Ein guter Start

Am Samstag stehen wir früh auf. Aus gutem Grund, wir wollen los. Mal wieder. Aber diesmal richtig. Das Ziel ist der Kanal von Korinth und soweit wie wir Lust haben zu fahren. Nach den letzten Handgriffen, startet Alex den Motor, wir werfen die Leinen los und Mikrolimano wird langsam hinter uns kleiner. Die Sonne strahlt vom Himmel, es weht nur ein laues Lüftchen. Wir setzen die Segel und trotz Schwachwinde auf 3 Knoten Fahrt. Ach, ist das herrlich. Die Winde hier sind sehr launisch, so dreht die Windrichtung gerne von jetzt auf gleich um 90°, so dass wir einmal aus Versehen eine Wende fahren. Leider kommt das bisschen Wind genau aus der Richtung, in die wir wollen. So rollen wir nach ein paar Stunden die Segel ein und motoren eine Weile. In der Sonne kann man es kaum aushalten, so heiß brennt sie vom strahlend blauen Himmel. Fast fühlen wir uns an unseren Start in Stuttgart erinnert, der erste Tag an dem wir losgefahren sind hatte auch wunderschönes Wetter.
Am Nachmittag erreichen wir den Kanal von Korinth. Auf dem ganzen Weg dorthin haben wir genau ein Schiff gesehen. Sonst weit und breit niemand außer uns. Als wir nur noch eine Meile entfernt sind, sehen wir nichts als eine geschlossene Bucht mit süßen kleinen Häusern. Wo ist der Eingang? Wo ist der Kanal überhaupt? Auch Opas altes Fernglas kann nur bedingt helfen. Der sogenannte „Turm“ ist kaum zu erkennen und hinter einem Baum versteckt. Ohne den Plotter hätten wir den Eingang wohl kaum gefunden. Sehr verwirrend für uns. Irgendwie haben wir doch mehr Verkehr erwartet und auch, dass man den Kanal eher erkennen könne. Aber natürlich finden wir die Einfahrt schnell und problemlos. Das Anlegen geht einfach und wir gehen ins Büro, bezahlen die geforderte Gebühr. Der Kanal von Korinth ist auf die Länge gesehen der teuerste Kanal der Welt. Aber man ist ja nur einmal hier und es ist wirklich beeidruckend. Der Kanal ist schmal, das Wasser türkisblau und wir haben den ganzen Kanal für uns alleine. Nach einer halben Stunde sind wir schon wieder draußen. Auf der anderen Seite ändert sich die Landschaft von kargen, eher flachen Felsen hin zu höheren Bergen, die vor grün nur so strotzen. Wir feiern unsere Kanaldurchfahrt in dem wir eine Badepause einlegen und gemütlich zu Abend essen.

Wir fühlen uns gut und da leichte Winde für die Nacht vorhergesagt sind, beschließen wir, eine Nachtfahrt einzulegen. Schöne Ankerplätze soll es hier eh nicht geben. Es dämmert und tatsächlich, es frischt auf. Schnell sind die Segel gesetzt und wir rauschen dahin. Schnell allerdings frischt es noch mehr auf und reffen ein für die Nacht. Alex will sich hinlegen und etwas schlafen. Mit halb gerefften Segeln kommen wir trotzdem auf 5 Knoten Fahrt. Dank des Vollmonds sehe ich die Wellen, die sich gebildet haben und kann sie so gut als möglich aussteuern. Die Wettervorhersage war mal wieder völlig falsch. Von wegen leichte Winde. In Böen fegen an die 30 Knoten Wind über uns. Auch hier kann sich der Wind nicht auf eine Richtung festlegen. Mal kommt er halblich, dann achterlich, dann wieder halblich. Naja, zumindest passt es zum Kurs. Dann, innerhalb einer viertel Stunde stirbt der Wind komplett. Die Welle bleibt leider. Die Segel baumeln, der Baum schlägt und schnell werfe ich den Motor an, rolle die Genua ein und hoffe auf Wind. Bis zur Wachübergabe an Alex kommt er allerdings nicht wieder. Ich lege mich hin und versuche zu schlafen. Wie immer unterwegs ist es eher ein Wachschlaf. Zur Morgendämmerung weckt mich Alex. Es hat sich zugezogen, aber der Wind hat sich nicht mehr blicken lassen. Da sich die Wettervorhersage mal wieder über Nacht geändert hat, beschließen wir, nach Trizonia zu fahren. Eine kleine Insel, auf der vor Jahren eine Marina gebaut wurde. Dann traf das Land die Krise und der Bauherr ging Bankrott. So steht nun eine komplette Anlage, gut geschützt, ausgerüstet mit Mooringleinen, Kais und einigen Tavernas im Wasser, ohne Strom oder Wasseranschluss, aber völlig kostenlos. Im Sommer soll hier die Hölle los sein. Schnell finden wir einen Platz am Kai und legen an. Die Insel lacht uns an. Es sind keine Autos erlaubt auf der Insel und die Flora sieht ganz anders aus, als am Festland. Obwohl wir beide müde sind, siegt die Neugier. Wir wollen uns die Insel ansehen. Groß ist sie eh nicht. Innerhalb von zwei oder drei Stunden kann man sie sicher komplett umrunden. Wir prüfen den Wetterbericht (wir geben ja nicht auf darauf zu hoffen, dass der mal Recht hat) und sehen nichts mehr als 3 Bft. Zehn Minuten später fegt es mit knapp 5 in die Marina. Wir prüfen unsere Leinen und sichern sie nochmals. Dann ziehen wir los. Ein süßer, kleiner und pittoresker Ort ist es hier. Wir finden schnell einen Wanderweg und freuen uns. Schnell sehen wir, dass wirklich keine Autos fahren, denn die Natur regiert hier. Vollständig. Es raschelt im wuchernden Gras, mit jedem Schritt den wir tun flüchten unzählige Mäuse, Heuschrecken und sonstiges Getier vor uns. Die Spinnen haben hier ihr Paradies gefunden. Die haben über den Weg zwischen den hohen Büschen ihre Netze gespannt. Da wir zwar keine Angst vor Spinnen haben, aber doch nicht unbedingt mit dem Gesicht in ein Netz laufen wollen, suchen wir uns beide einen langen Stock. Mit dem wedeln wir also am ausgetreckten Arm auf und ab, um alle Netze vor uns zu erwischen. Das sind einige. Es gibt unfassbar riesige Kreuzspinnen und so rote, dicke und ziemlich eklige. Jeder, der uns von weitem gesehen haben sollte, muss uns für religiöse Spinner auf dem Selbstfindungstrip gehalten haben, während wir vor uns hin wedeln. Irgendwann wird es uns dann doch zu bunt mit der Menge an Spinnen. Wir drehen um. Wir gucken uns noch die Schiffe in der Marina an. Viele Leichen. Auch ein paar spichwörtliche. Ein großes Schiff ist vor Jahren offenbar gesunken. Ein kleines Boot hat das Wrack dann als Mooring genutzt. Auch nicht doof. Dann rafft uns allerdings die Müdigkeit doch dahin. Wir essen noch schnell zu Mittag und legen uns hin. Den Abend wollen wir in eine der örtlichen Tavernen gehen und den Abend ausklingen lassen, bevor es die nächsten Tage gemütlich weiter gehen soll.

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Kategorien:Griechenland

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