Erste Fahrt

„Schleuse Aldingen?“ „Ja, hier Schleuse Aldingen.“ „Hier ist Segelschiff FAITH, wir würden gerne bergauf schleusen.“ „Kein Problem. Fahrt rein.“ Kleine Pause. „Bitte habt etwas Rücksicht mit uns, es ist das erste Mal, dass wir schleusen.“ So ungefähr lief am Sonntag das erste Funkgespräch zwischen uns und dem Schleusenwärter der Schleuse Aldingen. Unser erstes Mal schleusen. Es regnete schon den ganzen Tag in strömen, der Neckar stand Dank des Hochwassers kurz vor der Sperrung für die Schifffahrt und Unmengen an Treibgut, kleine und große Holzstücke, schwammen im Wasser. Super Vorraussetzungen also für uns, unsere FAITH über zwei Schleusen bergauf (= den Neckar hoch) zu unserem neuen Liegeplatz zu fahren. Die Strömung gegenan war gut zu merken. Unsere Freunde von der MUFFET waren zu uns an Bord gekommen, um uns beim schleusen seelisch, moralisch und mit helfenden Händen zur Seite zu stehen. Ich stand am Steuer, bzw. an unserer Pinne und ehrlich gesagt, schlug mir das Herz bis zum Hals. Unser Plan war im hinteren Drittel der Schleuse zu bleiben und möglichst an Bug und Heck eine Sicherungsleine um einen Poller zu wickeln. Wir fuhren in die Schleuse. Ich hielt am ersten Poller. Die Heckleine wurde um den Poller gelegt. Aber! Der nächste Poller war noch mindestens 5 m weiter von unserem Bug weg! Da würden wir nie herankommen. Nur am Heck festzumachen ist auch keine Alternative. Dann würde der Bug unkontrollierbar hin und her schwenken, wenn das Wasser in die Schleuse strömt. Also, haben wir uns an den zweiten Poller verlegt und mittschiffs festgemacht. Während wir noch hin und her überlegt haben, wie das Schiff am sinnvollsten zu vertäuen ist, war das Schleusentor schon geschlossen und die Schleuse wurde geflutet. Unsere FAITH stieg langsam mit dem Wasserstand auf die nächste Ebene des Neckar und trotz schlagendem Herzen lief alles wie am Schnürchen. Ich muss allerdings zugeben, dass der Tipp, im hinteren Drittel der Schleuse zu bleiben, Gold wert war. Weiter vorne wären wir mehr durchgeschüttelt worden. Und schon war es vorbei. Brav haben wir uns beim Schleusenwärter bedankt und fuhren weiter. Nach einer gefühlt kurzen Zeit, kamen wiran die Schleuse Hofen, die wir mit dem ‚Neckarkapitän‘ teilen mussten. Nach der zweiten Schleuse (Erfahrungssteigerung 100%) waren wir an unserem Ziel angelangt. Der WSC Hofen. Jetzt mussten wir nur noch Box Nr. 19 finden und einparken. „Nur noch“. HA HA. Gefunden war die Box schnell, aber dank der starken Strömung (bestimmt 2 kn) war ein langsames „einparken“ kaum möglich. Wir wurden immer wieder abgetrieben und kamen bei Anlauf Nummer vier letztlich nur mit einem Hau-Ruck Manöver in die Box. Dabei wurde ein Tau um den vorderen Dalben gewickelt, der uns dort fixiert und dann mit Schwung das Heck um die Ecke geschoben. Nicht besonders schön, weder für uns, noch für das Boot. Besonders elegant anzusehen war es wohl auch eher nicht.Aber wir sind drin. Zwei Macken sind im Lack und wir haben einigen Schleusen-Schmodder an der Seite, aber jetzt liegen wir erstmal da, wo wir liegen wollen. Sicher vertäut und mit Zugang zu einer kleinen, super tollen Marina. Fester Vorsatz für die nächsten Wochen: üben wie die Blöden, gescheit in eine Box hereinzufahren 🙂 Wann muss ich einschlagen, damit sie richtig steht? Wie schätze ich die Strömung richtig ein? Und so weiter. Was mich persönlich am meisten beeindruckt hat, ist wie die Zeit auf dem Wasser vergeht. Sogar wenn es „nur“ der Neckar ist. Es waren nur drei Tage, die wir bisher mit und auf dem Boot verbracht haben. Es kommt mir aber so vor, als wäre mindestens eine Woche vergangen. Wir sind aufgestanden, nur kurz das eine oder andere erledigt und schwupps, ist halbe Tag rum und keiner hat’s gemerkt. Zeit und Raum scheinen auf dem Wasser anderen Gesetzen zu folgen, die noch niemand genau zu Papier gebracht hat. Wir haben für die Strecke Poppenweiler – Hofen gestern 3,5 Stunden bei gemütlicher Fahrt gebraucht. Vorgekommen ist es mir eher wie eine Stunde. Als wir unsere Freunde von der MUFFET wieder mit dem Auto nach Poppenweiler gefahren haben, haben wir die Strecke innerhalb von 15 Minuten geschafft… Unser Echolot hat auf der 3,5 stündigen Fahrt über den Neckar ganz vernünftige Werte angezeigt. Die Logge funktioniert weiterhin nur bei Rückwärtsfahrt. Lösungs-Idee: Ausbauen, um 180 ° drehen, wieder einbauen. Die Geschwindigkeit der Rückwärtsfahrt interessiert uns eh weniger. Die undefinierbaren Geräusche, die ich im vorherigen Post erwähnte, sind weniger geworden. Laut Internetrecherche kann es an der Kavitation liegen. Wir haben den Propeller im guten Glauben dick mit Antifouling bestrichen, dadurch sind die Kanten des Propellers natürlich um einige Millimeter ungleichmäßig dicker geworden und das wiederum kann Vibrationen an der Welle und Geräusche während der Fahrt produzieren. Das wäre soweit gut, da sich das Problem durchaus von alleine lösen würde: Durch Fahrt durchs Wasser trägt sich die aufgebrachte Farbe ab und das Geräusch sollte von alleine verschwinden. Wunderheilung. Also doch! 🙂 (Hoffentlich!)

Kategorien:Deutschland

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.