Böen und der Waldbrand in Monchique

Kaum habe ich den letzten Beitrag fertig geschrieben, bekomme ich eine SMS von einem Segelfreund von Andreas, dessen Tochter gerade hier in Portimao ist und schwupp die wupp verabreden wir uns für den nächsten Tag zum Kaffee. Sie heißt Johanna und ist 18 Jahre alt. Wir verbringen einen ganz gemütlichen Tag an Bord, mit baden gehen und unterhalten uns. Dabei sehen wir, dass der Himmel sich seltsam zuzieht. Die Farbe der Wolken ist eher orange, das kennen wir vom letzten Jahr. Das heißt Waldbrand hier in der Gegend. Nach dem Abendessen sitzen wir im Cockpit. Ich habe inzwischen einen natürlichen Sinn dafür entwickelt, zu fühlen, wo der Wind herkommt. Jetzt macht es mich halb kirre, denn zwei Minuten kommt der Wind aus Nord, dann aus Ost, dann West, dann Süd. Mal hier mal da, nicht stark, aber dauernd von wo anders. Es ist zur Abwechslung schön warm am Abend, was uns natürlich freut.

Dann auf einmal trifft eine Böe mit gewaltiger Stärke auf die Ankerlieger. Auch ist der Wind wieder extrem heiß, der Backofenwind von vor zwei Tagen ist wieder da. Man stelle es sich so vor, als ob man den Backofen auf Umluft gestellt hat und nicht nur die Tür aufmacht, sondern mittendrin steht. Wir sehen in den Himmel und zu der orangen Wolke der Waldbrände gesellt sich eine wunderschöne bilderbuch Gewitterwolke dazu. Aha, da kommen die Böen her, die nun in unregelmäßigen Abständen über uns hinwegfegen. Ruck zuck, sind alle Bootseigner auch an Deck, retten ihre Handtücher, T-Shirts und Cockpitsitze. Nicht nur eins geht dabei über Bord. Alex springt schnell ins Dinghi und fischt zwei Sitze aus dem Wasser. Ohne die Böen herrscht quasi gar kein Wind und die Boote richten sich wieder nach der Strömung aus, dann trifft wieder eine Böe, mit bis 6 Bft aus dem nichts und sie treffen seitlich. So dass sich alle Boote, auch unseres ganz schön auf die Seite legen, bis sie sich im Wind ausgerichtet haben.
Derweil hat sich über den Tag ein Franzose recht unglücklich zwischen einen großen Stahlkahn und einem anderen Segler gelegt, die nun merken, dass sie alle zu dicht aufeinander hocken. Der Wind treibt sie auf Kollisionskurs, aber keiner der drei gedenkt sich dort wegzubewegen. Wir sehen nur ein gerenne und gewinke an Bord, bis sich nach einer halben Stunde der Franzose doch dazu bewegt, Anker auf zu gehen. Dabei hebt er die Kette des Engländers aus dem Wasser, der fast abtreibt. Großes Kino hier. Unser Anker hält, das wissen wir und bei denen vor uns sieht es auch gut aus. Also schwingen wir uns ins Dinghi, fischen noch einen Rettungsring aus dem Wasser und helfen den etwas überforderten Franzosen einen neuen Ankerplatz zu finden, wo sie auch genug Platz haben.
Bald schon sind die Backofenböen vorrüber, nun sehen wir Blitze am Himmel um uns herum. Glücklicherweise trifft es uns nicht, wir kriegen nur ein paar Tropfen Regen ab, das war’s. Das Wetterleuchten bleibt uns aber noch Stunden erhalten.

Am nächsten Morgen sind unsere Freunde Claudia und Michael aus Deutschland angekommen und wir gehen sie auf dem Trockendock besuchen. Alex hilft ihnen, das neue Getriebe einzubauen, während Johanna und ich uns ins Dinghi schwingen und ein die Höhlen hier in der Umgebung erkunden. Zwei junge Damen alleine im Dinghi erregt bald die Aufmerksamkeit der Jungs, die die Touristenboote in die Höhlen fahren und uns wird mal nett gewunken, mal zugezwinkert, mal wird sich aufgeplustert und wichtig gemacht. Wir lächeln freundlich, winken und dampfen bald wieder ab.
Am Abend gehen wir alle zusammen nach Portimao, wo es eine Sardinenparty gibt. Es ist warm, die Leute sind gut drauf, es gibt Musik, Bier und frisch gegrillte Sardinen. Herrlich ist es. Als wir langsam zu unserem Boot zurückkehren, sehen wir, dass es schneit. Bitte, was? Es herrschen noch locker 28 Grad um zehn Uhr abends, wo soll da Schnee herkommen? Es ist auch kein Schnee, sondern Asche von dem Waldbrand. Der hat sich durch den starken Wind und die sehr trockenen letzten Monate im Eilverfahren ausgebreitet und die Wolke wird zu uns getrieben. Zurück auf unserem Boot traue ich meinen Augen kaum. Das ganze Deck ist voll mit Asche. Wir schließen schnell die Fenster, aber innen sieht es auch nicht besser aus. Auch das Atmen fällt schwer, Feinstaub lässt grüßen. Am Morgen stehen wir früh auf, weil Johanna weiterfährt ans Kap Saint Vincent und wir einem befreundeten Paar helfen wollen, die ihren Kat aus dem Wasser kranen. Das Deck ist schwarz vor Asche und feucht von der Nacht. Fegen hilft gar nichts, im Gegenteil, ich verschmiere nur alles schön. Ein paar Eimer Salzwasser geben schnelle Abhilfe, aber das schreit nach großer Putzaktion. Wobei wir uns nicht beschweren wollen, wir müssen zwar putzen, weil es aussieht wie im Kohlewerk, aber wir sind sicher vor dem Feuer, das nun zu einem der schlimmsten Waldbrände geworden ist, dass die Algarve je gesehen hat. Von den Bergen oben in Monchique bis runter nach Silves brennt der Wald. Die Menschen werden evakuiert und es wird um Spenden gebeten: Wasser, Sonnenschutzcreme, Verbandszeug und Powerriegel für die Feuerwehrmänner, die langsam an ihrer absoluten Belastungsgrenze angelangt sind. Der Himmel über uns lässt nur ahnen, wie schlimm es sein muss. Wir wissen nicht, wie es um das kleine Restaurant in dem wir schon so oft Chicken Piri Piri essen waren oder um die Pizza Party Night bestellt ist. Alles liegt im Gebiet des Waldbrands und was man aus den Medien mitbekommt, muss es wirklich dramatisch sein. Den ganzen Tag erinnert uns die Wolke an das Feuer und auch permanent rieselnde Asche lässt keinen Zweifel an der Tragweite des Feuers.

Derweil bastelt Alex weiter an dem Getriebe, bis die Kebulan am folgenden Tag ins Wasser gekrant wird. Hier läuft alles super. Als das Boot sicher vor Anker liegt, sehen wir, dass drei Löschflugzeuge aus Spanien gekommen sind, die im halbe Stunden Takt über uns hinwegfliegen, vor der Einfahrt runtergehen, Wasser aufnehmen und wieder im Rauch verschwinden. Das hilft endlich. Seit heute nun sehe ich seit Tagen das erste Mal wieder einen klaren blauen Himmel und die Berge von Monchique. Von hier lässt sich nicht bestimmen, wie schlimm es gewütet hat, aber wir drücken allen die Daumen und hoffen das Beste.

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Der Beginn. Leicht orangig eingefärbt, die Aschewolke und darüber als Pilz erkennbar die Gewitterwolke

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Rote Sonne, die Wolke liegt vor der untergehenden Sonne , wodurch sie rot erscheint

Kategorien:Portugal

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