Die doppelte Ursula

Nach einem verregneten und dementsprechend unproduktiven Wochenende verspricht der Wetterbericht Sonne und warm für die ganze Woche. Ich will das gute Wetter für einen Großangriff auf den Kiel nutzen.

Montag morgen eröffnet mir Alex, dass da heute eine Deutsche vorbei kommt, die sich unsere Nähmaschine ausborgen will, da sie mit ihrer Ape in Portugal unterwegs ist. Für alle, die die Dinger nicht kennen: klein, drei Räder, macht einen Haufen Krach, mit gewaltigem 3 PS Motor. Lustiger Weise heißt sie auch Ursula.

Zuerst aber nutze ich gutes Wetter und werfe die Wäsche in die Waschmaschine. Dann gehe ich auf die Suche nach abgelieferten Paketen, die ich mal wieder bei Bluewater finde. Dann mache ich mich an die Kielnaht. Die muss so weit wie möglich raus, damit das neue Dichtmittel rein kann. Mal wieder eine ergonomisch wertvolle Arbeitshaltung, in leicht gebückter Stellung, mit angewinkelten Beinen und Kopf nach hinten oben gebogen mit dem Messer Dichtmasse raus popeln. Es gibt schöneres als Dichtmasse im Auge und eigentlich überall. Zudem ist da noch so eine schwarze, schwer stinkende Masse bei, die super abfärbt und ruck zuck sind meine Hände und mein Gesicht schwarz. Auch aus den Kielbolzen muss der Spachtel raus. Ich setze an und frage mich alsbald, ob da überhaupt noch Bolzen kommt, da der Spachtel ganz schön tief rein geht. Aber ich finde doch noch alle Bolzen und deren Gewinde.

Gegen Mittag kommt Ursula dann vorbei, mitsamt Hund Flo, einem leicht überdrehten Chihuahua. Wir unterhalten uns eine Weile über dies und das und stellen fest, dass wir sie im Sommer schon mal am Strand gesehen haben, bei einem unserer Grillabende, wo sie noch mit dem Kajak unterwegs war. Jetzt soll das Zelt ein wenig angepasst werden, daher die Nähmaschine. Nach dem Gespräch und einem Kaffee wird die Liste der Dinge, die sie machen möchte immer länger und wir haben Werkzeug, also bleibt sie über Nacht. Als wir Peter und Ruth treffen, ist es schwer witzig, als er mich mit Ursula anspricht und zwei Leute ihm plötzlich Aufmerksamkeit schenken. Auch für mich ist es ungewöhnlich und gewöhnungsbedürftig, da es das erste mal ist, dass jemand meinen Namen hat, noch dazu in unserem Alter. Der Hund kläfft zwar alles an, was nicht bei drei auf dem Baum ist, aber erobert unsere Herzen doch im Sturm. Ursula richtet sich also bei uns ein wenig ein, wir kochen gemeinsam ein leckeres Abendessen und erzählen uns Reisegeschichten.

Heute kommen wir einfach nicht so schnell in die Pötte, aber bald geht es der Kielnaht wieder an den Kragen und auch die Nähmaschine kommt zum Einsatz. Wie immer dauert alles einfach länger als geplant und so haben wir nun einen Gast an Bord, bei dem sich Alex zumindest keinen neuen Namen merken muss.

So langsam wird es auch weihnachtlich, denn die Beleuchtung ist an. Hier und da findet man einen einsamen „Lichterweihnachtsbaum“ in der Stadt stehen.

Weihnachtsbaum aus Lichtern

Auch die Christbaumkugel darf nicht fehlen

Straßenbeleuchtung

Kielbolzen mit Spachtelmasse

Und danach, ohne Spachtel

Kategorien:Portugal, Umbau

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