Bordelektrik, der Klassenfeind

Nun, die meisten Segler die wir kennen gelernt haben sind auf dem gleichen Stand, was Elektrik oder Elektronik angeht wie ich. Plus und Minus an der Batterie sind noch zu finden, schwarze und rote Kabel kann man auch noch auseinander halten, alles darüber hinaus ist schwarze Magie. Und derjenige, der kommt und macht, das es wieder tut ist der Magier. Gerne stehen also fast 90 Prozent der Segler mit ihrer Elektrik an Bord auf Kriegsfuß, sie wird zum Klassenfeind erklärt. Dabei kann es machmal so einfach sein.

Alex hat ja in den vergangenen Wochen bei unseren Schweizer Freunden etwas ausgeholfen, was die Verkabelung angeht. Nun soll der Katermaran wieder ins Wasser. Wir gehen den Abend vorher noch mit den beiden Freunden Pit und Georges Fisch essen und verbringen einen lustigen Abend zusammen. Am kommenden Tag soll um 14.00 Uhr eingekrant werden und wir wollen uns verabschieden. Als ich aber um viertel vor zwei loslaufe, bin ich schon zu spät, der Katermaran schwimmt schon im Wasser. Da kann ich nur noch winken. Wir beschließen am nächsten Tag in der Marina vorbei zu schauen und glücklicher Weise entdecken wir die beiden. Kurz bevor wir wieder gehen wollen, sagt Pit noch: „Der Kühlschrank tut nicht, kannst du da mal gucken?“ Na klar, können wir. Nach zwei Mal Knie anschlagen und verrenken (warum ist dieser Kabelsalat auch nie gut zugänglich?) ist der Fehler gefunden. Da fehlt ein schwarzes Massekabel. Da die Schweizer keine eigene Werkstatt für Boote mit sich herum fahren, holen wir alles benötigte Material von Assai und recht zügig ist der Fehler behoben. Die beiden freuen sich gewaltig und laden uns aus lauter Freude darüber, nochmal zum Abendessen ein. Diesmal hängt uns allen der Magen in den Kniekehlen und wir schlagen kräftig zu. Die Kellner beim indischen Restaurant freuen sich über die guten Esser und Pit bekommt ungefragt gleich noch eine indische Massage vom Kellner gratis dazu. Er schaut ab und an etwas gequält, aber danach scheint der Rücken wieder freier zu sein. Super.

Am Montag dann helfen Markus und ich Christoph aus Norddeutschland sein 18 Meter Alusegelboot wieder ins Wasser zu kranen und in die Marina zu fahren. Da Markus das vorher noch nicht gemacht hat, üben wir vorher fleißig Knoten und sprechen einmal in der Theorie so ein Anlegemanöver durch. Morgens um halb neun geht es los. Schon wieder sind die Portugiesen zu früh dran. Was ist denn nur los mit denen? Bin ich gar nicht gewöhnt. Wir krabbeln auf das Schiff und tatsächlich scheinen alle Borddurchlässe dicht zu sein. Gut. Allerdings tropft es aus dem Seewasserfilter und das auch nicht wenig. Zwei Schrauben ersetzen, festziehen und siehe da. Trocken. Sehr gut. Also, Maschine an. Christoph dreht den Zündschlüssel, leider tut sich gar nichts. Nicht mal ein „klack“ ist zu hören. Die Jungs von der Marina gucken schon sparsam, weil das nächste Boot wartet. Da sich so gar nichts tut, klingt das nach toter Batterie. Die Jungs bieten uns einen Booster an, den wir dankend annehmen. „Räum doch schon mal die Batterie frei, dass wir direkt an die Pole kommen.“ sagt Markus zu Christoph. Gute Idee, findet er und die Räumerei geht los. Kaum guckt er auf die Batterie, höre ich ein: „Oh. Ach, das hab ich ja völlig vergessen.“ Ja, was denn? Die Batteriepole sind nicht angeschlossen. Da kann man lange an dem Zündschlüssel drehen und sich wundern. Leer war die Batterie trotzdem. Dank des Schnellladepacks kommt der Motor auch innerhalb von fünf Minuten und tuckert sich warm. Wunderbar, los geht’s. Die Fender muss ich noch schnell aus der Bugkabine raussuchen und während wir noch die letzten anbringen, setzt Christoph schon zum Anlegemanöver an den Wartepontoon an. Da sind zwei liebe Menschen, die die Leinen annehmen. Nochmal ablegen und wieder in der Box anlegen. Das wird nochmal spannend, weil Christoph doch etwas zügig an den Steg fährt. Die beiden Arbeiter, die an der vor uns liegenden 45 Fuß-Oceanis am Heck arbeiten treten schon den taktischen Rückzug an, während ich beherzt von Bord springe und das Boot mit der Spring an der Klampe befestige. Die Leine gibt unter lautstarkem Knarzen ihren Protest kund, während sie das Boot einen halben Meter vor den Solarpanelen der Oceanis vor uns stoppt. Christoph ist schwer zufrieden und lädt uns noch zu einem Kaffee ein. Den haben wir uns verdient.

zwei Herren im Cockpit eines Katermarans, entspannt. Blauer Himmel und Boote im Hintergrund
Peete und Georges auf der St. Helena
zwei Männer im Segelboot auf Fehlersuche
Christoph und Markus auf Fehlersuche
portugiesisches Frühstück, Kaffee, Saft und Pasteis
Morgenfrühstück nach dem Anlegen

Kategorien:Portugal, Umbau

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