Happy Valentines Day oder: Ihr müsst hier weg. Sofort!

Wie allzu oft passiert ja lange nichts und dann alles auf einmal. Am Sonntag ist Valentinstag und wir haben uns überlegt, bei dem schönen Wetter draußen zu frühstücken. Vorher will ich mich und eine Maschine Wäsche waschen. Dazu soll es frische Brezeln geben. Den Teig habe ich schon am Vortag angesetzt, dann ist es weniger Zeitaufwändig. Während ich also in der Dusche stehe, hupt einer recht nah an uns. Alex geht gucken und ich höre ihn mit jemandem reden.

Das waren die Pilotos mit der Aussage: „Ihr müsst hier weg. Sofort!“ Offenbar will irgendwas Großes rein und wir sowie sieben andere Boote liegen mitten in der Wendeplatte. Also, anziehen, Brezelteig zur Seite stellen, Waschmaschine auch und Motor anwerfen. Als Alex das tut dreht die Maschine direkt in hoher Drehzahl und will sobald nicht runter kommen. Das geht vielleicht 30 Sekunden so wobei der Auspuff qualmt wie Bolle, dann dreht die Maschine wieder auf Normaldrehzahl und geht kurz danach aus.

Gar nicht gut. Alex springt fluchend in den Motorraum und beginnt, das Problem zu suchen. Klar, die letzten Wochen haben wir Maschine und Generator immer wieder problemlos laufen lassen, jetzt ist der Wurm drin. Michael ist der erste, der den Anker oben hat und sich ein neues Plätzchen suchen geht. Dann folgt ein holländisches Schiff, bei den anderen Booten ist zumindest schon mal Leben zu sehen an Deck.

Während Alex die Maschine befragt, räume ich weiter auf und um. Alex versucht nochmal, die Maschine zu starten. Aber sie orgelt nur. Es geht einiges hin und her. Mit Starterspray läuft die Maschine, aber sobald man aufhört mit dem Spray hört auch die Maschine auf. Sie kriegt offenbar kein Sprit.

Der Generator und die Maschine laufen aus dem gleichen Tank, also lassen wir den Generator laufen. Der springt an, läuft aber nicht sonderlich rund. Was ist da nur passiert? Keine Ahnung, aber wir müssen weg, denn der Ankerplatz lichtet sich merklich und wir liegen mitten drin in der Wendeplatte. Alex vermutet, dass Dieselpest irgendwo ihren Weg die Leitung gefunden hat und dort blockiert. (Dieselpest sind Bakterien im Diesel, die in der Wasserphase leben und bei längerem Stehen des Treibstoffs eine Art Schmodder bilden, der dann die Filter und die Leitungen verstopft und dann dazu führt, dass die Maschine keinen Sprit mehr bekommt).

Daher kontrolliert Alex die Filter, aber die sind gut.

Als Notlösung hole ich einen Dieselkanister aus dem Achterschapps und Alex steckt Zuleitung und Rückleitung in den Kanister. Jetzt muss die Maschine nur noch anspringen. Durch das lange Orgeln, geht die Batterie nun langsam in die Knie. Dafür hat Alex allerdings in Weiser Voraussicht eine Brücke zwischen Starter- und Verbraucherbatterie gebaut. Der wird eingeschaltet und nach kurzem Starten läuft die Maschine endlich an.

Wir können Anker auf gehen und bewegen uns langsam auf den großen Ankerplatz zu. Dort liegen schon fünf andere. Platz ist ja genug vorhanden. Leider schwellt es noch ein wenig aus Süden in den Ankerplatz. Aber wir suchen uns recht nah am Wellenbrecher einen Platz und ankern in Ruhe.

Kaum haben wir den Anker fest, sehen wir das große Frachtschiff, dass gerade durch die Einfahrt fährt. Viel mehr Zeit hätten wir nicht gehabt. Wir wundern uns aber schon, denn genau der Frachter lag schon seit über einer Woche draußen auf Reede lag. Wir wundern uns sehr, warum der eine Woche draußen bei ziemlich Wind und Schwell liegt und dann plötzlich bei Springtide und kurz vor Niedrigwasser rein muss. Das hätten sie uns auch schon ein wenig früher sagen können, denn sie können ja nicht davon ausgehen, dass jeder immer auf seinem Boot ist, um sofort wegfahren zu können.

Die letzten zwei Booten kommen auf dem Ankerplatz an, der kleinere schleppt den großen. Da hatte wohl noch jemand Probleme. Wir setzen uns ins Dinghi und bieten unsere Hilfe an, während das Riesending an uns vorbei fährt. Wir helfen kurz zu schieben und unterhalten uns ein wenig. Das geschleppte Boot hat auch Maschinenprobleme, bzw. hat seine Maschine nicht zum laufen bekommen.

Dann endlich können uns wir uns wieder unserem Valentinstagsfrühstück widmen. Naja, es wird mehr ein Mittagessen, denn schwupps sind es zwei Stunden später.

Es schwellt in der Nacht noch ein wenig in die Einfahrt und die Nacht wird für uns ziemlich unruhig. Dazu haben wir einen steifen Levante, den Wind aus Osten, aus Gibraltar, der hier mit bis zu 7 Windstärken ankommt. Wir haben genug Platz und der Anker hält, aber an das Geschaukel müssen wir uns noch gewöhnen. Da hatten wir einen angenehmeren Ankerplatz vorher. Wir schauen mal, wie sich das ganze entwickelt. Hier gefällt es uns schon viel besser als weiter hinten im Fluss, aber das Geschaukel nervt schon. Hoffentlich wird es bald besser.

Das Frachschiff fährt ein
Der Aufbau ist so hoch wie manch ein Mast
Die Aussicht am neuen Ankerplatz ist schon schön

Kategorien:Umbau

1 Antwort

  1. Wieder was gelernt 🙂 Dieselpest. Liebe Grüße aus dem verschneiten Kleve, Natalie

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