Auf nach Sizilien, über Stromboli

Wir verlassen Rocella Ionica abends mit schwerem Herzen. Es gefällt uns sehr gut hier, die Leute sind unfassbar nett, die Pizza war hervorragend, die Landschaft lädt ein zum wandern, streunen und verwunschene Plätze finden. Aber wir wollen weiter und die Wettervorhersage hat einen derzeit seltenen ruhigen Tag für Straße von Messina angesagt, den wir nutzen wollen. Die Straße von Messina ist wieder so eine Düse, wo aus gar kein Wind mal eben Windstärke 4 wird.
Wir wollen vorher noch tanken, legen an der Tankstelle an und der italienische Kollege erzählt uns, dass er erst am nächsten Tag wieder Diesel verkaufen kann, heute nur Benzin. Den Witz hält er erstaunlich lange durch, dass ich ihm schon fast glaube. Immerhin sind wir in Italien, und ohne jemanden beleidigen zu wollen, hier kann meiner Meinung nach, alles sein. Aber er uns bald den gewünschten Diesel. Großer Tank, leerer Tank, große Rechnung. Aber wir wollen ja segeln. Bald geht es also los, durch die Nacht, wir setzen die Segel, lassen uns von den lokalen Winden ein wenig hin und her schubsen, auch die Guardia di Financia kommt kurz vorbei, dreht eine Runde ums Boot, winkt und verschwindet Vollgas wieder. Sie hinterlässt ein paar nervige Wellen, aber das wars auch wieder.
Als die beiden Herren sich zur Nachtruhe legen, kommen mich ein paar Delfine besuchen und ich genieße das ruhige „Pffft“ ihres Luftholens neben mir.

Während der Nacht schläft der Wind ein und wir motoren der Straße von Messina entgegen. Gegen Mittag habe ich wieder Wache und es herrscht wirklich gar kein Wind. Die See ist spiegelglatt und sogar ich muss mich in den Schatten flüchten, um nicht in der Sonne zu braten. Der Autopilot steuert und ich gucke ab und zu nach anderen Booten und bewundere die Natur Süditaliens. Bei einem Blick nach vorne sehe ich voraus wie abgeschnitten topfebenes Wasser und dahinter Wellen, weiße Schaumkronen und zwei Segler die aus der Straße heraus fahren. Aha, da kommt sie, die Düse. Aus Norden. Wir wollen nach Norden. Was sonst? Ich setze das Groß im Reff bevor wir hineinfahren. Unser Freund Nichos kommt heraus und fragt mich, warum ich bei Null Wind Segel setze. Ich zeige es ihm. Wir fahren hinein und versuchen hoch zu kreuzen, aber machen kaum Höhe. Im Prinzip macht es Spaß, aber wir fahren auf der Stelle hin und her. Segel also wieder rein und mit Maschine gegenan. Es dauert eine Weile bis wir die 18 Meilen hinter uns haben, aber es geht erstaunlich gut. Auch die Fähren stellen kein Problem dar. Kaum sind wir aus der Straße heraus, ist der Wind auch schon wieder weg. Faszinierend. So fahren wir durch die zweite Nacht in Richtung Stromboli. Ein aktiver Vulkan, von dem gesagt wird, dass er alle zehn bis fünfzehn Minuten ausbricht und ein Lavastrom sich ins Meer ergießt. Wollen wir sehen. Sind nur 30 Meilen Umweg. Morgens um fünf, als es noch dunkel ist, kommen wir an. Wolken hängen am Gipfel, keine Ausbrüche zu sehen. Wir fahren zu der Stelle, an der wir den Lavastrom vermuten. Nichts zu sehen. Vielleicht haben wir uns geirrt? Naja, wir beschließen, den Tag hier vor Anker zu verbringen und abends wieder unser Glück zu versuchen. Ein ruhiger Tag geht vorbei, aber auch als wir abends kurz vor Sonnenuntergang wieder Anker auf gehen, finden wir zwar die Stelle, an der wohl mal ein Lavastrom war, aber jetzt die Möven hocken und uns genaso bllöd angucken, wie wir sie.
Schade. Einmal wollten wir echt Lava sehen. Naja, es soll wohl nicht sein. Wir wären auch noch länger geblieben, aber ein straker Mistral (Nordwind) kündigt sich an und der Ankerplatz hier ist alles, aber nicht geschützt. Wir wollen nach Sizilien. Trapani heißt unser Ziel. Die kürzeste Distanz zwischen Sizilien und Sardinien. Hier gibt es einen geschützen Ankerplatz und zur Not einige Marinas. Einen Tag und zwei ruhige Nächte vergehen. Zugeben, es passiert nicht viel. Wenn man vier Stunden Wache hat und dann acht Stunden frei, klingt das zwar super entspannt, aber die Zeit verschwimmt irgendwie und es schwer zu sagen, welcher Tag heute ist. Auch kann man nicht wirklich von erholsamen Schlaf sprechen. Zumindest ich nicht. Irgendwie höre ich mit einem Ohr doch immer auf das Boot. Auch wenn wir uns kaum bewegen, nur die Wellenbewegung ausgleichen, strengt es an und als wir am Ende als wir Sonntag morgen ankommen alle ziemlich müde. Es fühlt sich nach Jetlag an. Sizilien ist rau, die Stadt Trapani ist, gelinde gesagt, zugemüllt. An allen Ecken und Enden sieht man 70er Jahre heruntergekommenen Baustil und Müll überall in den Straßen. Nur die Hauptstraße ist hübsch, aufgeräumt, und alle sitzen bei einem Kaffee und Bruscetta draußen, flanieren und tun so, als ob die Stadt überall so hübsch aussähe. Es scheint wie eine Art vergessenes Italien zu sein. Trotzdem bekommen wir in einem kleinen Laden hervorragendes Eis. Hach, das tut gut.

In der Nacht werde ich wach, weil es windet. Ziemlich. Nun, das war angekündigt, der Anker hält und ich schlafe weiter. Wieder mit einem Ohr beim Boot, ob auch alles hält. Aber wir liegen sicher und warten nun ein paar Tage ab, wie sich das Wetter entwickelt. Guckt man sich die Vorhersage an (nein, ich gebe einfach nicht auf, zu hoffen, dass sie einmal recht hat, wenn wir draßen sind) dann sind wir noch ein paar Tage hier. Auch nicht schlecht. Wir waren jetzt lange unterwegs und ich bin ganz zufrieden, mal wieder ein paar Nächte hintereinander durchzuschlafen.

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Rocella Ionica – einfach schön

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Stromboli am morgen

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Da sollte der Lavastrom herunter kommen

Kategorien:Italien

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