Eine Seefahrt die ist lustig

Oder: in drei Tagen von Portimao nach Porto Santo.

Leider (noch) nicht mit unserem Boot. Sondern mit der Muffet und unseren Freunden Fritz und Bow. Die haben mich eingeladen, mit ihnen zu fahren und ich habe gerne angenommen.

Losgefahren sind wir Sonntag Nachmittag bei strahlend schönem Wetter. Inge und Tommy haben uns mit dem Beiboot noch ein kleines Stück hinaus begleitet.

Inge und Tommy verabschieden die Muffet

Die Wettervorhersage besagt, dass bis Montag nur wenig Wind herrscht, dann aber 5 bis 6 Bft und von schräg hinten schieben sollen. Aus dem Nordatlantik schwellt es ordentlich zu uns runter. Bald haben die Wellen eine Größe von drei bis vier Meter erreicht. Aber davon merken wir eigentlich nichts, denn der Abstand zwischen den Wellen ist so groß, daß wir ganz seicht getragen werden. Es ist ein herrliches segeln.

Das Boot fährt trotz nur 10 Knoten Wind gute 6,5 Knoten Fahrt. So nebenbei: das ist mega! Der Sternenhimmel der ersten Nacht ist kaum zu überbieten. Keine Wolke trübt den Himmel und es sind endlos viele Sterne zu sehen. Sogar die Milchstraße kann man erkennen. Ich kann mich gar nicht satt sehen daran.

Am Sonntag spät Nachmittag frischt der Wind dann ordentlich auf. Für die Nacht reffen wir das Groß ins zweite Reff, lassen aber die Genua komplett stehen. Die Wolken ziehen auf und die zweite Nacht wird stockfinster. Bow ist inzwischen leider arg seekrank, die fällt also aus. Das bedeutet für Fritz und mich längere Schichten und öfter raus zu müssen. Aber da kann man nichts dran ändern. So wie die arme Bow aussieht, würde sie lieber Wache gehen als so elend zwischen Toilette und Bett hin und her zu wechseln.

Der stärkere Wind baut eine zusätzliche Welle auf, die sich auf den großen Schwell aus Norden setzt. Das leider in ziemlich unangenehmer Weise. Es tut ziemliche Schläge, wenn die Wellen gegen den Rumpf treffen. Es schaukelt und wackelt, dass es keinen Spaß mehr macht.

Als ich mich in der zweiten Nacht hinlege, geht es mir noch recht gut. Meine Koje ist in der Bugkabine. Zwei Wellen später, in denen mein Magen nach unten fällt durch die Schiffsbewegungen, muss ich dann leider auch auf die Toilette und mein Essen wieder hergeben.

Daraufhin ziehe ich den Salon um, so nah an den Mast wie möglich,um die Bewegungen so gering wie möglich zu halten.

Sonnenstrahlen fallen auf die Wellenberge

Am Dienstag dann hat der stärkere Wind aus der See einen reinen Kartoffelacker gemacht. Wellen überall und ohne erkenntliche Richtung schubsen uns ordentlich rum. Allerdings führen die beständigen 25 Knoten Wind, die gerne auf 28 und 30 Knoten in Böen steigen, dazu, das wir mit 7 bis 8 Knoten durch die Wellen rasen. Das macht die Bewegungen unter Deck noch unmöglicher. Der Gang aufs Klo wird zur Herausforderung, das auf dem Klo sitzen bleiben auch. Während mir beständig der Klodeckel ins Kreuz fällt, halte ich mich mit beiden Händen an den Seitenwänden, um nicht herunter zu fallen.

Körperhygiene wird auf ein Minimum zurück gefahren. Es ist eh so kalt, dass man nichts ausziehen will. Die Tatsache, dass man unter Deck hin und her geschossen wird wie eine Flipperkugel trägt sich nicht dazu bei, das man sich lange dort aufhalten will. Ohne Leesegel wäre ich locker drei mal aus dem Bett gefallen.

Schlafen mit Leesegel, damit man nicht rausfällt

Der Wind bleibt stark und wir bleiben schnell. Viel schneller als ich dachte. Wir nähern uns in sieben Meilen Stiefeln dem Ziel.

Als es in die letzte Nacht geht denkt sich der Wind: jetzt gebe ich es dir nochmal so richtig. Die Geschwindigkeit schwankt zwischen 19 Knoten und 32 Knoten. Die Böen kommen schnell und heftig. Ich sitze also während meiner Wache drei Stunden da und bin voll beschäftigt, denn Kurs am Autopiloten so einzustellen, dass wir den Kurs zum Wind halten. In jeder Böe luven wir um 15 Grad an und sobald die Böe auf einen Schlag weg ist, droht die Patenthalse.

Es ist stockfinster, ordentlich kalt und ich hab dabei riesen Spaß. Offensichtlich habe ich nicht mehr alle Tassen im Schrank. Aber es ist einfach cool, zu spüren wann die nächste Böe kommt, wann sie vorbei ist und dementsprechend vorzugreifen.

Als Fritz das gleiche nochmal drei Stunden gemacht hat, hat es sich ein klein wenig beruhigt. Leider können wir so unseren Kurs nicht mehr halten. Wir fahren 20 Grad an der Insel vorbei. Also beginnen wir, mitten in der Nacht bei 3 oder 4 Meter Welle Schmetterling zu fahren.

Fritz krabbelt dazu auf dem Vordeck rum. Genua rein, Groß mit einem Bullenstander festgetackert, die Fock auf der anderen Seite mit dem Spibaum draußen. Klingt ruck zuck? Das tut nur so. Bis alles soweit ist, sind anderthalb Stunden vorbei. Schließlich us er permanent darauf achten, sich festzuhalten, auch wenn er Rettungsweste und Lifebelt trägt. Ich habe mich dann so konzentriert, dass mir auf einen Schlag wieder übel wird und ich ganz schnell weg muss.

Hinlegen kann ich mich aber diesmal nicht, denn wir müssen noch weiter machen. Was muss, das muss. Und es geht auch. Als wir endlich alles soweit haben, können wir einen richtig guten Kurs fahren und die Bewegungen im Schiff werden merklich angenehmer. Dann lege ich mich hin und bin im Land der Toten. Derweil rasen wir weiter durch die Nacht mit zu 10 Knoten die Welle runter.

Am Mittwoch dann nähern wir uns schon unseren Ziel, der Insel Porto Santo. Der Wind lässt über den Tag etwas nach und dreht oft und stark hin und her. Innerhalb von 10 Minuten steht der Wind um 15 Grad. Den Autopiloten haben wir inzwischen so eingestellt, dass er den Windwinkel selber hält. Viel besser, vor allem bei den Drehungen. Da müssen wir nur den Kurs im Blick behalten.

Bow geht es auch langsam besser. Wir sitzen bald alle im Cockpit, eingemummelt in vielen Lagen Klamotten und einer dicken Decke und freuen uns aufs ankommen. Gegen Ende nimmt der Wind leider stark ab, so dass wir nicht mehr genug Vortrieb haben. Das Vorsegel schlägt herzerweichend hin und her und auch die Bootsbewegungen werden unangenehmer. Es sind nur noch 20 Meilen und wir wollen uns nicht noch mehr quälen als nötig. Also fahren wir unter Maschine und mit dem Groß als Stütze nach Porto Santo.

Land in Sicht.

Wir erreichen den Hafen um 10 Uhr abends. Der Hafen ist eher klein, hat aber noch die Möglichkeit, dass man ankert.

Eine ca. 16 m lange Ketch hat das auch getan und zwar mitten in der Einfahrt vorm Hafen. Fritz, der den ganzen Weg die Ruhe selbst war, kriegt einen kleinen Tobsuchtsanfall. Zurecht, denn das ist wirklich kein Platz zum ankern, wo sonst so viel Platz ist.

Wir ankern auch, gönnen uns eine heiße Dusche und fallen dann alle tief erschöpft aber zufrieden mit der Welt ins Bett.

Insgesamt 513 Seemeilen, in 78 Stunden. Das bedeutet eine durchschnittliche Geschwindigkeit von 6,5 Knoten. Der Plotter sagt, das wir eine Höchstgeschwindigkeit von 14 Knoten erreicht haben. Das muss irgendwann beim runtersurfen einer Welle gewesen sein.

Am nächsten Tag finden wir einen Platz in der Marina und Fritz zirkelt sein Boot in eine winzige Lücke sehr präzise und sehr unaufgeregt hinein. Allzu viele Touristen scheinen hier nicht vorbei zu kommen, dass Englisch der Marina Damen ist begrenzt. Hier hilft tatsächlich mein Unterricht und ich kann auch in der Hafenbar und noch Kaffee und Pasteis bestellen.

Das Wetter klart den Tag über weiter auf und wir machen einen kleinen Spaziergang ins Dorf. Die Hafenmauer ist geschmückt mit all den Zeichnungen derjenigen, die schon vor uns hier waren. Ich liebe es, mir jede einzelne anzusehen und nehme mir vor, dass wenn wir mit Assai herkommen, uns auch verewigen werden.

Schön hier.
Auch in die andere Richtung
Die ganze Kaimauer ist bedeckt mit den Zeichnungen von anderen Seglern
Captain Kirk!
Mit so viel Liebe gemacht

Kategorien:Umbau

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