Gestrandet

„Das Abenteuer, dass man sucht und dass, was man findet sind nicht immer das gleiche.“ So oder so ähnlich beschreibt Söntke Röver seine Erfahrungen des Segelns. Recht hat er. 

Wie schon ein oder zwei Mal erwähnt, mögen wir es nicht sonderlich auf dem Trockenen. Heute morgen sah auch alles noch gut aus. Wir haben die neue Aufnahme der Pinne gestrichen und auch mit der Bilgenpumpe weiter gemacht. Kurz vorm Mittag will Alex dann nur mal eben nach unserer Aries Selbststeueranlage gucken. Die scheint fest zu sitzen. Eine Achse die sich drehen sollte, sitzt fest. Gucken hier und schrauben da nützt nichts, also muss das Ding ab. Argh. Das ist viel Aufwand. Also steht Alex unten und hält die Schrauben, während ich kniend kopfüber in der Backskiste hänge um die Muttern zu lösen. Einiges Gefluche später sind alle Schrauben ab und die Aries unten. Es hilft wohl alles nichts, wir müssen das Ding auseinander bauen, neu einfetten und wieder anbauen. Klingt einfach? Isses nicht. Da diejenigen, die das gute Teil zusammen gebaut haben auf die super Idee kamen, ein Edelstahlrohr in ein Alugestänge zu bauen. Dazu Edelstahlschrauben, um alles festzuziehen. Alles kein Problem, bis das ganze Salzwasser sieht. Das hat unsere Aries nun viel gesehen. Dazu Sonne und schwupps: Korrosion. Das ganze ist mit Edelstahlrohren an der Bordwand befestigt. Die hatten wir in Deutschland schon mal entfernt und problemlos wieder angebracht. Alle Schrauben raus und hin und her gewackelt. Es tut sich nichts. Grrrrr! Wir versuchen es mit viel WD40 und ein wenig Gewalt. Dann: krack. Das Rohr ist draußen, allerdings auch die Hälfte des Halters ist gleich mit abgebrochen. Mist. Aber vielleicht kann das noch wieder angeschweißt werden. Wir sehen uns die Bruchstelle genauer an. Das ist gegossenes Alu. Viele Lufteinschlüsse. Richtig doof zum schweißen. Hilft nichts, die Achse sitzt ja immernoch fest. Also schrauben wir weiter alles ab, was geht. Eine Madenschraube gibt dabei auf und muss aufgebohrt werden. Ein anderer Sicherungsbolzen will so gar nicht weichen und ist von einem Plastikgehäuse geschützt. Nicht mehr lang, denn das zerbricht bald. Der aufmerksame Leser merkt schon: die Stimmung steigt. Als wir das obere Ende der Aries abnehmen wollen, bricht dann noch ein Stück Alu ab, dazu bilden sich mehrere Risse. Wo wir hinsehen entdecken wir mehr und mehr Haarrisse im Alu. Das heißt nichts Gutes. Letztendlich scheint es das Todesurteil für unsere Selbststeueranlage zu sein. Schweißen ist nur bedingt möglich, die Firma selbst gibt es nicht mehr, Ersatzteile also auch nicht. Und an die Achse sind wir bislang immernoch nicht gekommen. 

Wir brechen das Unternehmen Aries ab. Übermäßig frustriert über den Ausgang. Eine neue Selbststeueranlage zu kaufen geht in die Tausende und bedeutet vor allem: die nächsten Wochen auf dem Trockenen bleiben. Das passt uns gar nicht in den Kram. Wir klappern hier also alle Leute ab, die wir kennen, ob jemand vielleicht zufällig eine Selbststeueranlage übrig hat und sie loswerden möchte. Leider werden wir nicht fündig, es wird uns nur bestätigt, dass es extrem schwierig ist, das gegossene Alu zu schweißen. Ob sich der Aufwand überhaupt lohnen würde ist auch fraglich, da das ganze Material angegriffen scheint und wir wohl immer im Hinterkopf hätten, das bald etwas kaputt gehen kann. Nun, immerhin. Besser hier auf dem Trockenen, wo kein Wasser ins Boot laufen kann, wo die Versorgung gut ist und alle wichtigen Ansprechpartner sind direkt ums Eck. Zeitdruck haben wir auch keinen, frustrierend ist es trotzdem. Wir werden uns morgen also zur Achse Vorarbeiten und sehen, was wir tun können. Vielleicht kann eine Reparatur noch durchgeführt werden, vielleicht müssen wir uns etwas anderes ausdenken, bzw. in eine neue Selbststeueranlage investieren. Denn ohne ist keine Alternative.

Die Aries ist gestorben. Die abgebrochene Aufnahme ist rechts zu sehen

Kategorien:Portugal, Umbau

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