Auf in neue Gewässer

Ich kann es selbst kaum glauben. Sicherheitshalber haben wir keinem vorher etwas davon erzählt. Auch wenn es nur 35 Meilen sind. Seitdem wir vor zwei Jahren wieder in Portimao angekommen sind, sind wir ja nur zu Tagestörns heraus gefahren. Jetzt endlich, nehmen wir Kurs auf neue Ziele. Neues Gewässer ist vielleicht übertrieben, fühlt sich aber für uns so an.

Am Freitag ist es soweit. Nachdem wir den Donnerstag noch sehr geschäftig verbracht haben, da Freunden von uns auf einmal ihr Dinghi kaputt gegangen ist und wir ihnen noch geholfen haben, ein neues auf die Schnelle zu finden. Alles nicht so einfach. Aber dafür ist es gut, wenn man sich schon ein wenig auskennt in der Gegend und weiß, wen man fragen muss.

Daher stehen wir am Freitag früh auf und räumen noch die letzen Dinge auf und weg. Das Dinghi verstauen wir das erste Mal an Deck. Klappt aber sehr gut und schnell. Um zehn Uhr gehen wir Anker auf. Der Wind ist erst für 13 Uhr angesagt. Als wir losfahren erschreckt sich offenbar die Elektrik, die so lange nicht mehr benutzt wurde. Unser Garmin Plotte zeigt weder die Tiefe, noch die Geschwindigkeit oder den Kurs an. Wohl aber die Wassertemperatur. Das ist auch das wichtigste… 🤯 Glücklicher Weise braucht das Gerät nur eine Weile, um sich wieder einzukriegen. Nach 30 Minuten haben wir alle Anzeigen.

Nordwest ist angesagt, als wir aus der Einfahrt fahren fühlen wir Südwind. Naja, dreht vielleicht noch und was solls, halbwind ist auch gut. Wir dümpeln mit 2,5 Knoten durch die Gegend dem Ziel entgegen. Culatra, da wollen wir hin. Eine Insel vor Faro, 35 Seemeilen entfernt. Unsere Freunde Dörte und Jens, müssen noch einkaufen gehen und kommen uns dann hinter her. Mit ihrem Doppelsegel sind die aber viel schneller als wir, so sind wir schon mal losgefahren und sammeln Vorsprung.

Es ist ein herrliches Kaffeesegeln. Nicht sonderlich schnell, aber wir kommen vorwärts. Wie immer sind überall um uns herum die Fischerbojen. Auf einmal sieht Alex eine etwas zu spät und wir fahren über sie drüber. Leider kommt sie hinten nicht mehr raus, sondern wir werden beständig langsamer. Wir haben die Boje eingefangen. Schöner Mist.

Gut, dass noch nicht viel Wind herrscht. Zuerst alle Segel rein und dann schneppt sich Alex das Messer, zieht sich um und geht tauchen. Glücklicher Weise muss er nur zwei Mal an dem Seil ruckeln, dass sich um den Skeg gewickelt hat und die Boje kommt frei. Beziehungsweise, wir kommen frei. Alex prüft nochmal, ob am Propeller und dem Skeg soweit alles in Ordnung ist. Alles gut. Puh. Da sind wir froh.

Als wir nun die Segel wieder setzen wollen, hat sich das Großsegel leider total verwurschtelt. Es kommt (mal wieder) nur unter großem Brimborium aus der Rolle heraus und wir sind entsprechend gefrustet. Das System ist einfach nicht das Beste, um es nett auszudrücken.

Kaum sind wir wieder halbwegs auf Kurs, fährt ein kleines Motorboot von GNR hinter uns her. Die beiden Herren winken freundlich, kontrollieren unseren Bootsnamen und funken wohl mit der Leitstelle. Nach ein paar Minuten kommen sie nah uns heran und sprechen uns an. Ob wir aus Portimao kommen? Ja, tun wir. Wo wir denn hin wollen. Culatra. Aha, gut. Wo denn unsere Registrierungsnummer sei (in Portugal muss man die am Schiff aufmalen). Wir brauchen aber keine, und das erklären wir denen auch. Damit geben sie sich zufrieden, wünschen uns einen schönen Tag und fahren wieder.

So langsam frischt der Wind weiter auf, wie angekündigt und unsere Dame legt los. Mit über 6 Knoten rauschen wir dahin und gleiten über die strahlenden Wellen. Es ist ein Freude. Die ganze Arbeit, die wir uns gemacht haben, hat sich offenbar gelohnt.

Die Einfahrt von Faro sollte man am besten bei Stillwasser erreichen, da dort recht viel Strömung herrschen kann. Stillwasser ist am Freitag von 7 bis 8.30 Uhr. Um 8 Uhr fahren wir in die Einfahrt ein. Recht eng gefolgt von Dörte und Jens. Trotz allem waren wir doch noch ein klein wenig schneller als die beiden und wir freuen uns auch darüber.

Wir finden auf Anhieb einen tollen Ankerplatz und der Anker hält sofort. Hinter uns ankern auch Dörte und Jens. Dann funken sie uns an. Dörte hat ausprobiert, ob man auch bei Wellengang ordentlich kochen kann und hat super leckeren Zwiebel Puten Auflauf gemacht und lädt uns ein. Na, da sagen wir sicher nicht nein.

Der Abend wird ganz toll, mit den Geschichten unserer Tageserlebnisse. Aber nicht so lange, denn wir sind doch recht müde. Bald fallen wir erschöpft aber glücklich ins Bett.

Segel steht
Chef Foto bei der Einfahrt in Faro
Culatra am Abend mit dem aufgehenden Mond

Kategorien:Umbau

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