Aufräumen, wegräumen und eine Überraschung

Nachdem Alfredas und seine Frau Portimao verlassen haben, sind unsere Tage extrem faul. Zwei Tage lang bewegen wir uns gar nicht von Bord und lassen uns durchhängen. Das tut auch extrem gut, nach der langen Überfahrt.
Einer unserer deutschen Freunde, Peter, bekommt kurz Besuch von seiner Jugendfeundin Christiane, die wir freudig willkommen heißen und alle zusammen einen Abend in die Berge nach Monchique fahren, um Chicken Piri-piri zu essen. Dieser Laden ist der absolute Geheimtipp unter Einheimischen und Ortsansässigen Aussiedlerm. Das Restaurant ist vergleichsweise klein, nur im Sommer kann man auch im Wintergarten sitzen und hat etwas mehr Raum sich herum. Man muss sich zumindest keine Gedanken darum machen, was man denn essen möchte, denn es gibt nur ein Gericht auf der nicht vorhandenen Speisekarte. Das können sie dafür um so besser. Als Vorspeise gibt es Oliven, Brot und eingelegte Karotten, dazu Käse und Prosciutto vom Nachbarn sowie Tomatensalat von den eigenen Tomaten. Das allein ist schon herrlich lecker. Dann gibt es Hühnchen in scharfer Soße (Piri-piri) eingelegt und gebraten. Das einzige, was man wählen kann ist wie viel Hühnchen man haben will. Als Nachtisch Kaffee oder Mandeltarte und die Welt ist in Ordnung. Nachdem wir uns allesamt die Bäuche vollgeschlagen haben, sind wir noch motiviert und gehen hier in die Strandbar No Solo Agua und wollen gerne tanzen gehen. Die haben aber gerade eine Tanzshow laufen mit professionnellen Tänzern, die das wesentlich besser machen, als wir es je könnten. Als Eintritt werden 25€ verlangt. Da gucken wir dann doch etwas belämmert aus der Wäsche, denn das ist dann doch happig. Der Manager sieht das wohl und weil die Show nicht sonderlich besucht ist, werden wir umsonst reingelassen, wenn wir versprechen, erwas zu konsumieren. Nun, das lässt sich einrichten. Es macht Spaß den Tänzern zuzugucken und alsbald können wir auch ein wenig unseren Speck schütteln. Lang geht der Abend aber nicht, denn kaum zwei Stunden später werden wir um Mitternacht aus dem Laden gekehrt. Naja, was solls? Wir konnten tanzen, Ziel erfüllt.

Christiane reist nach drei Tagen schon wieder ab und ist sehr traurig darüber. Nun machen wir uns auf, unsere Sachen, die wir überall eigelagert haben, wieder zu holen. Segel, Töpfe, Pfannen, Küchenzeug, Bücher, Klamotten und allerlei wird auf Assai gekarrt und irgendwie verräumt. Das nutzen wir auch gleich, um großzügig auszusortieren. Alles, was noch keinen festen Platz gefunden hat, fliegt rum. Langsam aber sicher finden alle Teilchen ihren Platz. Am Sonntag treffen wir uns mit Inge und Thommy, die einen bayrischen Metzger hier an der Algarve gefunden haben und uns seit Wochen von ihm vorschwärmen. Wir kurven also durchs portugisische Hinterland, wo irgendwo im Nirgendwo ein kleines Holzschild steht das links zeigt und wo „Walter“ drauf steht. Walter hat ein kleines Häuschen, wo er seine Freunde bewirtet mit gutem deutschem Schnitzel und selbstgemachten Weißwürstchen. Wir sind begeistert, Walter ist ein super netter und kann auch richtig gut kochen. Wir genießen den angenehm warmen Tag im Schatten mit ein oder zwei Bier und einem Schnitzel. Was will das deutsche Herz mehr?

Am Montag bekomme ich eine Nachricht von unserm Freund Lucio und seiner Tochter Kailani, ob sie uns besuchen könnten. Die beiden sind den Camino de Santiago gelaufen und haben noch ein paar Tage Zeit, bevor sie wieder in die Vereinigten Staaten zurückfliegen. Für alle, die sich nicht erinnern: Auf unserem Weg an der Küste Portugals haben wir einen kurzen Stopp eingelegt und sind die letzten 100 Kilometer des Camino gepilgert. Dabei haben wir Michael und seine Mama Liana kennen gelernt, die uns auf unserem Boot besuchen kamen. Michael blieb länger bei uns und sein Vater Lucio kam für ein paar Tage nach Portugal, um ihn und uns zu besuchen. Daraus ist eine herrliche und sehr innige Freundschaft entstanden. Daher haben wir uns natürlich riesig gefreut, dass die beiden die Gelegenheit nutzen wollen, uns zu besuchen. Kaum habe ich es Alex gesagt, bricht die Motivation hervor und die ganze Bugkabine wird von ihm umgeräumt und umsortiert, damit die beiden Platz haben, wenn sie kommen. Mittwoch morgen ist es dann soweit und wir sehen Lucio nach knapp zwei Jahren wieder und lernen seine Tochter Kailani kennen. Was eine Freude. Kailani war noch nie zuvor auf einem Segelboot und ist ganz hin und weg, als sie erfährt, dass sie bei uns auf dem Boot auch schlafen werden. Die beiden haben eine 24 stündige Busfahrt hinter sich, sind aber noch fit. Den ersten Tag verbringen wir entspannt, gehen zu der hiesigen Fischerbar, essen einen Cheeseburger und freuen uns, uns endlich wieder zu sehen. Lucio ist ganz begeistert von der Lokalität, hört den Gesprächen der Fischer zu, übersetzt das eine oder andere, während seine Augen glänzen vor Freude wie einem Kleinkind an Weihnachten. Kurz gehen wir noch zum Lidl einkaufen, fahren wieder an Bord und verbringen den Rest des Tages entspannt an Bord. Die gemeinsame Zeit verfliegt, wir gehen noch einmal gemeinsam zur Pizza Party Night, die nun in der Hochsaison unglaublich gut besucht ist. Peter bringt noch Freunde aus Neustadt mit, Petra und Jochen, die sich auch gleich pudelwohl fühlen. Jochen wiederholt immer wieder völlig fasziniert: „Das ist hier wie in meiner Jugend.“ während er auf einem völlig abgeranzten Sofa sitzt, eine Hand voll mit frischer selbstgemachter Steinofenpizza, in der anderen ein Bier. In Null komma Nix hat Lucio ein Gespräch mit zwei jungen deutschen Päärchen angefangen, die sich eben erst in der Warteschlange zur Pizza kennengelernt haben, jetzt nach drei gemeinsamen Bier schon fast beste Freunde sind. Die Musik dieses Mal reißt uns nicht vom Sockel, so sitzen wir gemütlich in Sesseln, die ihre besten Tage schon lange hinter sich haben, unterhalten uns über Gott und die Welt und gucken uns andere Leute an. Hier findet sich wirklich alles. Vor allem Hippies natürlich, Aussteiger, Leute die Opa als „langhaarige Bombenleger“ bezeichnen würde, Tanzmäuschen, Partygirls und wir mittendrin. Mit Petra und Jochen verstehen wir uns auch ganz hervorragend und da die beiden ein sehr kleines Boot haben, haben sie anstelle eines Dinghis zwei Stand-up Paddlebords. Das hab ich hier am Ankerplatz schon so oft gesehen und wollte es schon ewig einmal ausprobieren. Also belatschern wir die beiden und sie bieten netterweise an, am kommenden Tag vorbeizukommen und uns die Bords auszuleihen, dass wir testen können während sie segeln gehen. Gesagt, getan. Am Samstag Mittag kommen sie mit ihrer J24 bei uns längsseits. Als erstes zeigen wir unser Boot und gucken uns ihres an. Dann kommen wir so ins quatschen, das die beiden ihren Segeltag streichen und wir gemeinsam etwas essen, noch mehr reden und dann irgendwann die Bords ausprobieren. Kailani und ich sind die ersten, die dürfen. Alex holt in weiser Voraussicht schon mal die Videokamera hervor, damit er auch filmen kann, wie ich von dem Ding runterfalle. Da der Wind ganz schön aufgebrist hat, ist das Wasser recht kabbelig und ich falle oft runter. Sehr zum Amüsement meiner Mitmenschen. Aber es macht einen Heidenspaß und nach einer halben Stunde stehe ich zwar durchaus wakelig, aber ich stehe auf dem Bord und komme vorwärts. Alex probiert sein Glück auch, fällt mindestens genauso oft wie ich, aber ich habe noch nasse Hände und kann keine Bilder schießen. Ein Jammer.
Am Sonntag steht nun das Endspiel der Weltmeisterschaft an und obwohl wir uns kaum für Fußball interessieren, ist Lucio doch ein großer Fan, wo er doch selber mal gespielt hat. So sammeln wir uns alle, Inge, Thommy, Peter und seine Mutter Ruth und wir vier, finden uns eine Bar, die das Spiel überträgt (das ist nicht schwierig, jede Bar hat einen Fernseher und überträgt das Spiel) und die noch Platz hat (wird schon anspruchsvoller). Wir passen aber noch allesamt in eine kleine Bar hinein und gucken das Endspiel, während Lucio hinter mir lautstark jeden Spielzug kommentiert und mir dann genau erklärt. Es ist ein kurzweilliges Spiel und wir freuen uns mit den Franzosen, die gewonnen haben. Obwohl man zugeben muss, dass die Jubellaute für das Tor der Kroaten durchaus lauter waren, als die für die Franzosen….

Gemeinsam gehen wir noch segeln, besuchen die Höhlen hier an der Algarve, lassen es uns gut gehen, essen Churros, gehen spazieren und genießen unsere gemeinsame Zeit. Allzu bald müssen wir uns schon wieder verabschieden, da die beiden noch nach Lissabon wollen, bevor ihr Flug am Donnerstag wieder nach Hause in die Staaten geht. Es war eine herrliche Überraschung, dass sie vorbei gekommen sind und wir freuen uns darauf, sie hoffentlich bald schon wiedersehen zu können.

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Walters Garten

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Schnitzel

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Walter selbst

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Tanzabend

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Fußball gucken

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Gruppenbild

Kategorien:Portugal

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