Adventures with Pintail

Am Sonntag wollen Pintail und Sturmschwalbe weiter fahren nach Lissabon. Wir haben uns entschlossen, nicht nach Lissabon zu fahren, sondern direkt weiter die Küste runter Richtung Sines. Daher treffen wir uns alle am Samstag abend bei der Sturmschwalbe und trinken ein Abschiedsbier. Es fällt uns etwas schwer, uns von den neu gewonnenen Freunden zu verabschieden, denn sie sind uns ans Herz gewachsen. Es war und ist immer lustig.
Abends frischt der Wind immer auf, aber heute abend fegt es doch gewaltig. Da Wochenende ist, haben um uns herum viele Boote geankert. Ehrlich gesagt, mache ich mir keine Sorgen um unseren Anker, dass er nicht hält, sondern um die Anker der anderen Boote vor uns. Sollten die anfangen zu rutschen, könnten sie in uns rein krachen. Keine übermäßig tolle Vorstellung. Als wir gegen zwölf ins Bett gehen, zeigt der Windmesser 38 Knoten Wind an. Das wäre dann Windstärke 8 nach Beaufort. Sturmstärke also. Topp… vor allem, weil ich der Meinung bin, dass der Windmesser immer eher zu wenig Wind anzeigt, als tatsächlich herrscht. Die Nacht wird dementsprechend unruhig, da ich immer wieder aufwache, wenn eine besonders starke Böe über uns hinwegfegt.

Da Michael noch auf den Papierkram für seinen Ausweis wartet, zieht er am Sonntag morgen auf die Pintail um, um mit ihnen den Fluss hinauf nach Lissabon zu fahren. Das bedeutet für uns, dass wir plötzlich wieder ganz allein sein werden. Erstaunlich, wo wir bei unserer Abfahrt davon ausgegangen sind, dass wir hauptsächlich zu zweit unterwegs sein werden und nun die wenigste Zeit allein sind. Aber es gefällt uns, so wie es ist.

Am Sonntag morgen werfen wir Michael also aus dem Bett und liefern ihn pünktlich ab. Die Sturmschnitzels segeln an uns vorbei, während wir auf der Pintail sind, um uns zu verabschieden. Wir packen unsere Sachen, um Wäsche zu waschen und einkaufen zu gehen. Als wir wieder ins Beiboot steigen, sehe ich Stefan im Wasser schwimmen. Seltsam, was macht er da? Sie wollten doch schon den Anker gelichtet haben und unterwegs sein. Wir fahren kurz vorbei und fragen, ob alles in Ordnung ist. Wohl nicht, sie bekommen ihren Anker nicht mehr nach oben. Die Winsch gibt erbärmliche Geräusche von sich und das Boot bewegt sich überhaupt nicht nach vorne, dabei sind noch 25 m Kette im Wasser. Wir gehen an Bord und mit vereinten Kräften versuchen wir erst, die Kette von Hand zu ziehen, aber das geben wir sehr schnell auf. Dann legen wir eine Hilfsleine an die Kette und winschen mit Ankerwinsch und Mastwinsch die Kette Stück für Stück nach oben. Die Ankerwinsch quietscht und ächzt, so dass wir Angst bekommen, die Kette könnte reißen. Irgendwo muss sich die Kette am Grund verhakt haben. Alex scherzt, ob Stefan vielleicht ein Auto an der Kette nach oben ziehen würde. Wir versuchen, mit dem Vorwärtsgang den Anker auszubrechen bzw die Kette frei zu kriegen, aber auch das hilft nichts. Also wieder winschen.

Als noch ca. 20 m Kette im Wasser sind, schauen wir über die Reling. Was wir da sehen, verschlägt uns allen die Sprache. An der Kette der Pintail hängt noch ein Anker. Allerdings nicht der, der ihnen gehört und offenbar auch keinem anderen Boot in der Nähe, denn der Anker sieht aus, als hätte er einmal an einem großen Tanker gehangen. Kurz unter der Wasseroberfläche hängt nun also dieses riesen Ungetüm, dass vermutlich 200 kg wiegt. Kein Wunder, dass sich die arme Winsch so schwer getan hat und erstaunlich, dass wir das Ding überhaupt so weit nach oben bekommen haben. Nachdem wir das Ungetüm zu genüge bewundert haben, geht nun Alex ins Wasser und versucht zu erkennen, wie sich die Kette der Pintail mit dem riesen Anker verwickelt hat und wie sie es wieder loswerden können. Er wackelt mit dem Bootshaken an dem Ungetüm, aber der bewegt sich kein Stück. Offenbar hat sich die Kette zwei mal um den riesen Koloss gewickelt. Bei näherem Hinsehen stellt sich heraus, dass es sogar zwei ineinander verwickelte Anker sind, von denen einer noch zusätzlich eine riesen Kette hat, die irgendwo im Dunst Richtung Grund verschwindet. Nach mehreren erfolglosen Versuchen, das Ungetüm und die Kette der Pintail wieder voneinander zu trennen, beschließen wir, dass es einen professionellen Taucher dazu benötigt.
Die Pintails versuchen also bei der ansässigen Tauchschule jemanden zu finden, der das Problem löst. Sonst müssten sie ihren Anker aufgeben. Das heisst abflexen. Nichts, was man gerne macht.
Nach zwei einhalb Stunden steigen wir wieder ins Beiboot und gehen einkaufen, während die Pintail darauf wartet, wieder frei zu sein. Gegen vier Uhr kommen wir wieder zurück. Bislang war wohl noch kein Taucher da. Dann bleiben die beiden uns wohl doch noch einen Tag erhalten. „I’m not fucking going anywhere“, konstatiert Stefan. Naja, er braucht sich nun wirklich keine Sorgen mehr zu machen, dass der Anker nicht halten könnte. Mit dem Gewicht am Boden könnte ein Hurrikan über ihn hinwegfegen und er läge immernoch da. Blöd halt, weil er weiter will, aber nicht kann.

Kategorien:Portugal

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