„Gott schütze uns vor Sturm und Wind und Deutschen, die im Ausland sind“

Nachdem die Waldbrände gelöscht sind, starten wir eine große Putzaktion. Das ganze Deck fluten und schrubben bis der Arzt kommt. Nach einem halben Tag Arbeit an Deck und unter Deck sieht das Boot endlich wieder annehmlich aus. Der Wind hat wieder auf Nord gedreht, dementsprechend wird es wieder kühler abends.
Unsere Freunde, Inge und Tommy haben Besuch aus der Heimat von ihren Kindern und sind mit denen viel unterwegs. Einen Abend schaffen wir es aber, uns alle am Strand zu treffen und zu grillen. Trotz unseres Outdoor-sicheren Grills direkt am Wasser (keine Funkenbildung, nichts) werden wir von einem deutschen Ehepaar angemault, die uns für unverantwortlich halten und die informieren ihren Hotelmanager, der herunter kommt, sich alles ansieht, uns bittet, doch noch einen Meter näher an das Wasser zu gehen, was wir auch machen und dann verschwindet er wieder. Nicht aber der gute Deutsche, der bald darauf mit seiner Fotokamera dasteht und uns Bilder vom Waldbrand zeigt. Er ist extra hochgefahren und hat das Feuer ganz nah fotografiert und all die armen Menschen, die ihre Häuser verlassen mussten. Aha, wir sind also unverantwortlich, weil wir mit einem Grill am Strand sind, den man problemlos anfassen und durch die Gegend tragen kann, weil er nicht heiß wird, aber er fährt extra ins Gefahrengebiet hinein. Nun gut, ich gucke mir ergeben die Bilder an und hoffe, dass er bald Ruhe gibt, aber ich seh schon Peter, Micha, Tommy und Alex denen langsam der Kamm schwillt. Bald aber geht er wieder, Himmel sei Dank. Eine halbe Stunde später kommt noch die Wasserpolizei vorbei und fragt, ob wir ein Feuer angezündet hätten. Wir verneinen ehrlicher Weise und sie ziehen wieder ab. Nun, wie sagt man so schön? „Gott schütze mich vor Sturm und Wind und Deutschen die im Ausland sind“, ohne irgendjemanden beleidigen zu wollen.

Die anderen Tage verbringen wir meist mit Claudia und Michael, die Jungs basteln hier und da am Boot. Einmal geht es um Elektrolyse am Aluboot der Kebulan, wo schließe ich welches Kabel an und was soll eigentlich dieses D+? Mal geht um Wasser im Schiff, mal um dieses oder jenes. Claudia kriegt bald einen Vollföhn, da es unter Deck dauernd aussieht wie auf einer Baustelle, dabei hat sie doch Urlaub. Dafür gehen wir beide wilden Thymian sammeln und lernen bei Tommy wie man Makrelen angelt. wir fahren mit ihm heraus, zwei Angeln und zehn Köder am Vorfach. Kaum werfen wir die Angel aus, fahren zwei Minuten durch die Gegend und schwupps haben wir neun dicke Makrelen am Haken. So ist unser erster Angelausflug nach fünf Minuten wieder beendet. Alsbald gehen wir beide nochmal alleine raus und fangen auch alleine sechs Makrelen. Mann, sind wir stolz auf uns.

Wir wollen mal wieder los und eventuell mit den Kebulans Richtung Culatra. Da wir ja nun doch schon eine Weile hier sind, sieht unser Unterwasserschiff leider dementsprechend aus, da es immernoch kein Antifouling hat. Will heißen, wir sehen fast kein Schiff mehr sondern nur noch Muscheln, die sich ziemlich festgesaugt haben. So kommen wir nicht vorwärts. Claudia bietet sich heldenhaft an, uns zu helfen, den Rumpf zu putzen. So treffen wir uns morgens um elf, ziehen Neoprens an und unsere DiveMan’s, mit denen wir unter Wasser atmen können. Ich habe das Blei nicht gefunden, daher komme ich nicht weit unter die Wasseroberfläche. Claudia geht frisch an den Propeller und ich kratze an der Wasserlinie. Das dauert. Nach etwas mehr als einer Stunde ist uns schrecklich kalt und wir müssen eine Pause einlegen. Dann geht es nochmals weiter. Abends sind wir todmüde, mein Arm fällt bald ab vom kräftigen kratzen. Die Muscheln sitzen wirklich sehr fest. Am zweiten Tag geht’s weiter und wir schaffen zu dritt doch einiges. Beim kratzen gehen oft einige Muschelwolken ab, die Claudia und ich dann später in unseren Haaren wiederfinden. An Tag drei helfen wir einem Schweizer Freund, sein Boot herauszukranen, der uns dann netterweise seinen Freediver überlässt. Mit dem Ding geht’s super. Alex freut sich riesig und probiert ihn gleich aus. Jetzt fehlen nur noch ein paar Meter unter dem Boot. Dann kommen wir auf die Idee, uns einmal das Wetter anzugucken. Ostwind, es weht aus Gibraltar. Und ratet mal, wo Culatra liegt? Richtig, Osten. Gegen den Wind bolzen hatten wir schon zu genüge, das brauchen wir nicht. Nun, der Wind wird sich auch wieder drehen und dann gehen wir mal wieder los.

Kategorien:Portugal

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