Die Zeit rennt

„Noch nichts neues!“ So oder so ähnlich wurde sich gestern bei mir beschwert, dass wir noch keinen neuen Eintrag auf unserer Homepage haben. Das geht natürlich nicht 🙂

Am Wochenende sind wir mal eben nach Holland gefahren, um das Gestänge unserer Sprayhood abzuholen. Das hatten wir vor drei Jahren als unser Boot aus dem Wasser gekrant wurde auf dem Rasen vergessen. Nachdem unsere Glorreiche Idee Plexiglas zu verwenden eine Schnappsidee war, haben wir ohne viel Hoffnung nachgefragt, ob das Gestänge zufällig jemand gefunden und aufbewahrt hat. Und tatsächlich! Der Vorbesitzer unseres Bootes hat es mitsamt Zubehör in einem Schrank in der Halle gefunden! Das ist unbeschreiblich klasse. Das gute Stück hat uns zwar einen Tag Autofahren nach Holland und zurück gekostet, aber es hat sich gelohnt. Nun geht es daran, die letzten größeren Dinge zu verkaufen. Unser Wasserbett haben wir auf Ebay eingestellt und am Wochenende müssen wir den inzwischen wieder angefallenen Müll wegfahren. Wenn das Wetter passt, werden wir das Unterwasserschiff zu Ende streichen, der Kühlschrank muss noch angeschlossen werden und endlos viel Zeug muss noch verstaut werden. Viele Menschen wollen wir noch besuchen und uns verabschieden. Mir ist ehrlich gesagt, unklar, wie all das noch in die verbleibende Zeit passen soll.

Die Zeit rennt. Mit jedem Tag ein wenig mehr und obwohl ich diesen Spruch als Kind gehasst habe, weiß ich nun, warum er dauernd gesagt wurde. Es ist nur noch etwas mehr als ein Monat bis zum erwarteten Krantermin. Lange haben wir auf diesen Termin hingearbeitet. Was ist in der Zeit alles passiert? Wir haben geheiratet, ich habe mein Studium abgeschlossen, Alex seinen zweiten Meistertitel erworben, wir haben unzählig viel Kleinkram gekauft und erledigt. Ich habe einen neuen Job, der ist schon wieder gekündigt. Freunde haben geheiratet und Kinder bekommen. Aber es sind nicht nur tolle Dinge passiert. Meine Mutter ist in 2014, ein sehr guter Freund der Familie in 2015 gestorben und eine gute Freundin hat im Alter von knapp 30 Jahren Lymphdrüsenkrebs bekommen. Dinge, die einen lange und intensiv beschäftigen. Dinge, die man zurücklassen wird, die man zurück lassen möchte und andere, die man nicht so gerne zurücklässt. Das sind nicht nur Freunde sowie ein vertrautes Umfeld, sondern auch die Familie, um die man sich immer Gedanken macht. Natürlich ist man nicht aus der Welt und mit dem nötigen Kleingeld kann man von jedem Fleck der Erde innerhalb von 48 Stunden wieder daheim sein. Andere Dinge kann man nicht zurücklassen. Meine Probleme, die ich mit mir herum trage, sind meine Probleme, ob ich hier bin, in Timbuktu oder sonstwo auf der Welt. Wir brechen zu neuen Ufern auf. Im wörtlichen, wie im übertragenden Sinn. Wir werden viel Neues erleben, viele neue Menschen kennenlernen, vor Probleme gestellt werden, uns streiten und uns lieben. Vielleicht sogar ein wenig mehr, als wenn wir hier bleiben würden.

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