Angekommen und doch weiter

Puh. Ich weiß, wir haben uns lange nicht mehr gemeldet.

Es war einfach immer was los.

Kaum sind wir mitten in der Nacht in Portimao angekommen, sind wir totmüde ins Bett gefallen. Und doch habe ich gleich wieder den Wecker gestellt. Montag morgens nach dem Kaffee setzen wir uns ins Dinghi und Alex rudert mutig gegen die Strömung und den Wind an. Nach einer halben Stunde kommen wir in der Marina an, ein Weg der mit dem Außenborder keine 2 Minuten dauert. Wir sagen unseren Berliner Freunden Hallo, trinken ein oder zwei Kaffee zusammen und dann lassen wir das Ruderdinghi in der Marina liegen und fahren zu viert in dem großen Dinghi von Inge und Thommy in Richtung Trockendock. Faith ist in der Zwischenzeit verkauft und wir wollen unsere letzten sieben Sachen von Bord holen, bevor am nächsten Tag der Käufer auf der Matte steht. Das geht auch recht zügig und bald haben wir unseren Außenborder wieder. Hach, ist das herrlich, nicht mer rudern zu müssen. Im Mittelmeer ohne Strömung kein Problem, hier im Fluss mit der Tide schier unmöglich irgendwo hin zu kommen. So vergeht der Tag schnell.

Am nächsten Tag treffen wir uns mittags mit dem Käufer Alfredas, wir wollen ihm ein paar Sachen am Boot erklären, denn jedes Boot hat so seine Eigenarten. Dieser Tag will aber einfach nicht so, wie wir wollen. Alfredas bricht den Hebel zum zumachen des Klofensters ab, Alex bricht den Hebel des Seeventil der Toilette ab und so geht es gleich weiter. Was man anpackt, will nicht. Kurz, an dem Tag fehlt der Henkel zum Wegschmeißen. Aber Alfredas bleibt super gelassen und freut sich riesig über alles, was übeerhaupt funktioniert. So können wir das natürlich nicht lassen und am kommenden Tag wird ein neues Seeventil eingebaut, der Hebel des Klofensters repariert und überhaupt läuft es diesmal. Zu Mittag essen wir in der naheliegenden Fischerkneipe. Naja, Kneipe ist fast zu viel gesagt, es ist ein mobiler Stand mit einer Art Wintergarten vorne dran, wo alle Fischer hingehen, um morgens um Acht ihr Feierabendbier zu trinken. Zuerst war ich diesem Laden durchaus kritisch gegenüber, inzwischen ist es mein liebster Schuppen. Der Junge steht vorne und macht die Getränke, Mutti steht hinten in der Küche und serviert einem für 2,50€ einen herrlich leckeren Cheesebruger mitsamt Pommes. Bier 1 Euro, Kaffe 0,80 €, nette Leute, immer was zu gucken, was will man mehr?

Am Donnerstag dann sind wir größtenteils soweit, dass wir ihn alleine wurschteln lassen können. An dem Tag kommt auch seine Frau an, die das Boot vorher nur von Fotos gesehen hat. Trotzdem mag sie das Boot. Ich verabschiede mich gegen Mittag, da ich meine Freundin Robyn vom Flughafen abholen möchte. Sie kommt uns für eine Woche besuchen. Alles klappt, der Flug ist pünktlich und Alex war sehr schlau uns die ersten Stunden alleine zu lassen, denn wir plappern in einer Tour 🙂

Den Freitag lassen wir entspannt angehen. Das Wetter ist herrlich und wir sitzen bis Mittags im Schlafanzug im Cockpit und quatschen. Abends haben wir uns mit Inge und Thommy verabredet und wir fahren gemeinsam in die Berge, zur Pizza Party Night. Dort waren wir im vergangenen Jahr schon einmal und fanden es so toll, dass wir Robyn gleich dorthin mitgeschleppt haben. Der Abend war ein voller Erfolg, auch weil wir in Alex‘ Geburtstag reingefeiert haben. Spät kommen wir wieder Heim, aber glücklich. An Alex‘ Geburtstag selber packen wir die beiden Berliner ein und fahren zu fünft raus und gehen segeln. Es herrscht wenig Wind, wir dümpeln in der Sonne vor uns hin und genießen das Leben. So vergehen die Tage rasch. Sie sind gefüllt mit gemütlichem Aufstehen, Kaffee trinken, quatschen, viel Essen und trinken und die Seele baumeln lassen. Auch fahren wir ans Kap Sao Vicente, den südwestlichsten Punkt des europäischen Festlandes. Dort verkaufen Sie die letzte Bratwurst vor Amerika. Fanden wir sehr witzig und haben uns eine gegönnt. Die Woche geht sehr rasch vorbei und schon bald sitzt Robyn wieder im Flieger nach Hause.

Ruhe kehrt bei uns deshalb noch lange nicht ein. Am Freitag ist der große Tag für Faith, die nun umbenannt wurde in Wet – Nass. Sie kommt wieder ins Wasser. Mehr oder minder pünktlich stehen die Portugiesen vor der Tür und lassen Faith, äh, Wet auf einem Trailer wieder ins Wasser. Während Alex mit den beiden Käufern auf dem Boot ist, für alle Eventualitäten sitze ich im Dinghi und fahre hinterher. Es dauert etwas, bis sich das Boot dazu hinreißen lässt, von dem Trailer zu schwimmen, aber alles funktioniert hervorragend. Wir ankern in der Bucht, Alfredas und seine Frau sind total happy. Samstag sind wir gleich wieder bei Ihnen und schlagen nun die Segel an. Klingt nach einem schnellen Job, beschäftigt uns aber doch locker 6 Stunden. Zuerst Kaffee, quatschen, Segel herausholen, erklären, anschlagen, noch mehr erklären, Fotos machen, Pause machen, noch mehr quatschen usw. usf.

Nun ist es soweit. Unsere Haupt to-do Liste ist abgehakt. Das Boot schwimmt und alles funktioniert. Ziemlich viel Stress scheint von uns abzufallen und wir liegen den gesamten Sonntag faul herum und können uns nicht motivieren, irgendwas zu tun. Auch das Wetter lädt gerade dazu ein, nicht herauszugehen. Es ist wolkig und schauert ab und zu. Da brauchen wir auch kein schlechtes Gewissen zu haben, einfach nur nichts zu machen. So langsam realisieren wir, dass wir angekommen sind.

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Pizza Party Night mit Inge und Thommy

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Segeln gehen

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Die letzte Bratwurst vor Amerika

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Ehemals Faith, jetzt Wet

Kategorien:Portugal

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