ein schwarzes Unterwasserschiff wirklich sexy aussieht.

in process

Black is beautiful

Inzwischen unterscheiden wir nur noch nach: ‚Muss auf jeden Fall vor der Wasserung geschehen‘ und ‚Geht auch noch irgendwie danach‘. Vorher müssen noch der Ankerkasten mit Teflon ausgekleidet, der Geber des Echolots getestet und die Halterung für den Mast an Deck gebaut werden. Alex muss noch wieder gesund werden, da ihn die Grippe die vergangene Woche fest im Griff hatte und er kaum Luft durch die Nase bekommt. 16 Tage. Ab und zu steigt leise Panik auf, was wir uns nur dabei gedacht haben, aber ich glaube, das fällt alles unter ’normal‘. So normal, wie unsere Situation halt eben sein kann.

Kategorien:Deutschland, Umbau, Vorbereitungen

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