„…, but don’t tell the French!“

„…, aber sag’s nicht den Franzosen!“ Wir stehen an Bord der HB Solo Sailor und lassen uns von der Crew das Schiff zeigen. Fotos darf ich machen, solange ich sie nicht den Franzosen zeige. Das Boot von Hugo Boss liegt seit Tagen hier im Hafen und wird für das Vendeé Globe Race hergerichtet. Das startet alle vier Jahre und eben dieses Jahr in Frankreich und gilt als eins der härtesten Rennen um die Welt. Da die Teilnehmer, Einhandsegler wie Alex Thomson, keinerlei Kontakt nach Außen aufnehmen dürfen. In 80 Tagen soll diese mega teure, nur mit dem letzten Hightech ausgerüstete Schnellyacht um die Welt gefegt sein. Wie sind wir überhaupt an Bord dieses Boot gekommen, dessen einziges Ziel es ist, dass Rennen zu gewinnen und an dem seit 4 Jahren mit einer Crew von 12 Mann unaufhörlich gearbeitet wird?

Als wir am 1.10 in die Marina einfahren, haben wir das Schiff und die dazugehörige Boxencrew schon lange gesehen. Das große komplett schwarze Schiff ist auch kaum zu übersehen, mit ihren 60 Fuß eine der größten Yachten hier im Hafen. Als wir unser Boot so weit vom Salz befreit und aufgeräumt haben, gehe ich duschen, um auch mich vom Salz zu befreien. Die letzte richtige Dusche (ohne Salzwasser) ist schließlich schon 4 Wochen her. Als ich wieder heraus komme, sitzt einer der Crew neben den Duschen mit bestem Blick auf den Fluss und arbeitet an seinem Laptop. Ich beschließe ihn anzusprechen, denn was soll schon groß passieren, außer dass ich weggeschickt werde? Aber Walter ist super nett, beantwortet freundlich alle meine zehntausend Fragen und lädt uns für den folgenden Tag sogar ein, dass Boot zu besichtigen. Ich bin völlig von den Socken über dieses sehr seltene Angebot. 
Nachdem wir am nächsten Tag also einkaufen waren und im hiesigen Continente unseren Einkauf als Lieferung zum Boot abgegeben haben, stehen wir vor der Solo Sailor und klopfen an den Rumpf. Walter ist schnell gefunden und so stehen wir nun auf dem Hugo Boss Schiff und staunen nicht schlecht. Minimalistischer geht es nicht mehr. Alles wird gewogen, bevor es auf das Schiff kommt. Immer wird überlegt, wie dieses oder jenes leichter gemacht werden kann. Platzprobleme sind wirklich keine vorhanden. Das Boot ist riesig, hat null Isolierung (wer braucht so’n Quatsch im Südpolarmeer?), dafür drei verschiedene Vorsegel und der Segler muss natürlich alles vom Cockpit aus bedienen können. Die Technik ist auf dem neuesten Stand der Dinge. Als Alex die Batteriebank mit den Lithium Ionen Akkus sieht, fangen seine Augen an zu leuchten. Die hätte er auch gerne. Wenn sie nur nicht so unnormal teuer wären. Das Bett ist noch nicht verbaut, wird aber auch mehr als minimalistisch ausfallen. Die Küche ist nicht mehr als ein Gaskocher mit Astronautenfutter, als Klo dienen biologisch abbaubare Beutel, die über Bord geworfen werden nach Gebrauch und ich habe keine einzige Lampe im Innenraum gesehen. Da das Boot keine Isolierung hat, hört man schon im Hafen das Wasser an der Bordwand ziemlich laut. Es ist wie im Inneren einer Gitarre zu stehen und ich kann mir nicht vorstellen, was der Reiz daran ist, sich 80 Tage selbst zu geißeln. Nun, vielleicht die Durchschnittsgeschwindigkeit von 24 Knoten könnten durchaus reizen. Wir kommen ja gerade mal auf 5 Knoten und freuen uns dann. Der letzte Schrei sind wohl auch gerade die Hydrofoils die angebracht wurden. Damit kommt das Boot weit aus dem Wasser, hat weniger Widerstand und wird schneller. Auf Langstrecke getestet (also um die Welt) wurden die Foils aber noch nicht. Ein Wagnis also. Wir sitzen im Inneren des Bootes und bewundern alles ausgiebig. Nach zwei Stunden müssen wir wieder gehen, da die Jungs zu einer Testfahrt nach A Coruña aufbrechen. Zu dritt in drei Tagen die Küste hoch und wieder runter, nur um dann gegen einen riesigen Trimaran anzutreten und dann das Boot nach Frankreich zu fahren, wo am 6.11 der Startschuss fallen wird. Das ganze Boot hat auch „nur“ 3 Millionen Euro gekostet. 60 Fuß wiegen dank des Minimalismus nur 6 Tonnen. Also nix. Wir gehen wieder und sind extrem dankbar, so ein Schiff einmal besichtigt haben zu dürfen. Wir werden das Rennen verfolgen und wünschen dem Team um Alex Thomson viel Glück und guten Wind. 

HB Solo Sailor

HB Solo Sailor

Innenansicht

Alex im Cokpit

Kategorien:Portugal

1 Antwort

  1. Hello friends
    We hope you r doing well
    We love you and thank you for all your kindness
    you r welcome to our house in the states
    Love Lucio and Liana

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