Auf nach Culatra

Wir wollen am Donnerstag losfahren. Von Portimao nach Faro, dort eine Nacht bleiben und dann weiter in den Guadiana. Den Wetterbericht prüfen wir alle paar Stunden, ob sich auch nichts geändert hat. Donnerstag soll recht wenig Wind sein, gerade am Anfang wird es wohl eher eine Motorfahrt.

Freitag dann auf dem Weg in den Guadiana sieht es so aus als ob wir mit einem schönen Halbwind segeln können. Dann kommt am Samstag mal wieder Sturm aus Gibtraltar, den wollen wir vermeiden, vor allem das Geschaukel mit den Wellen dazu.

Mittwoch Abend kommen noch Michael, Robert und die zwei von der Walross bei uns auf Kaffee und Kuchen vorbei. Alles ist verpackt, aufgeräumt, gestaut und vorbereitet. Wir lassen den Motor nochmal Probe laufen. Er springt an, läuft im Leerlauf recht unrund, aber mit etwas Drehzahl läuft er. Dann, nach zehn Minuten stirbt er einfach. Puff, aus die Maus. Alex startet die Maschine direkt wieder. Das geht nur mit ordentlich Gas und sobald wir in den Leerlauf schalten, stirbt die Maschine wieder ab. Uha. So ist kacke.

Das kann so viele Ursachen haben, noch Luft im System vom Umbau auf Tagestank, doch ein Problem kassiert als wir eingewassert haben und die Maschine nicht ansprang, weil vermutlich Wasser in den Kolben war. Im schlimmsten Fall Maschinenschaden…. das hieße hier bleiben, versuchen zu reparieren was geht solange das Boot im Wasser ist (Kopf abmachen, mal eben schnell), dabei nicht manövrierfähig sein, wenn doch aus Versehen wieder ein großes Boot rein will und wir weg müssen oder (bitte nicht) wieder raus kranen und neue Maschine einbauen. Herzlichen Glückwunsch.

So kurz vor knapp können wir da aber gar nichts machen. Denn die ersten stehen schon hungrig an der Reling und wollen den Kuchen, zu dem wir eingeladen haben. Wir lassen also die Maschine, Maschine sein und verschieben das Problem auf Morgen. Alex und die Jungs diskutieren das Problem ausgiebig, kommen aber auch zu keiner Lösung. Außer, dass Michael Lust kriegt zu segeln und sagt, er fährt mit raus. Begleitet uns ein Stück und kann zur Not (falls die Maschine explodiert oder so) Schlepphilfe oder moralische und technische Hilfe leisten. Das beruhigt die angespannten Nerven und so machen wir es auch.

Zugegeben, wir sind einiges gewohnt in der Zwischenzeit. Da lassen wir uns nicht einfach ins Bockshorn jagen.

Donnerstag morgen gehen wir Anker auf, fahren mit der Malu von Micha noch eben schnell tanken und dann geht es los. Die Crews der Walross, der Marie-Luise und der Kebulan stehen an Bord und winken uns zu. Wünschen uns alles Gute und drücken die Daumen, dass wir am Abend nicht gleich wieder in Portimao liegen. Vor der Abfahrt rede ich noch mit dem Motor (ja, ich rede mit Dingen, das hilft). Wir haben uns jetzt so viel und gut um ihn gekümmert, jetzt soll er sich auch um uns kümmern. Bitte.

Also, Maschine an und los. Die Malu fährt hinter uns her. Während wir aus der Einfahrt raus fahren, klappert es schon arg im Gebälk. Mechanisches Scheppern das wir nicht genau zuordnen können bei strahlendem Sonnenschein. Hinter der Einfahrt guckt mich Alex an und fragt: „Ist das Klappern besser geworden oder hab ich mich dran gewöhnt?“

Gute Frage. Kann ich nicht genau sagen, aber leiser ist es geworden. Die erste halbe Stunde guckt und prüft Alex alles sehr genau. Auch unterm Bett, wo die Buchse vom Ruder ist. Kommt das Wasser rein? Nein, gut. Die Stopfbuchse tropft jedoch, aber das ist halb so wild. Alex probiert aus, Drehzahl hoch, wie klingt die Maschine? Drehzahl runter, Leerlauf. Was passiert? Geht der Motor wieder aus? Nein. Läuft. Also weiter. Sogar der Autopilot spielt wieder mit.

Wir halten Funkkontakt zu Michael, dem das ganze so viel Spaß macht hier draußen, dass er spontan beschließt mit nach Faro zu segeln. Dann auf halber Strecke kommt der Wind. Sogar genug, um die Segel auszutesten. Das neue Groß lässt sich viel besser rein und raus ziehen, als das alte. Immer noch nicht super, aber auf dem Weg der Besserung das Ganze. Genua raus und nach kurzer Zeit trauen wir uns, und machen auch die Maschine aus. 11 Knoten Wind, wir machen 5 Knoten Fahrt. Juppieh. So soll es sein.

Kurz vor der Einfahrt Faro schläft der Wind wieder ein. Segel runter und Maschine wieder an. Wir halten die Luft an. Aber der Motor springt an, als wäre nie was gewesen. Scheinbar hatten wir einfach Dusel und es war doch irgendwo eine Luftblase im System. Musste sich warm laufen.

Kaum geankert, mache ich uns was zu essen. Michael kommt rüber und wir verputzen mit richtig Hunger eine große Portion Spaghetti Carbonara. Segeln macht hungrig. Alsbald fallen wir alle müde ins Bett. Morgen früh geht es für uns weiter und für Michael gleich wieder zurück.

Wir waren ja nur einmal vorher hier, letztes Jahr im Juli. Da war schon massiv mehr Verkehr auf dem Wasser. Jetzt sind wir die einzigen vor Anker, außer 9 anderen vor Culatra. Denen, die schon fest gewachsen sind. Im vorherigen Jahr lagen dort bestimmt 60 Schiffe, während kleine Motorboote und Fischer im Minutentakt um uns rum gebraust sind. Jetzt herrscht dagegen Totentanz. Ob das am Lockdown oder am Wetter liegt, wissen wir nicht. Aber für uns bedeutet das eine ruhige Nacht und die brauchen wir.

Blick auf die Küste
Assai unter Segeln
So schön
Segel sehen gut aus
Die Malu neben uns

Kategorien:Portugal

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