Die eigene Olivenernte

Nach einigen Tagen Heimbesuch in Deutschland bin ich wohlbehalten wieder hier angekommen. Kaum wieder hier, bin ich auch schon wieder voll eingespannt. Die Olivenernte steht an. Im Garten stehen bestimmt 5 Olivenbäume und beim Nachbarn, den man seit 25 Jahren nicht gesehen hat, stehen noch mehr. Alle hängen brechend voll mit dicken und schönen Oliven.

Ich habe schon vor meinem Besuch in Deutschland einige Oliven geerntet und selbst eingelegt. Ein Versuch, denn ich hatte schließlich noch nie Olivenbäume im Garten. Bislang scheint der Versuch aber gut gelungen zu sein.

Die Oliven, die wir nun ernten wollen, sollen zu Olivenöl verarbeitet werden. Wir haben von unseren Nachbarn, die die da sind, gehört, dass es hier in der Nähe eine kleine Ölmühle gibt, zu der man seine Oliven bringen und später dann das Olivenöl abholen kann. Als Bezahlung erhält die Mühle ca. 50 % des gepressten Öls und verkauft das dann. Klingt fair für uns und wir freuen uns so einen kleinen regionalen Betrieb unterstützen zu können.

Die eigene Olivenernte steht also an. Wir holen uns Hilfe hinzu. Das Wunschziel sind 500 kg, das gäbe ca. 50l Olivenöl für uns. Micha, Claudia und Kurt stehen uns zur Seite. Nun gilt es erstmal die beste Methode zu entwicklen, die Oliven auch von den Bäumen zu bekommen. Einige können wir per Hand errreichen um sie zu pflücken, dauert aber ewig und wir wollen ja auch an die ganz oben rankommen.

Micha hat einen langen Bootshaken aus Holz. Stolze vier Meter ist der lang. Kurt bringt ein Olivennetz mit, dass wir unter dem Baum ausbreiten und dann wird mit dem Stock auf den Baum gehauen, so dass die reifen Oliven herunter fallen. Aber leider fallen nicht nur die reifen Oliven, sondern auch einige Äste und Blätter und natürlich auch angefressene oder leicht faulige Oliven. Das muss sortiert werden.

Von Hand sammeln ist wenig effektiv

Den Stock zu schwingen ist bei der Mittagssonne recht schweißtreibend. Schließlich kommen wir auch Anfang November im Schatten noch auf 25 Grad. Wir stellen fest, dass es am besten ist, wenn einer (Alex) den Stock schwingt, er ist am größten und stärksten. Wir anderen vier halten das Netz so unter den Baum, dass möglichst wenig der runterfallenden Oliven daneben gehen. Dann wird sortiert.

Auch das Sortieren muss erst diskutiert und optimiert werden. Die Herren basteln recht schnell eine Rutsche, bei der im richtigen Winkel die Oliven runter kullern, aber die Blätter und Äste liegen bleiben, so dass man sie einfach und schnell sortieren kann. Super.

Fröhliches sortieren
Mit der Rutsche schneller sortieren
Die Raupe hat sich gut versteckt

Den ganzen Tag sind wir fleißig. Am nächsten Tag fährt uns unser Nachbar mit seinem Auto zur Mühle. Der kennt den Weg und kann Portugiesisch. Ganze 122 kg Oliven haben wir geertet. Finden wir super. Ist aber nicht das, was wir uns gewünscht haben.

Micha hat mal gesehen, dass es so eine Art Plastikrechen gibt, mit denen die Portugiesen ihre Oliven von den Bäumen holen. Mit unserem „richtigen“ Rechen funktioniert es jedenfalls nicht. Der bleibt sofort im Ast stecken. Am nächsten Tag sind wir eh im Baumarkt, dort finden wir die kleinen Plastikdinger auch. Sehen aus wie Kinderspielzeug. Kosten 12€ das Stück. Nehmen wir mit.

Wieder einen Tag weiter soll die Ernte weitergehen. Morgens ist es neblig, da will noch keiner nach draußen. Ohne Sonne ist es auch hier kalt. Gegen Mittag taucht Jochen auf, Robert hätte ihm gesagt, die Olivenernte sei im vollem Gange und nur er fehle noch. Jochen ist der erste. Robert sehen wir den ganzen Tag nicht. Schlaues Kerlchen.

Bald sind alle da und motiviert. Kurt verarbeitet derweil einige Kindheitstraumata, wo er in den Weinbergen helfen musste. Wir probieren die Rakel aus. Und sind übermäßig überrascht, wie gut die funktionieren. Ehrlich gesagt sehen sie aus wie Kinderspielzeug. Aber die Oliven kommen so gut wie alle runter, die Äste werden geschont, dadurch kommen viel weniger Äste und Blätter mit runter, die wir nicht mehr sortieren müssen.

Wir laufen die Bäume, die wir vor ein paar Tagen mit dem Stock bearbeitet haben nochmal ab. Wir ernten nochmal einiges an Oliven von diesen Bäumen. Spaß macht es. Wir haben ein System entwickelt. Die Jungs laufen mit den Netzen und den Rakeln rum und ernten, Claudia und ich sortieren gemütlich die Oliven. Die Guten ins Töpfchen, die schlechten… sicher nicht ins Kröpfchen. Nicht eingelegte Oliven schmecken abartig bitter. Sie sehen teilweise sehr verführerisch nach leicht roten Trauben aus, aber wir widerstehen dem Drang hineinzubeißen. Den Fehler haben ich einmal gemacht. Das hat gereicht.

Zwei Nachmittage sammeln wir noch fleißig, dann müssten wir unseren Sammelradius arg vergrößern. Uns gehen die Tüten aus, wo wir die Guten drin sammeln. Somit beschließen wir, erstmal wieder zur Mühle zu fahren und abzuliefern.

Abtransport
Die Tüten sind voll

Der kleine, freundliche Portugiese hat dieses Mal ordentlich zu tun. Fünf Autos stehen schon da und wollen abladen. Aber es geht alles schnell. Einer der Kleinbauern, die abgeben wollen, hat offenbar ein Problem mit seinem Auto, der Abschlepper ist schon da und läd auf. Seine ganze Ernte steht nun 200m weit weg und er sieht recht wackelig aus auf seinen Beinen. Sofort helfen Micha und Alex dem armen alten Mann beim tragen. Der ist ganz begeistert und bedankt sich in einer Tour bei den beiden.

Dieses Mal liefern wir nochmal 191kg ab. So kommen wir insgesamt auf 313 kg. Noch weit entfernt von unserem Wunschtraum der 500 kg, aber genug für unsere Belange beschließen wir.

Letztes Mal waren wir ganz alleine bei der Mühle und der nette Portugiese hat uns erlaubt, einmal rein zu gucken in die Abläufe und die Maschinen. Es riecht überall olivig, sehr angenehm. Laut ist es, von den Maschinen. Erst wird die ganze Ernte gewogen, dann in ein Loch gekippt. Von dort per Laufband weitergeführt. Gewaschen, gequetscht und gepresst.

Wir dürfen auch einmal probieren von den Öl, dass dort durchläuft. Sehr mild und super lecker. So sind wir sehr freudig gespannt darauf, das Öl abholen zu können.

Das wird aber noch etwas dauern.

Erst alles auf die Waage
Genau wiegen
Und ab ins Loch, da verschwinden unsere Oliven
Über das Laufband
Nach dem Waschen und pressen
Das ist das Öl
In den Fässern wirds dann gelagert

Kategorien:Umbau

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