Es gibt diese Tage…

Wie soll ich es sagen? Heute hatten wir unseren Termin mit dem Kran, wir haben den Adapter, wir räumen das Boot auf und freuen uns wie jeck, wieder ins Wasser zu kommen. Nun, der Tag ist rum und unser Boot steht immer noch da, wo es die ganzen letzten Wochen stand. Auf dem Trockendock. Wie kommt’s? 

Am Mittwoch hat Sergio uns unseren Adapter gebracht und gestern bin ich hin, um das gute Stück zu bezahlen. Hätten wir das Originalteil in Deutschland gekauft, wären wir nochmal 500 € losgeworden. Sergio winkt, ich geh mit ihm in sein Büro, oder zumindest das was ein Büro sein soll und er legt mir eine handgeschriebene Rechnung hin auf der unten 1150 € steht. Da guck ich nicht schlecht, denn das hab ich nicht erwartet. So viel hab ich nicht dabei, also nehm ich den Zettel mit und geh wieder. Alex guckt genauso wie ich, als er den Betrag liest – ungläubig. Eine Viertel Stunde später, ist dann Alex wenig gut gelaunt auf dem Weg zu Sergio und erklärt ihm, dass wir bezweifeln, dass er tatsächlich 30 Arbeitsstunden in das Ding gesteckt hat. Nun, nach einigem hin und her bei dem der sonst so gutmütige Sergio anfängt, sein Werkzeug durch die Gegend zu werfen, bringen wir ihm heute seinen Adapter wieder. 

Wir haben (okay, Alex hat) eine super Idee, wie wir den Adapter auch selbst herstellen können. Holz, Epoxy, Glasmatten und ein paar Schrauben sind der Plan. Da wir nun bei 35 Grad Außentemperatur super motiviert sind, wieder ins Wasser zu kommen, rennen wir den ganzen Tag von Pontius nach Pilatus und kaufen Holz, Glasmatten und Schrauben. Während wir auf der Suche nach Bootsbausperrholz hier auf der Boatyard sind, treffen wir in einer Art Hinterhofwerkstatt auf einen der mit Holz arbeiten soll. Schreiner möchte ich den Mann nicht nennen, so sah die Werkstatt wirklich nicht aus. Morgens um zehn sitzen dort drei leicht übergewichtige Portugiesen nur in Shorts, mit einem Bier in der Hand auf den wackeligsten Stühlen, die die Welt je gesehen hat, während zwei Hühner auf dem Boden nach Dreck und Essenresten picken. Die guten erklären uns dann, sie hätten heute zu viel zu tun, um zwei Bretter zurecht zu sägen und sagen, wir könnten am Montag wiederkommen. Wir treten da dann doch lieber den unkoordinierten Rückzug an. 

Dean kommt über Mittag vorbei, diesmal bemitleidet er uns gebührend. Wir spekulieren, dass das Universum oder Gott oder wer immer da rumhängt, uns wohl was sagen will. Portimao sei wie der Gesang der Sirenen aus Odysseus, einmal gefangen kommt man nicht mehr weg. Sergio war den Rest des Tages leider nicht mehr allzu guter Laune und konnte Dean daher nicht helfen mit seinem Ölkühler. So bemitleiden wir uns dann gegenseitig und finden, ein Radler dürfen wir uns auf den Tag gönnen. Wir beschließen, für irgendwas wird es gut sein, auch wenn wir gerade nicht sehen, für was. Egal, wir haben jedenfalls etwas gelernt aus der ganzen Situation: Frage immer nach einem schriftlichen Kostenvorschlag, auch wenn du die Sprache nicht kannst. Noch besser: machs gleich selbst, wenn es irgend geht. Geht dann eh schneller und wird meistens auch günstiger. 

Wenn der Hahn kräht auf dem Mist… oder neben der Altölwanne

Kategorien:Portugal

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