Abschied

Angenehmer Weise lernen wir in so gut wie jeder Marina neue nette Leute kennen. In der Marina in Porto lag am Steg gegenüber ein deutsches Paar mit ihrer Segelyacht, die sie STURMSCHWALBE genannt haben. Das Boot sieht auch nach Langfahrt aus. Kurzer Hand gehen wir auf den anderen Steg und sagen hallo. Für den abend haben wir uns mit Stefan und Emma von der PINTAIL in Porto auf ein Bier verabredet. Da Jan und Jule von der STURMSCHWALBE sehr nett sind, laden wir sie ein, sich auch dazu zu gesellen. Aber vorher habe ich noch einen Termin beim hiesigen Friseur. Die Dame spricht kein Wort Englisch und ich kein Portugiesisch. Daher nehme ich Michael mit, der darf übersetzen. Der ist von seiner Aufgabe als Übersetzer für Wünsche zum Thema Haar zwar nicht übermäßig begeistert, aber kommt brav mit. Als er die junge Tochter der Friseuse kennenlernt, findet er Haare dann doch nicht mehr so doof 😉
Die Marina in der wir liegen ist sehr gepflegt und die Leute super nett. Nur die Duschen sind verbesserungswürdig. Als ich duschen gehe, habe ich die Auswahl zwischen Antarktis und den Feuern von Mordor. Arschkalt oder kochend heiß. Dazwischen gibt es nur eine Spanne von maximal 10 Sekunden, in der die Temperatur erträglich ist. So muss ich immer zwischen heiß und kalt hin und her drehen und schnell unter das Wasser springen, sobald es erträglich ist. Wasser sparen geht anders.

Liana wird wieder um 14.00 Uhr für eine weitere Massage abgeholt und wir machen uns fertig, um unser Treffen mit den anderen einzuhalten. Als wir im Taxi sitzen, klingelt das Handy. Liana wurde doch mit einer Spritze in den Muskel behandelt und möchte jetzt lieber beim Boot sein. Da wir die Türkarten und den Schlüssel zum Boot dabei haben, läuft Alex wieder zurück zum Boot, um nach ihr zu sehen und zu helfen. Michael und ich treffen die anderen im Irish Pub und nach zwei Bier beschließen wir: Wenn Liana nicht zur Party kommt, kommt die Party zu ihr. Wir spazieren gemütlich zurück und treffen Alex und Liana in einer kleinen netten Bar. Vor der Bar tanzen und feiern die Einheimischen auf der Straße. Es ist herrlich. Der Abend verläuft sehr lustig mit Diskussionen über Politik und sonstige lustige Themen. Alle quetschen wir uns in unser Cockpit und genießen den lauen Abend.

Am nächsten Morgen kommt Catherine, die Masseuse, um halb acht morgens bei uns vorbei und erklärt uns die Ergebisse der Röntgenaufnahmen von Lianas Hüfte. Offenbar ist ein Bein etwas kürzer als das andere und die Belastung durch das Laufen auf dem Camino hat wohl einen Nerv eingeklemmt. Überhaupt geht es Liana eher schlechter als besser, auch wenn sie tapfer weiter behauptet, alles wäre okay. Sie braucht an diesem Tag ca. 5 Minuten um über die Reling zu kommen. So ein Boot ist leider eben nicht der beste Platz, wenn man ein Problem mit dem Bein hat. Sie entschließt sich daher schweren Herzens, uns vorzeitig zu verlassen. Sie ruft ihre Verwandten in Lissabon an und will die letzten Tage bei ihnen verbringen. Michael begleitet sie bis Lissabon, da sie mit ihrem Rucksack kaum selbst laufen kann.
Als wir sie mittags verabschieden, sind wir beide sehr traurig. Liana ist uns in der kurzen Zeit doch sehr ans Herz gewachsen.

Wir werden in der Zwischenzeit das Boot nach Leixões verholen. 5 Seemeilen weiter nördlich, aber dafür wirklich günstig. Während wir in der schicken Marina bei Porto 44 Euro pro Nacht zahlen mussten, kostet uns die Nacht in der Marina Porto Atlantico lediglich 14 Euro. Bei gleichem Service. Gut, die Marina ist direkt beim Hafen für die Cargoschiffe gelegen, aber die Umgebung und das nette Fischerdorf hier sind einfach super. Hier gibt es zwar nur zwei Duschen, dafür kann man die Temperatur auf angenehm einstellen.
Die Überfahrt ist zwar kurz mit 5 Seemeilen, aber der Wind kommt direkt aus Norden (mal wieder von vorne) und das mit guten 5 bis 6 Windstärken. Die daraus resultierenden Wellen in der lang gezogenen Bucht sind kurz, hoch und hackig. Wir bolzen mit Motor gegenan, stampfen in so gut wie jede Welle, während immer wieder Wasser überkommt. Da wir gegen Wind und Welle müssen, machen wir Geschwindigkeiten zwischen 0.5 und 2.4 Knoten. Zu Fuß auf dem Camino mit Rucksack waren wir schneller. Daher brauchen wir für die Strecke auch gute 2 Stunden. Aber wir kommen heile und gut in Leixões an. Abends besuchen wir die Pintail und die Sturmschwalbe. Das Wasser in der Marina ist glasklar. Sehr selten für ein Hafenbecken.

Heute warten wir auf Michaels Rückkehr,  putzen, saugen und gehen einkaufen. Stefan hat uns erzählt, dass der örtliche Supermarkt den Einkauf bis zum Boot liefert, wenn der Wert des Einkaufs 50 Euro übersteigt. Das sollten wir hinbekommen. Also gehen wir einkaufen und nachdem sich jemand gefunden hat, der englisch spricht, ist es kein Problem, unseren Einkauf liefern zu lassen. Wir packen den Einkaufswagen voll (ich muss es ja schließlich nicht tragen!), bezahlen und lassen unseren Einkauf da wo er ist. Im Supermarkt. Sonntags wird nicht ausgeliefert, morgen um 15.00 Uhr soll das geschehen. Ein sehr seltsames Gefühl, ehrlich gesagt, einfach so ohne seinen Einkauf wieder zu gehen.
Hunger haben wir aber doch bekommen. So gehen wir in ein nettes kleines Sushi Restaurant. Alex kann man eigentlich nie mit Sushi hinter dem Ofen hervorlocken, aber dieses hier ist derartig lecker, dass wir uns beide völlig überfuttern. Kosten für uns beide: 28 Euro, inklusive Getränke. Meckern können wir da wirklich nicht. Jetzt müssen wir aber erst mal verdauen.

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Porto

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Porto

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Ausblick vom Hafen in Porto

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Straßenparty

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Ausblick im Hafen Leixões

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Salzwasser bringt alles zum rosten. Da mag ich mein Boot nicht mehr festmachen

Kategorien:Portugal

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