Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Als wir uns mit Natalie und Flo aus Stuttgart getroffen haben vor ein paar Wochen, haben sie uns gefragt, was denn an Portugal eben nicht so toll ist. Das ist natürlich nicht zu verallgemeinern, denn wir leben kein „normales“ Leben hier, gehen nicht arbeiten und sind hier nicht versichert. So können wir nur aus unserer Sichtweise berichten.

Was toll ist an Portugal habe ich ja schon oft genug erwähnt und führe es liebend gerne nochmal auf. Zuerst natürlich das Wetter (das ist aber mehr Algarve, als ganz Portugal), denn gestern war nun Mitte Januar schon wieder kurze Hose Wetter. Natürlich nur, solange die Sonne scheint und kein Wind geht, aber immerhin. Es ist warm, aber ein wenig bekommt man noch von den Jahreszeiten mit. Für mich ist es oft, wie wenn der Herbst in den Frühling übergeht, ohne den nervigen kalten, grauen und verregneten Winter, den ich noch kenne. Ich weiß, derzeit ist in Deutschland so richtig Winter mit kalt und Schnee, ich kenne das aber anders. Vor allem, hier scheint die Sonne und man bekommt viel Licht ab. Etwas, was mir zumindest extrem gefehlt hat in Deutschland.

Die Leute sind unfassbar freundlich und hilfsbereit. Das habe ich oft genug breit getreten und ich werde die Geschichten nicht wiederholen. Wer will, kann sie aber gerne nachlesen: Überraschung.

Portugal ist ziemlich günstig in den Lebensunterhaltskosten. Da der durchschnittliche Portugiese rund 550€ im Monat verdient und davon leben muss, aber auch sein „gottgegebenes Recht auf Kaffee um halb Zehn“ beibehalten will, gibt es hier unzählige Cafés, wo der Kaffee weniger als 1€ kostet. Wenn man die Augen offen hält und in die Lokale geht, die von Einheimischen gut besucht sind, dann findet man wie wir vorgestern ein Lokal direkt ums Eck. Unscheinbar, aber voll mit Einheimischen. Dort haben wir dann für 8€ Brot mit Butter, Suppe, Hauptgericht (gebratenes Hähnchen) in großer Portion, Nachtisch, ein Getränk und den obligatorischen Kaffee bekommen. Pappsatt für den Rest des Tages kamen wir wieder raus. Abends kostet das Menü dann 9€. In den Touristenecken sehen die Kosten dann schon wieder anders aus. Klar.

Soweit die größten Vorteile für uns. Aber was nervt uns denn manchmal und auch oft?

Nun, hier und kollidiert die deutsche Mentalität mit der südländischen. Termine, die abgemacht wurden um arbeiten erledigen zu lassen sind recht flexibel zu sehen. Zuerst kann man sich darüber freuen, wenn der Beauftragte tatsächlich an dem Tag aufläuft, wie angekündigt, von Uhrzeiten will ich gar nicht reden. Die Jobs werden erledigt, keine Frage und sie werden gut erledigt. Man muss nur Zeit mitbringen und sich ab und zu bei den Leuten wieder in Erinnerung bringen. Auch an der Supermarktkasse läuft es entspannt. Das Schwätzchen mit der Kassieren ist obligatorisch und der Dame an der Kasse kann man auch zwischendrin mal das eigene Telefon in die Hand drücken, damit sie Hinz und Kunz auch mal Hallo sagt. Juckt hier keinen. Da fängt eher noch derjenige, der hinter einem steht, ein Gespräch an, damit die Zeit schneller rum geht. Stress an der Kasse ist ein Fremdwort. Man hat auch alle Zeit der Welt, seinen Kram in die Tasche zu räumen, da guckt einen niemand komisch an. Vor- oder Nachteil kann nun jeder für sich entscheiden, man muss sich einfach dran gewöhnen, wenn man in Portugal ist.

Was uns nun am meisten stört bzw für Unruhe sorgt, ist die Post. Da wir hier auf dem Trockenen viel arbeiten, brauchen wir viel Material. Das wird bestellt und an die Marina Adresse geliefert. Der gute Dave, der hier verantwortlich ist, ist aber nicht immer da (eher selten) und keiner von den sonstigen Mitarbeitern weiß, wann er denn da ist. Der Paketbote hat das auch schon mitbekommen und liefert viele unserer Pakete beim Nachbarladen ab. Gut für uns, da ist quasi immer jemand. Nun, das gilt aber nicht für alles und jeden. Ab und an behauptet die Paketverfolgung, dass die Adresse nicht existieren würde und ich kann das Paket dann beim Postamt abholen. Zettel im Briefkasten? Fehlanzeige. Entweder du weißt wo dein Paket ist, oder eben nicht. Derzeit suchen wir seit 10 Tagen ein Paket, dass als zugestellt markiert ist, aber niemand hat es hier. Zugestellt ist es laut Paketverfolgung in Lagos, der nächstgrößere Ort hier, ca. 20 Autominuten entfernt. Zugestellt bei einem Porto do Portugal (= Hafen von Portugal) den es weder hier noch in Lagos noch sonst wo wirklich gibt. Wo fängt man da also an zu suchen?

Zugegeben, sehr nervig. Aber wir wissen auch, dass das jammern auf hohem Niveau ist. Schließlich ist nirgends alles super, irgendwas gibt es ja nun immer. Aber für uns ist es hier wirklich golden und wir fühlen uns rundum wohl. Frei nach dem Motto: es könnte weitaus schlimmer kommen.

Entspannt

Einfach schön

Oben auf!

Kategorien:Portugal, Umbau

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