Dunkerque (F) nach Dartmouth (UK)

Wie besagt, nach Sturm kommt Flaute und nach Flaute kommt Sturm. Wir sind Donnerstag Nacht um 2 Uhr losgefahren. Zwei Tage zuvor hatten wir es nachts schon mal versucht, sind aber aufgrund von hohen Hackwellen ziemlich bald wieder umgekehrt, da sich das Boot dabei nur festgestampft hat. Nun war die See wieder ruhiger und wir motorten in Richtung Straight of Dover. Der Plan sah vor, nun in einer Tour bis Falmouth (Südengland) zu fahren. Das sollte ein drei Tagestörn werden. Wir hatten Suppe in Mengen vorgekocht und bestimmt hundert mal die Wettervorhersagen geprüft.
Das Gewerbegebiet von Dunkerque zog sich schier ewig. Die Straight of Dover querten wir wie vorgeschrieben im 90° Winkel. Der Verkehr, dem wir ausweichen mussten waren einige große Tanker, die eher hochhausartig anmuten und mit großer Geschwindigkeit durch das Verkehrstrennungsgebiet fahren – gefühlt eine Autobahn für Berufsschiffe. Bei Sonne und mal wieder so gut wie keinem Wind sind wir zügig und gut durch das TSS (Traffic Seperation Scheme) gefahren. Die weißen Felsen von Dover waren gut zu erkennen. Bei Dover selbst kam tatsächlich Wind auf und wir packten voller Enthusiasmus die Segel aus. Das Kutterstag wurde wieder befestigt und wir versuchten uns mit der Kutterbeseglung. Klappte super (siehe Bilder) und auch die Aries (Windsteueranlage) funktioniert hervorragend! Eine wahre Freude. Vor allem, wenn es endlich leise im Schiff ist, man nur noch das Plätschern der Wellen am Rumpf hört. Leider kam der Wind genau aus der Richtung, in die wir wollten, so dass wir in den vier Stunden die wir segelten kaum Strecke gemacht haben. So rollten wir die Segel wieder ein und warfen den guten alten Motor an. Der tut zuverlässig seinen Dienst und auch Peter, der Pinnenpilot, quietscht immernoch aber arbeitet super. Eine weitere Nachtfahrt sowie ein weiterer Tag unter Motor liefen problemlos und wir schliefen in Etappen so gut es eben geht, wenn das Brummen des Motors nur durchbrochen wird vom Quietschen des Pinnenpiloten. Nicht sonderlich erholsam, aber irgendwann fällt man einfach in den benötigten Schlaf. Viel anderes hatten wir auch nicht zu tun. Einer war immer an Deck, hielt Ausschau nach anderen Schiffen, denen wir ausweichen mussten und der Rest war mit schlafen oder lesen beschäftigt. Die Zeit verging ohne das wesentlich spannendes passierte.

In der zweiten Nacht wurden die Wellen höher, wir stampften und wackelten, so dass Peter einiges zu tun hatte, uns auf Kurs zu halten. Die Suppe war super, so brauchten wir uns nur bei Bedarf etwas warm zu machen und hatten etwas warmes im Magen. Seekrankheit war bis dahin kaum ein Thema. In der Dunkelheit der Nacht frischte der Wind auf und die Nachtwache setzte die Segel. Schnell mussten wir aber reffen, da wir zu viel Segelfläche draußen hatten. Nun war für keinen mehr an Schlaf zu denken. Die Wellen wurden höher, wir segelten, aber schlugen doch immer mal wieder hart in eine Welle. Unser gutes Boot hat wenig Freibord, so dass oft die Wellen aufs Deck schlugen, aber im Cockpit waren wir sicher und trocken. Sicherheitshalber saßen wir alle in Vollmontur und mit Lifelines angepickt im Cockpit. Jeder von uns hatte einen flauen Magen, aber Alex sah leider irgendwann arg grün im Gesicht aus, hielt sich aber wacker. Als es langsam hell wurde, haben wir den Wetterbericht über Funk gehört. Ein Tiefdruckgebiet sollte hereinziehen und Starkwinde mit sich bringen. Da wir inzwischen schon bei 5 Bft mit 6-er oder 7-er Böen erreicht hatten und wenig Lust auf mehr hatten, entschlossen wir uns den nächsten Hafen anzulaufen. Alle hatten wir die zwei Nächte zuvor kaum und wenig erholsam geschlafen und in der letzten Nacht hat keiner von uns ein Auge zubekommen. So liefen wir Dartmouth an. Wir sind nicht ganz so weit gekommen, wie gewünscht, aber unser Boot hat uns gute Dienste geleistet. Auch mit starkem Wind kommt sie klar. Wir müssen uns dahingegen wohl noch dran gewöhnen.
Ziemlich erledigt kamen wir gestern mittag in Dartmouth, einem süßen kleinen englischen Städtchen an, voll mit Pubs, Cottages und englischem Wetter. Insgesamt waren wir nun 250 sm weit gefahren und waren dafür 60 Stunden unterwegs.
Die Menschen hier sind super freundlich und hilfsbereit. Der Wetterbericht für die nächsten Tage verspricht nicht viel Besserung, so dass wir uns entschlossen haben, erstmal hier zu bleiben und zu warten, bis der Wind aus Norden kommt. Über die weitere Planung sind wir uns noch nicht ganz im Klaren. Entweder wir verlegen uns in einem Tagestörn weiter westlich (Falmouth) oder wir machen schon Strecke Richtung Süden und laufen Brest an, um dort auf das richtige Wetterfenster für die Biskaya zu warten. Wind ist gut, aber Welle ist echt nervig. Derweil müssen wir doch noch das eine oder andere optimieren, genießen aber englische Pubkultur und das dazu gehörige Bier. Leider ist England extrem teuer, so dass es sicher kein unnötig langer Aufenthalt wird, obwohl es landschaftlich wirklich sehr schön ist.

Heute haben wir komatös geschlafen und bewundern das englische Wetter (Regen in allen Formen, Farben und Varianten). Der Hafenmeister nannte es „liquid sunshine“ – frei übersetzt: Flüssiger Sonnenschein. Britischer Humor, sehr nach unserem Geschmack.

image

In der Straight of Dover bei Sonnenaufgang

image

Die weißen Felsen von Dover

image

Ein hochhausartiges Containerschiff nach dem nächsten am Horizont

image

Kutterbeseglung

image

Sonnenaufgang während der Wache

image

Dartmouth

Kategorien:England, Frankreich

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.