Geburtstag

Die letzten Tage haben wir in Dartmouth verbracht. Ein wirklich schönes kleines Städtchen, direkt am Hang gelegen, voll mit Pubs und Cottages und Möwen, die einem das Essen aus der Hand klauen. Ehrlich wahr.
Linus hat von seinem Frühstück, einem Schoko-croissant, genau einen Bissen abbekommen, bis eine Möwe im Sturzflug das leckere Croissant geklaut und verschlungen hat. Wir haben Warnschilder an Restaurants gefunden, die darauf hinweisen, dass (sollte man draußen sitzen wollen) die Möwen echt nerven können und das kein Ersatz für von Möwen gestohlenes Essen geleistet wird. Es gibt sogar Möwen-sichere Müllbeutel.

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Warnhinweise vor aufmüpfigen Möwen

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Dartmouth

Ansonsten war unser Aufenthalt voll mit kleineren und größeren Reparaturen an Bord. So kam bei der letzten Tour doch mehr Wasser ins Boot als es sollte und das muss abgestellt werden. Besser gestern als heute. Salzwasser zeigt an unserem Stahlschiff auch sehr schnell, wo an Deck die Farbe nicht mehr ganz so gut hält, denn es bilden sich mehr oder minder schöne Rostflecken auf dem weißen Lack. Der wurde angeschliffen und neu gestrichen. Sieht jetzt etwas fleckig aus auf Deck, aber besser als überall Rost. Alex hat derweil das Ventilspiel am Motor eingestellt und ich habe gelernt, dass man am Motor auch mit einer Art Stethoskop die „Herzgeräusche“ hören kann. Sehr spannend. Nachdem dass Ventilspiel neu eingestellt war, läuft der Motor wieder ruhig und gleichmäßig. Super.

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Ventilspiel am Motor einstellen

Unser Hauptaugenmerk liegt weiterhin auf dem Wetter und dem zu erwartenden Wind. Wir wollen durch die Biskaya, dafür brauchen wir mindestens 3 Tage stetigen Nord-Ost Wind. Aktuell zeigt die verschiedenen Vorhersagemodelle aber nur Westwind in verschiedenen Abstufungen und Stärken. Alles doof für uns. Nur für heute haben die Wetterfrösche zur Abwechslung alles gemeinsam einen Nordwind vorher gesagt. So haben wir uns überlegt, entweder nach Brest zu fahren (die Strecke über die Biskaya verkürzen) oder weiter in den englischen Süd-Westen. England ist wohl teurer als Frankreich und auch ist die Strecke über die Biskaya länger, aber es bietet mehr Möglichkeiten den Wind der da ist zu nutzen. Wir tun uns ehrlich gesagt, recht schwer mit unseren Entscheidungen, wo wir wann hinfahren sollen. Letztendlich wurde der Plan nach Brest zu fahren aber verworfen und wir entschieden uns für Falmouth.

Bevor wir gestern Nacht abgelegt haben, haben wir aber zuerst Geburtstagskuchen gegessen. Alex hat heute Geburtstag! Fast hätte er es selbst vergessen. Wir natürlich nicht, so dass ich Alex am nachmittag Kreuz und Quer durch das kleine Städtchen gejagt habe, damit Linus Zeit hatte, einen Kuchen zu backen.

Als wir gegen 00.30 Uhr ablegen wollten, stand die Strömung aus dem Fluss heraus ins Meer. Mit 3 Knoten Strömung ablegen hat man auch nicht alle Tage.
Aber nach Hin- und her überlegen, was die beste Lösung sei, haben wir es gemeinsam hinbekommen.
Ich habe die erste Nachtwache übernommen. Schwupps die wupps war es so neblig, dass ich selbst den Leuchturm kaum noch erkennen konnte. In diesem Moment war ich sehr dankbar für AIS und Radar. Uns kam ein Segler entgegen, den ich ohne diese beiden Hilfsmittel nie wahrgenommen hätte. So konnte ich ausweichen. Wir passierten einander mit einer halben Seemeile Entfernung, gesehen habe ich aber durch die Nebelsuppe in der Nacht rein gar nichts. Die Strömung hat uns derweil auch weiter mit 3 Knoten nach vorne geschoben, so dass wir mit 7 Knoten über Grund durch den Nebel gerast sind.

Während der Nacht klarte es auf, der versprochene Wind aus Norden kam auf und Linus setzte die Segel. Herrlich. Als ich wieder wach wurde, schien auch Neptun uns einen Geburtstagswunsch zu erfüllen. Sonne satt, Wind mit 3 Stärken und so gut wie keine Welle. Kurz: Segeln wie es sein soll. Eine Wohltat für unsere leicht geschundenen Seelen, da wir nun lange auf den richtigen Wind gewartet haben. Nach 75 sm sind wir wohlbehalten in Falmouth angekommen. Der Hafen ist weitaus weniger hübsch, viel größer und unübersichtlicher als Dartmouth. Da die örtliche Marina keinen Platz mehr für Gastlieger hat, haben wir kurzer Hand geankert. Nun entspannen wir und werden später in einem Pub nochmals auf Alex‘ Geburtstag anstoßen!

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Alex hält Wache

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Segeln mit Schräglage

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Falmouth, im Hintergrund der Hafen für die großen Schiffe

Kategorien:England

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