Die Deutsche in mir

Heute habe ich es wieder gemerkt, ich kann ihr nicht entfliehen. Der Deutschen in mir. Die, die sich aufregt weil es langsam geht an der Kasse oder einfach völlig unnütze Arbeit verrichtet wird. Und das bei meinem Lieblings-Hass-Objekt: den Paketen. Dieses Mal will ich welche aufgeben und da meldet sie sich wieder, die Deutsche in mir.

Ich finde ja, dass Alex und ich uns schon gut an die portugiesische Lebensart gewöhnt haben. Wir trinken an allen Ecken einen Kaffee, können die 20 unterschiedlichen Kaffeearten in Portugal auseinander halten, frieren inzwischen sobald die Temperatur unter 20 Grad fällt und wir kommen mit den Kreisverkehren zu recht. Die Portugiesen sind alle lieb und nett und meiner Erfahrung nach recht entspannte Autofahrer. Ob Pferdekarren oder zwei Leute, die sich in ihren Autos unterhalten und dabei halt die Straße blockieren, regt hier niemanden auf. Die Hupe ist hauptsächlich dafür da, Freunde zu grüßen oder anzukündigen, dass man recht zügig um die Kurve fährt. Damit werden eventuell entgegen kommende Fahrzeuge vorgewarnt. Die Liebe hört bei ihren Kreisverkehren aber ganz schnell auf.

So ziemlich jeder Kreisverkehr hier hat zwei Spuren. Es hat immer die innere Spur benutzt zu werden, außer man will die nächste (und NUR die nächste) Ausfahrt raus. Dann darf die rechte Spur benutzt werden. Daran hält sich jeder und wundersamer Weise funktioniert das System einwandfrei. Aber wehe, da kommt ein depperter Tourist daher und fährt auf der rechten Spur drei Ausfahrten weit. Das wird mit Hupen, wilden Gesten und Verwünschungen quittiert.

Aber zurück zum Thema. Ich komme ich in den Postladen, GLS um genau zu sein. Die Dame hinter dem Schalter hat keine Eile. So gar keine. Genau genommen kann man ihr beim Laufen die Schuhe besohlen. Zwei Pakete habe ich im Schlepptau. Eins nach Deutschland, eins nach Griechenland. Sie druckt hier was aus, gibt mir da einen Wisch zum Ausfüllen, klebt verschiedene Klebchen auf den Karton, unterhält sich mit ihrer Kollegin. Läuft hierhin, läuft dorthin. Bedient den Kunden neben mir, misst das Paket und klebt noch ein Klebchen drauf.

Ich beobachte Sie mit wachsender Unruhe. Das ganze dauert jetzt schon über 15 Minuten. Aber, was soll’s, sage ich mir. Ich habe ja keine Termine mehr, soll sie machen. Also, noch ein Klebchen, unterhalten mit der Kollegin und vermutlich noch einen Kaffee trinken gehen, nebenan. Naja, so kommt es mir zumindest vor. Dann endlich, bezahlen. Eine Liste wird heraus gesucht, die Kollegin konsultiert und sie beraten sich. Dann teilt die Kollegin mir mit: Also, nach Griechenland versendet GLS keine Pakete. Pech gehabt. Sagt sie nicht, aber so guckt sie.

Ich halte mich ja für einen Gemütsmenschen. Aber da fällt dann selbst mir das eine oder andere aus dem Gesicht. Geschlagene 20 Minuten gehuddele und dann fällt denen auf, dass sie gar nicht dahin versenden, wo das Paket hin soll?!? Da merke ich sie, die Deutsche in mir. Den langsam aufsteigenden Zorn, das Unverständnis und den Wunsch die Dame zu schütteln, bis Hirn vom Himmel fällt.

Naja, allzu laut darf ich auch nicht schreien. Manchmal verblüffe ich mich selber mit den schlauen Dingen, die ich sage und an anderen Tagen will ich aus dem Auto aussteigen, dabei bin ich noch angeschnallt. Aufregen bringt eh nichts und die Dame popelt schon fleißig all die Aufkleber ab. Wenigstens eins meiner Pakete darf ich versenden. Das andere bringe ich kurz vor knapp noch vor der Mittagspause zu CTT, dem anderen Postladen. Die Dame kämpft ein paar Minuten mit ihrem System, das wohl keine griechischen Adressen kennt und die leider teurer sind als GLS. Aber hier werde ich mein Paket tatsächlich los.

Dann noch eben zum Baumarkt, zwei Verbindungsstücke kaufen. Der nette Portugiese hinter dem Tresen, mit dem wir uns ganz super verstehen bringt den einzigen deutschen Satz an, den er kennt. Er stellt sich in Prinzen-Pose vor mich hin, streckt die Hand aus und sagt: „Lecker Mädsche.“ Dabei strahlt er mich an. Da bin ich dann wieder mit der Welt versöhnt.

Kategorien:Umbau

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