Auf dem Jakobsweg – Vigo nach Redondella

Heute sind wir aufgebrochen, 100 km auf dem Jakobsweg zu pilgern. Wir haben das Boot, Wasser und Wellen für die kommenden 5 Tage gegen Wanderschuhe, Schweiß und einen erstaunlich schweren Rucksack eingetauscht.
Um 5.30 Uhr klingelte unser Wecker. Die letzten Dinge wurden eingepackt, das Boot nochmals gesichert und auf ging es. Erst in den Bus. Hier muss ich dringend die hiesige Buslinie Monobus lobend erwähnen. Unsere Verbindung von Portosin nach Vigo beinhaltete 2 mal umsteigen, mit recht knappen zehn Minuten zwischen jeweiliger Ankunft und Abfahrt der Busse. Aber alles lief wie am Schnürchen. Daher standen wir wie geplant um 11 Uhr in Vigo am Busbahnhof. Die Busse hier sind zwar durchaus pünktlich, aber die Busfahrer kennen wirklich keine Schmerzen. Alex hat sich sogar angeschnallt. Ich persönlich habe uns mehrfach in der Leitplanke oder im anderen Auto gesehen, aber wir sind sicher angekommen.
Zuerst mussten wir eine Kirche finden, die unsere Credencials abstempelt. Wir brauchen ja einen offiziellen Startpunkt

Die Leute in der kleinen Kirche, die wir gefunden haben haben erst nach wiederholter Erklärung was wir wollen, sowie nach Vorzeigen unserer Pilgerpässe (den Credencials) verstanden, was wir wollten. Also durften wir mit Rucksack auf dem Rücken und quitschenden Schuhen quer durch die fast gefüllte Kirche laufen (die Messe sollte offenbar gleich beginnen), durften hinten ins Pfarrstübchen und haben den wichtigen Stempel bekommen. Vorgabe ist, zwei mal pro Tag zu stempeln, da die besonders Findigen unter uns den Pilgerweg mit dem Auto abfahren und njr Stempel sammeln gehen. In Santiago de Compostela angekommen, erhält der Pilger, der die letzten 100 km nach Santiago gewandert ist einen Generalablass der Sünden. Schick, nich?

Gut, der Sündenablass ist nicht der Grund, warum wir uns aufgemacht haben, aber witzig ist es schon.

Da der Küstenweg an Vigo vorbei nicht so beliebt ist, wie andere Routen, war der Teil der Strecke – nun sagen wir wie es ist – völlig unbeschildert. Ohne Alex Handy und seinen Orientierungskünsten wären wir nicht weit gekommen.
Es ging bergauf. Ziemlich sogar. Bei der spanischen Mittagswärme (keine direkte Sonne, es war bewölkt) lief uns trotzdem recht viel Wasser aus dem Körper. Wir schwitzten. 150 m bergauf klingen nicht so viel, aber wenn man ziemlich aus der Übung ist und ca. 11 kg Rucksack an einem wieder runter ziehen, sind 150 Höhenmeter ganz schön anstrengend. Die mitgebrachten Pfirsiche und Bananen waren schnell weg und desto mehr Wasser wir getrunken haben, desto leichter wurde der Rucksack.
Die ersten Kilometer ging es durch die Stadt, wobei Vigo echt nicht sehenswert ist. Irgendwie hatte ich mir die Stadt kleiner vorgestellt. Aber bald waren wir auf dem Hügel, wo wir oben in einem hübschen Wald laufen konnten. Bänke an die Wege zu stellen, kommt Spaniern allerdings wohl nicht in den Sinn. Leider.
Auch hat uns das Navi einmal quer durch ein Dornengestrüpp geschickt, sollte wohl ne Abkürzung sein…. 😉

Für die 15 km von Vigo nach Redondella haben wir insgesamt 6 Stunden gebraucht. In dem angestrebten Hostel gab es noch genau ein Doppelzimmer, dass wir glücklich in Beschlag genommen haben. Zuerst sind wir unter die Dusche! Was eine Wohltat!! Dann anmelden, stempeln und essen! Für 9 Euro haben wir zwei Gänge, Radler und Digestiv erhalten. Topp. Da kann man nicht klagen.
Redondella selbst gefällt uns beiden richtig gut. Ein kleines süßes Städtchen mit verwinkelten Gassen und Kirchen. Zurück in unserem Zimmer schreibe ich nun den Beitrag während draussen eine Horde Mädels versucht, irgendeinen Kerl hier im Hostel zu beeindrucken. Dies geschieht sehr laut und mit viel Gekreische und Gegackere vor der Tür. Als ich doch einen Blick aus dem Fenster riskiere, wandert eins der Mädels nur noch mit Hose bekleidet drei Runden um den Brunnen vor der Tür. Warum, dass werden nur die Mädels wissen. Unterhaltsam ist es alle mal.
Jetzt sind sie allerdings weg und wir werden früh ins Bett fallen und morgen weitere 20 km in Angriff nehmen.

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Weg durch den Wald

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Ausblick auf Redondella

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In Redondella

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Die Jakobsmuschel weist uns ab hier den Weg

Kategorien:Portugal

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