Gerichtsverhandlung

Die zweite Ursula ist wieder da. Am Dienstag morgen um zehn ist die Gerichtsverhandlung. Ich bin als Zeugin geladen. Wer sich jetzt wundert, worum es geht, kann die ganze Geschichte hier nochmal nachlesen: die portugiesischen Mühlen.Unser Freund Moises ist auch dabei. Zuerst treffen wir uns bei uns am Boot und quatschen kurz. Der Hund Floh bleibt bei Alex und Markus.

So machen wir uns auf in das Gerichtsgebäude, wo wir Moisés treffen und gemeinsam in den vierten Stock wandern. Die Anwältin ist auch bald da und der GNR Mensch, der möglichst grimmig geguckt hat damals, findet sich ein. Diesmal grüßt er super freundlich und hat offensichtlich super Laune. Wir alle müssen draußen warten, während Übersetzer, Anwältin und Gerichtsdiener mit Ursula im Gerichtssaal verschwinden. Wir müssen draußen auf den billigen Plätzen warten. Auf der sehr kurzen Holzbank, die sich nach nicht allzu langer Zeit unschön in den Hintern gräbt. Moisés und ich unterhalten uns über eine Stunde, bis der Gerichtsdiener den GNR Beamten aufruft. Der kommt bald wieder raus, dann kommt Moisés dran. Ich bin als letzte dran.

Der Gerichtssaal ist vielleicht 40 qm groß, in dunklem Holz und entenscheißgrünen Polstern gehalten. Ursula sitzt als einzige auf den Besucherplätzen und sieht angespannt aus. Ein Stuhl ist frei, auf dem darf ich Platz nehmen, nachdem ich bestätigt habe, wer ich bin und geschworen habe, die Wahrheit zu sagen. Ob ich Ursula kenne, woher und wie lange. Der Übersetzer guckt etwas komisch als ich sage, dass ich auf einem Boot wohne, spricht aber hervorragend Deutsch. Ob ich in Deutschland schon mal einen Roller besessen hätte und was dafür notwendig gewesen sei. Wie denn die Kontrolle abgelaufen sei damals, ob die Ursula wirklich im Winter nach Hause fahren wollte mit der Ape und warum sie denn nicht auf besseres Wetter gewartet hätte. Dann darf ich wieder gehen. Die Richterin schien nicht übermäßig gut gelaunt zu sein und ich war doch nervös, schließlich bin ich das erste Mal in meinem Leben vor Gericht. Und das auch noch in einem anderen Land.

Kurz nachdem ich entlassen wurde, kommen Ursula, ihre Anwältin und der Übersetzer raus. Eine Entscheidung gibt es erst am Freitag, beziehungsweise das ganze wurde auf Freitag vertagt. Der Übersetzer verrät uns, dass der GNR Mensch nur ausgesagt hat, dass wir in eine normale Kontrolle gekommen wären und eher überrascht reagiert haben, als wir mit dem Problem konfrontiert wurden. Aber die Richterin hat die Ape schon mal frei gegeben. Wir dürfen sie wieder abholen. Das machen wir dann auch am Mittwoch morgen.

Moises hat uns noch geholfen, der Ape eine portugiesische Versicherung zu besorgen. Somit können wir die Ape wieder abholen. Die Jungs auf der Wache erkennen uns auch wieder und freuen sich sichtlich, als sie uns das kleine Gefährt wieder geben dürfen. Sie prüfen die Papiere, Ursula prüft das Auto, dass genauso gut dasteht wie wir es stehen gelassen haben. Nur dreckiger. Sogar der Motor springt sofort an. Portugiesisches Nummernschild dran schrauben und die Beamten spritzen die kleine Ape sogar noch mit dem Gartenschlauch ab, dass sie nicht arg so grausig aussieht. Dann winken sie uns freundlich und Ursula ist total happy, die Ape wieder zu haben. Dann muss nur noch die Richterin am Freitag entscheiden, sie freizusprechen. Wir drücken weiterhin die Daumen.

Wir haben die Ape wieder!



Kategorien:Portugal

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