Einschätzung der Lage der Nation

Ist euch schon mal aufgefallen, dass seit wir losgefahren sind gar keine Katastrophen passieren? Wir (okay, ich) maulen über das Wetter und die Vorhersage. Brä, brä. So what. Jetzt habe ich dem vorherigen Beitrag geschrieben mit einem treibenden Titel und offenbar hat mich Murphy gehört. Der Arsch. Für diejenigen, denen Murphys Gesetz nichts sagt: „Alles, was schief gehen kann, wird auch schief gehen“. Hab ich schon erwähnt, dass beim runterholen des Gennakers die Schot durchgerauscht ist? So können wir gerade keinen Gennaker mehr setzen.

Nach einer komatösen Nacht gehen wir Anker auf in einem sehr bewölkten Mallorca. Wir fahren hinaus und freuen uns über etwas weniger Welle als gestern. Wir fahren an der Küste entlang, bis wir abbiegen und auf Formentera anlegen wollen. Und es kommt Wind auf. Gut. Genau aus der Richtung, in die wir wollen. Schlecht. Also setzen wir die Segel und wollen kreuzen. Allerdings hat dieses Boot in dem Moment dank der Wellen einen Wendewinkel von 170° was bedeutet, dass wir fröhlich auf der Stelle hin und her fahren, aber dem Ziel kein Stück näher kommen. Dann nimmt eh der Wind ab und die Welle kommt von, ja, von wo eigentlich? Irgendwie von überall. Die bremsen uns sehr runter. Mit der Marschfahrtdrehzahl machen wir normalerweise 3,5 bis 4 Knoten. Jetzt 1,5 bis 2. So kommen wir auch nirgends hin. Wir probieren hin und her, versuchen nochmals zu segeln, geben entnervt auf und erhöhen die Drehzahl. Alex versucht sich schlafen zu legen, während ich steuere. Das Boot stampft in die Wellen, schwankt hin und her und manchmal klingt es, als würde sie nicht in eine Welle fallen sondern auf einen Stein. Schlicht, es ist ätzend. Alles kacke, deine Elli. Alex löst mich um eins ab. Da können wir noch gemeinsam Segel setzen und ich geh schlafen. Naja, besser, ich lege mich hin. Der Wind kommt von fast vorne und wir sind dicht am Wind. Daher liegen wir ziemlich auf einer Backe, die Bootsbewegungen werden etwas angenehmer, aber sie stampft immer noch in die konfuse See. Es knarzt, es knaufelt und scheppert. Ich kriege kein Auge zu. Dafür bekommen wir beide die Queen Elisabeth zu sehen, die hell erleuchtet wie ein Fußballstadion vor uns vorbei fährt.

Um sechs stehe ich wieder auf. Der Wind hat abgenommen, dankbarer weise auch die Welle. Nach einer halben Stunde dümpeln und Segel flattern will ich die Maschine an starten, aber sie gibt keinen Mucks von sich. Alex steht wieder auf und hilft mir, die Batterien zu überbrücken. Offenbar ist die Starterbatterie nicht mehr so taufrisch. Dann guckt Alex in die Bilge und findet Wasser. Na super. Bilgenpumpe an und suchen, wo es herkommt. Es ist ein Schlauchanschluss, der wohl durch das Gestampfe ein bisschen zu viel Wasserdruck abbekam. Unser Ziel, ein geschützter Ankerplatz in Formentera sind nur noch 40 Meilen weg. Wir wollen noch im Hellen ankommen und lassen zum Motor die Genua raus. So motorsegeln wir durch die Engstelle zwischen Formentera und Ibiza. Dann müssen wir den Kurs etwas südlicher setzen. Hier haben wir nun genau Wind auf der Nase und das auch nicht wenig. Aber es sind nur 3 Meilen bis zu dem Platz, wo wir hinwollen. So motoren wir langsam vor uns hin. Als wir an dem Ankerplatz ankommen sehen wir eine Dame im Dinghi, die uns erklärt, dass ankern hier verboten ist und wir eine der Bojen nehmen sollen. Wir sind müde und legen uns daher an eine Boje. Die wurden zum Schutz des Seegrases aufgebaut. Das festmachen an der Boje haben wir vorher noch nie gemacht, ist aber nicht kompliziert und bald warten wir darauf, dass die Dame zum kassieren wiederkommt. Sie kommt auch, erklärt aber, dass die Bojen erst ab dem 1. Juni Geld kosten. Bis dahin sind sie kostenlos. Na, wenn das keine gute Nachricht ist. Wir sind so müde, dass wir nun beruhigt zu Abend essen und dann direkt ins Bett. Als ich in den Kühlschrank gucke, sehe ich, dass der sich selbst abgetaut hat. Offenbar tut er nicht mehr. Ob er Wasser abbekommen hat? Aber nein, nur ein Kabel hat sich heraus gewackelt, der Fehler ist schnell behoben.

Der Platz hier ist ruhig, windgeschützt und wirklich schön. Zudem umsonst, daher beschließen wir zwei Nächte zu bleiben.

Kategorien:Spanien

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