Auf Grund gelaufen

Für diesen Beitrag hatte ich gefühlte zehn verschiedene Titel, aber der entspricht einfach am besten der Realität. Wir sind auf Grund gelaufen und haben dabei um ein Haar unser Ruder verloren.

In Pomarao ist es schon morgens heiß. Nicht nur warm. Wir haben aber ja jetzt Süßwasser um uns herum. Damit schrubben wir erstmal das Deck. Desto weiter wir den Fluss hochgefahren sind, desto brauner wird das Wasser. Mehr und mehr Sediment, aber kein Salzwasser mehr.

Mittags machen wir einen Abstecher in das Dörfchen. Es ist schwer überschaubar, urig und einfach schön. Es gibt ein Cafe, das wars. Es gab wohl auch mal ein Restaurant, dass mittags geöffnet hatte, aber als wir daran vorbei laufen, lässt kaum etwas auf Aktivität schließen.

Eine Eisenerz Verladestation gab es hier mal. Jetzt gibt es nur noch den großen Stausee. Die Reste der Verladestation rotten vor sich hin.

Sobald die Tide kippt, liften wir den Anker, genau wie Dörte und Jens. Die beiden fahren vor. Denn die Betonnung geht nur bis Pomarao. Danach muss man wissen, was man tut. Wir wollen noch drei Meilen weiter hinauf. Soweit, wie es die Karte erlaubt. Jens ist dort schon mal gefahren und fährt uns voraus. Seinem alten Track hinterher.

Wir fahren ihm hinterher. In dem Wasser sieht man einfach gar nichts. Nur die Steine, die aus dem Wasser ragen. Alles läuft super, die Kartentiefe stimmt immer. Das Echolot funktioniert auch wieder einwandfrei.

Kurz bevor wir ankern wollen, fährt Jens etwas in eine (laut Karte) eher flache Zone. Laut Karte ist es am Rand tiefer. So sage ich Alex, er soll sich eher am Rand halten. Das tut er auch. Dann rauscht die Funke. Jens ruft „…grrscht.. Nicht…grscht“. Was meint er? Ich verstehe ihn nicht und will nachfragen. Auf einmal knaufelt es von unten und wir schaukeln. Dann stehen wir.

Wir sind mit 4 Knoten Fahrt auf Grund gelaufen. „Nicht in die Ecke!“ tönt es nun aus der Funke. Gleichzeitig hupt das Echolot: Flachwasser Alarm.

Toll. Jetzt wissen wir das auch.

Alex gibt Rückwärts Gas. Nichts. Mehr Gas. Nichts. Wir antworten Jens erstmal und der will erstmal sein Boot ankern und uns mit dem Dinghi helfen. Wir haben noch zwei Stunden auflaufend Wasser vor uns. Das sollte helfen.

Mit Bugstrahlruder und rückwärts Gas geben ruckeln wir uns wieder frei. Hach! Gut. Erstmal auf dem Weg wieder zurück, wo wir her kamen. Und in die Mitte. Keine fünf Meter weiter aber wieder großes Rumpeln im Boot und wir sitzen schon wieder fest.

Dieses Mal sitzen wir auch leicht schief. Was eine Kacke. Das Geräusch ist grausam. Das will niemand je hören, der auf einem Boot fährt.

Nun kommt auch Jens mit dem Dinghi. Er drückt vorne Vollgas und Alex ruckelt uns frei. Ich gebe Kommunikation weiter und gucke, ob wir uns bewegen oder nicht. Nach fünf aufregenden Minuten sind wir frei.

Erleichterung. Aber dann ruft Alex: ich kann nicht mehr steuern!

Irgendwas ist mit dem Ruder. Auch das Bugstrahlruder scheint was abbekommen zu haben. Wir fahren nur noch nach rechts, egal wie Alex auch lenkt. Jens zieht uns mit einer Leine in die Mitte des Flusses und wir ankern.

Sofort gucken wir in die Bilge, ob Wasser rein kommt. Nein. Gut. Alex reißt unser Bett auseinander, wo der Steuerquadrant drunter sitzt. Da sind zwei von vier Schrauben, die den Ruderquadranten in Position halten, heraus gerissen. Kacke. Das sieht nicht gut aus. Die verbliebenen zwei Schrauben sind auch schon windschief.

Alex baut den sofort aus und ich gehe ins Wasser, um mal zu fühlen, ob was im Ruder oder im Propeller steckt.

Als ich runter gehe, sehe ich nicht die Hand vor Augen, weil das Wasser so trübe ist. Ich muss mich auf meinen Tastsinn verlassen. Das Ruder lässt sich erstaunlich leicht bewegen. Ein wenig zu leicht. Als ich weiter runter gehe, merke ich, dass der Ruderschuh weg ist. Mit gesamten unteren Teil des Skegs. Das Ruder hängt also frei und läuft Gefahr raus zu fallen. Dem Propeller geht es aber gut.

Als erstes legen wir eine Leine um das Ruder und binden das an der Süllkante fest. So kann das Ruder nicht mehr raus fallen. Dann nehmen wir noch einen Lkw Spanngurt unter dem Ruder durch.

Damit können wir das Ruder wieder nach oben ziehen. Jetzt ist langsam guter Rat teuer. Wie sollen wir ohne Ruder wieder aus dem Fluss heraus kommen? Wir liegen hier in der letzten Pampa. Zwei Häuser auf den nächsten 5 Kilometer. Gut, dass wir uns so sehr auf unseren Anker verlassen können.

Während wir noch tauchen und die Situation erkunden, kommt ein Portugiese im Dinghi angerudert, mit seinem Neffen (oder Enkel). Der Portugiese spricht uns an, hört sich unser Leiden an und sagt dann: Ja, ich weiß, die Steine da hinten, da sind schon viele drauf gefahren.

Toll, danke für den Hinweis. 🤯

Sagt dann aber weiter, dass sein Haus da hinter dem Hügel wäre und wenn wir irgendwas bräuchten, sollen wir doch vorbei kommen. Er meint das ernst. Schön.

Nachdem wir unser Ruder so notdürftig gesichert haben, kommen Jens und Dörte vorbei. Schlachtplan entwerfen. Was machen wir, was können wir machen. Klar ist, wir müssen sobald wie möglich wieder aus dem Wasser. Wir waren ja schon lange nicht mehr auf dem Trockenen… Grrr. Aber die nächste Möglichkeit ist in Villa Real, 20 Meilen Flussabwärts. Grundsätzlich würden wir gerne wieder nach Portimao, da kennen wir uns ja nun gut genug aus. Aber wie dahin kommen, ohne Möglichkeit zu steuern?

Wir überlegen hin und her, sind aber zu müde, um noch eine Entscheidung zu treffen. So zuppeln wir nochmal an den Gurten und Leinen, und legen uns schlafen. Jetzt gerade können wir eh nichts mehr tun. Zudem dort wo wir sind, weder Internet noch überhaupt Netz zum Telefonieren vorhanden ist.

Als wir endlich todmüde im Bett liegen, murmelt Alex noch: „Es gibt nur zwei Arten von Seglern. Die, die schon mal auf Grund gelaufen sind und die, die lügen.“

Da wo die Steine jetzt bei Niedrigwasser zu sehen sind, saßen wir fest
Die Spanngurte halten das Ruder oben.

Kategorien:Umbau

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