Frau auf Langfahrt

Ob dieses Thema für die Technikverliebten unter uns so spannend wird, wage ich zu bezweifeln. Im Zuge der Vorbereitungen auf unsere Fahrt habe ich gelesen, was ich finden konnte. Aber in keinem Buch, in keinem Film oder Youtube Video konnte ich eine Antwort finden auf meine Frage: Wie ist es als Frau an Bord einer Langfahrtyacht? Muss ich mir die Haare abschneiden, da sie aufgrund mangelnder Pflege und Salzwasser verfilzen? Habe ich bald nur noch fleckige und vor Salz stehende Klamotten? Und überhaupt, wie wird es sein wochenlang vor Anker und unterwegs ohne Dusche? Kann ich mich dann überhaupt noch selbst riechen? Manche Dinge gehen einfach unter, in den Segelblogs vom tollen Leben auf Langfahrt. Immerhin haben wir eine ordentliche Toilette an Bord, mitsamt Waschbecken. Es muss nicht der Eimer sein, so wie bei manch anderem, den wir in der Zwischenzeit getroffen haben. 

Nach nun einem dreiviertel Jahr unterwegs will ich meine eigenen Fragen beantworten. Vorweg: ich habe mir mehr Gedanken gemacht, als notwendig. Das Hygienebedürfnis hört ja nicht plötzlich auf, nur weil ich jetzt in einem schwimmenden zu Hause wohne. Es wird hier und da nur umständlicher, es zu befriedigen. Es gibt immernoch die genetische Programmierung des Jägers und Sammlers. Wo der Mann hier und da dreckige Wäsche zum jagen verteilt und die Frau diese im Horten- und Sammeln-Wahn auf einem Haufen sammelt, um sie dann zu waschen. Da wir an Bord aber nicht mit einer Waschmaschine gesegnet sind, muss ich nun mit meinen gesammelten „Schätzen“ losziehen und eine Waschmaschine jagen gehen. Bislang hat sich das auch nie als Problem dargestellt. Die meisten Marinas verfügen über eine (meist heiß umkämpfte) Waschmaschine und falls nicht, findet man so gut wie überall bislang einen Waschsalon. Trocknen kann die Wäsche an Bord. Man darf nur keine große Schüchternheit an den Tag legen, wenn jeder in der Marina oder am Ankerplatz deine Schlüpper neben den Handtüchern bewundern kann. In der Marina ist das ein vergleichsweise normaler Anblick, am Ankerplatz kann das schon mal zu wildem Starren auf anderen Booten führen. Vor allem von Motorbootfahrern, denen offenbar die Fantasie fehlt, dass man auch auf einem Boot leben kann und somit auch dort seine Wäsche trocknet. Da stehen wir drüber und finden die manchmal verwirrten Blicke sehr witzig. 

Unsere bislang längste Überfahrt über die Biskaya hat drei ein halb Tage gedauert. Da wir gerade am Beginn der Überfahrt mit hohen Wellen und sau kaltem Wetter zu kämpfen hatten, habe ich nicht im Traum daran gedacht, irgendwas auszuziehen um zu duschen. Nach zwei Tagen allerdings wurde das Geschaukel und das Wetter besser. Gut so, denn da war der Zeitpunkt erreicht, dass ich mich nicht mehr mochte, weil zu müffelig. Auch eine Katzenwäsche mittels Eimer mit Salzwasser an Bord wirkt hier wahre Wunder. Dann wieder einen heißen Tee und die Welt ist wieder in Ordnung. Vor Anker ist es dann überhaupt kein Problem, da springe ich eben eingeseift über Bord (nach vorheriger Prüfung auf Quallen, natürlich).

Meine Haare sind also noch dran und ich musste auch noch nicht auf Dreadlooks umsteigen, meine Haare verfilzen nicht. Überhaupt bin ich inzwischen voll angekommen im Bordleben. Ich kann empfehlen, Dieselgeruch im Allgemeinen eher zu mögen, denn irgendwas ist eben immer (siehe vorherigen Beitrag über unseren Percy). Aber an Hygiene mangelt es nicht mehr oder weniger als in einer festen Wohnung. Besser noch, der wenige vorhandene Platz ist schneller geputzt als daheim. Dafür sammelt sich gefühlt auch mehr Dreck, so dass ich öfter putzen muss, aber es geht ja schnell 🙂 Das Einzige, dass ich wirklich misse ist und bleibt die Spülmaschine, aber auch daran kann man sich gewöhnen. 

Wäsche trocknen an Bord

Kategorien:Portugal

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