Dieselpest ahoi!

Am Montag morgen sind wir nicht gerade ausgeschlafen. Die Nacht über hat es angefangen zu winden und somit der Windgenerator auch. Daran sind wir ja durchaus schon gewöhnt. Aber an das Geschaukel durch den reinstehenden Schwell, daran sind wir nicht mehr gewöhnt. Aber wir hoffen, dass der starke Ostwind den Südschwell ein wenig beruhigt.

Alex beginnt direkt damit, den Motor weiter zu befragen, warum zum Geier er am Vortag keine Lust hatte, mitzuspielen. Wir vermuten Dieselpest irgendwo im System, die dann die Leitung blockiert und kein Sprit mehr zum Verbrennen ankommt. Wir fangen am Tank an. Sollten wir wirklich so stark betroffen sein, wie befürchtet, müssten wir den gesamten (vollen) Tank leeren, den Diesel entsorgen und den Tank putzen. Nicht sehr verlockend. Denn der Tank hat zwar eine Serviceöffnung, aber direkt darüber liegt der Niedergang. Man müsste das halbe Boot zerlegen, um da ordentlich dran zu kommen. Und selbst wenn, der Tank ist tiefer als unsere Arme lang. Aber erstmal gucken und Leitungen prüfen.

Dabei stellen wir fest, dass wir einen Sedimenttank haben. Ich nenne ihn auch gerne Schmoddertank. Das ist ein kleiner 10 Liter Tank, der unterhalb des Haupttanks sitzt. Ablagerungen setzen sich bekanntermaßen ja unten im Tank ab. Da muss ich nur zwei kleine Schapps ausräumen, Alex öffnet die dortige Serviceöffnung, an die man durchaus okay dran kommt. Man muss nur im Durchgang in der Küche knien und um eine Ecke greifen. Für Bootsverhältnisse ist das mega bequem.

Fast gut zu erreichen der kleine Tank

Einmal geöffnet, sehen wir das Elend. Ja, die Dieselpest ist da und müffelt. Die zehn Liter aus dem kleinen Tank sind relativ schnell abgepumpt (es lohnt sich einfach immer, leere Plastikflaschen an Bord zu haben). Dann kommt der unschöne Teil. Mit Handschuhen in den Tank greifen und den Schmodder raus holen. Dann mit Zewas reinigen, mit Chlor hintendrein und nochmal ordentlich ausputzen. Da kann man sich aussuchen, was besser ist, Dieselmuff oder Chlorgestank? Weder das eine noch das andere ist toll und beides macht Kopfschmerzen.

Diesel von Hand abpumpen
Da sollte nur Diesel drin sein. Der braune Schleim ist Dieselpest, die die Leitungen verstopft
Nahaufnahme des Schmodders

Es geht aber relativ zügig. Dann noch die Leitung zum Filter, den Filter wechseln und dann hoffen wir, dass die Maschine wieder mitspielen will. Wir starten. Es orgelt. Und orgelt und will einfach nicht. Starterspray hilft nur so lange, wie es da ist. Einiges hin und her, testen, orgeln, fluchen und dumm gucken. Hilft alles nichts. Alex entlüftet das System, denn schließlich haben wir ziemlich viel Luft rein gelassen. Keine Änderung.

Dann also großes Programm. Alex zieht alle möglichen Schläuche, die Pumpe und Leitungen ab und reinigt diese. Im Boot stinkt es ordentlich nach Diesel, aber dank des starken Windes können wir die Fenster öffnen und haben schnell wieder erträgliche Luft.

Aber all das bringt nichts. Die Maschine lässt sich nicht dazu überreden, zu laufen. Nach über fünf Stunden putzen und im Diesel rum fummeln, haben wir erstmal genug. Es wird wieder umgebaut auf den Kanister. Mit diesem Sprit springt die Maschine nach kurzem Starten an und läuft. Zuerst nicht glücklich klingend, aber sie läuft. Wir sind also nicht ganz abgeschnitten, sondern bei Bedarf beweglich.

Das ist gut, denn der Wind aus Osten fegt gewaltig. Sollte der Anker aus Versehen nicht halten, wären wir ohne Motor ganz schnell ganz schön aufgeschmissen. Das fühlt sich nicht gut an, obwohl der Anker hält und noch immer gehalten hat.

Meine Hoffnung, dass der Ostwind den Südschwell irgendwie abschwächt war leider nur eine fromme Hoffnung. Man kann sich zwar einbilden, dass es etwas weniger geworden ist, aber es schaukelt immer noch. Besonders, wenn die Strömung uns quer zum Schwell treibt.

Wir kontaktieren Michael, der hat sich ja nah an Ferragudo hingelegt und sieht gut auf den alten Ankerplatz in der Wendeplatte. Zwei Boote haben sich wohl schon wieder dorthin gelegt. Und werden wieder geduldet. Der Große liegt ja noch dort, hat aber schon gedreht. Sollte er auslaufen wollen, muss er nur geradeaus hinaus fahren.

Es wird schon fast dunkel, wir sind erschöpft und mögen die Aussicht am großen Ankerplatz besser. So warten wir zweite Nacht noch ab und hoffen auf Besserung des Geschaukels. Am kommenden Morgen ist der Schwell zwar in der Tat ein wenig geringer geworden, aber der Wind ist auch eingeschlafen. Nun schaukelt es, wenn es denn schaukelt, so richtig. Und der Wetterbericht sagt nichts tolles voraus. Zwei Tage okay, dann kommt so richtig wieder Südwind und damit Schwell. Nee, darauf haben wir dann doch keine Lust. Wir ziehen wieder um.

Während wir noch vorbereiten, fährt der große Pott wieder raus. Die Pilotos fahren noch ein wenig hin und her, dann ist wieder Ruhe. Wir gehen Anker auf und fahren wieder auf unseren alten Platz. Michael liegt auch wieder dort. Jetzt sind nur noch fünf Boote dort, es hat massig Platz für uns. Wir werfen den Anker fast wieder auf dem gleichen Platz wie vorher. Hach, wie schön ist es, wenn es nicht mehr dauernd wackelt.

Schönere Aussicht, aber mehr Gewackel

Kategorien:Umbau

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