Go with the flow

Nach einem weiteren tollen Segeltag gestern sind wir wohlbehalten in Porto angekommen. Das Sonne schien mit voller Kraft, herrlicher Wind (diesmal aus der richtigen Richtung!) und zwei kurze Delfinbesuche haben uns den Tag versüßt.

Liana hat sich während ihres Camino leider irgendwie einen Muskel im Oberschenkel verrenkt, so dass sie nur langsam laufen kann und manchmal „Startschwierigkeiten“ hat, nach langem sitzen wieder loszulaufen. Heute morgen jedoch kam sie kaum vom Boot runter, so dass wir im Büro der Marina nach einem Masseur fragen. Netter Weise hat die Dame im Büro direkt dort angerufen und einen Termin für 14.00 Uhr ausgemacht. Abholservice für uns alle vier gleich inbegriffen. Um kurz nach zwei sind wir also alle in das kleine Auto gekrabbelt. Der Massagesalon hat auf uns einen guten und vertrauenswürdigen Eindruck gemacht. Liana sollte für 1,5 Stunden massiert werden. Der nette junge Mann hat uns drei darauf hin gleich in die Innenstadt gefahren und mit Tipps ausgestattet, wo die besten Bars und Restaurants sind. Zusätzlich drückt er uns mit seine Karte in die Hand mit dem Kommentar:“Ruft an, wann und wo ich Euch wieder abholen kommen soll. Ich fahr euch dann wieder zum Massagesalon.“ So einen Service mit so viel Selbstverständnis sind wir nicht gewöhnt und sind daher super beeindruckt. Schnell finden wir ein nettes Restaurant, in dem wir die Spezialität von Porto probieren: Toast mit Rind, Schinken und Wurst belegt und zusätzlich mit Käse überbacken. Wer will, kriegt dazu noch Pommes. Klingt zugegeben nicht sehr verlockend, schmeckt aber richtig gut! Wir drehen noch eine Runde durch Gaia (so heisst der Ortsteil auf der anderen Seite des Flusses) und rufen beim Massagestudio an, als die anderthalb Stunden rum sind. Dort erklärt uns Liana, dass die Masseuse meint, dass etwas mit ihrer Hüfte nicht in Ordnung sei und sie deshalb zum Röntgen müsse. Sie wäre in zwei Stunden wieder beim Boot.
Hui. Da waren wir dann doch besorgt. Liana lehnt unser Angebot, sie zu begleiten, dankend ab. So wollen wir also in zwei Stunden wieder beim Boot sein. Wir schlagen die Zeit tot, indem wir über einen netten Markt laufen und noch ein Radler trinken. Wir beschließen, zu Fuß zur Marina zurück zu laufen. Als wir fast da sind, sehen wir Liana in einer Bar sitzen. Sie winkt uns zu. Die Masseuse Catherine hat sie kurzer Hand direkt zum Krankenhaus gefahren, ihr nebenbei ihre Lebensgeschichte erzählt und eine kleine Sightseeing Tour durch Porto gegeben. Das Röntgen kostet 22 Euro. Nach dem röntgen wurde Liana auch gleich wieder zur Marina zurück gefahren. Wir können kaum glauben, wie nett die Menschen hier sind. Für morgen wurde direkt wieder ein Termin vereinbart für eine weitere Massage mit Hol- und Bringservice. Während Liana derweil die Massage erhält, will Catherine die Ergebnisse der Röntgenaufnahme abholen. So viel Freundlichkeit auf einen Haufen habe ich noch nie gesehen. Als wir langsam durch die kleinen Gassen zu unserem Boot zurück laufen, versuchen ein paar Einheimische gerade eine riesen Steinplatte aus einem Auto zu hieven. Kurzer Hand packen unsere zwei Jungs mit an. Schwupps die Wupps ist das echt schwer aussehende Ding aus dem Auto auf die nächste Bank gewuchtet. Als Dank erhalten wir alle vier ein Bier in der nebenan liegenden Kneipe. Klasse. Plötzlich meldet sich mein Handy. Unsere englischen Stegnachbarn aus Viana do Castelo melden sich. Sie sind im nächsten Hafen angekommen und wir vereinbaren ein Treffen für morgen nachmittag.
Den Tag lassen wir gemütlich im Cockpit ausklingen. Da es Michael so gut gefällt bei uns auf dem Boot, bieten wir ihm an, dass er länger bleiben kann. Er hat gerade eh quasi nix zu tun. Wir müssen klären, wie und ob sein Visa für die EU ausreicht, um uns eine Weile begleiten zu können, aber soweit wir Infos besorgen können, dürfte das kein Problem sein. Seine Mutter und sein Vater sind beide begeistert und drängen ihn fast, auf das Angebot einzugehen. Uns würde es wirklich freuen.

Wir gehen mit dem Flow, handeln nach unserem Bauchgefühl. Wir fühlen uns sehr wohl mit den beiden und können kaum glauben, wie viele Zufälle zusammen gekommen sein müssen, dass wir Michael alias Prinz Charming auf dem Camino treffen und uns so gut verstehen, dass ihn und seine Mutter einladen, zu uns an Bord zu kommen. Offensichtlich soll es so sein, denn es fühlt sich genau richtig und gut an. Wir werden also weiterhin dem Bauchgefühl folgen. Wo auch immer es uns hinführt 🙂

Kategorien:Portugal

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.