Hello and Goodbye

Ich liege im Cockpit, der Autopilot steuert, das Boot schwankt leise und ich betrachte die Sterne über mir. So soll es sein. So hab ich mir das vorgestellt. Dumm nur, dass wir gerade wieder auf dem Weg zurück nach Portimao sind. 

Um 14 Uhr haben wir in Portimao abgelegt. Wir verabschieden uns herzlich von Dean und Denys und freuen uns darauf, wieder los zu kommen. Den Wetterbericht haben wir mehrfach geprüft, zuerst bis zum Kap wenig Wind, dann ca. 1,5 m Welle bei 4 Windstärken, über die Tage abnehmend. Strahlender Sonnenschein und kein Wind erwarten uns. Wir motoren zuerst eine Weile und machen auch eine Badepause, da das Wasser derartig tiefblau und glasklar ist, dass wir nicht wiederstehen können. Etwa 5 Meilen vor dem Kap Sao Vicente brist es auf. Das hat der Wetterbericht auch angesagt. Wir setzen das Groß direkt im ersten Reff und die Fock. Während ich steuere, nimmt Alex die Pacific in Betrieb. Nach ein paar Minuten testen sind wir zufrieden und lassen die Windsteueranlage ihren Job machen. Die Windrichtung sollte Nord sein, somit Halbwind für uns. Leider kommt der Wind etwas westlicher und somit fahren wir fast am Wind. Naja, war ja klar. Während wir dem Kap näher kommen frischer der Wind immer mehr auf und wir machen gute Fahrt. 5 Knoten, damit sind wir glücklich. Als wir aus der Landabdeckung heraus kommen, treffen uns die Wellen. Die kommen auch aus Nordwest, und sind zuerst wie im Wetterbericht vorhergesagt. Desto weiter wir allerdings heraus fahren, in den Sonnenuntergang hinein, desto mehr Wind und mehr Welle treffen uns. Von vorne. Das Boot stampft und schaukelt. Die Wellen wachsen, inzwischen sind es sicher mehr als 2 Meter, im Durchschnitt eher 3 bis 3,5 Meter. Ich bin Gottfroh, dass das Boot aus Stahl ist. Unter Deck höre ich es krachen. Was war das? Das Mückengitter unter der Luke hat sich rauschend verabschiedet und liegt nun auf dem Boden. Zusammen mit noch mehr Krempel, den wir etwas nachlässig nicht 100%ig weggeräumt haben. Mir wird langsam flau im Magen. Super Idee, die wir da hatten, nach so langer Zeit in geschütztem Gewässer ohne Wellen direkt zu so einem langem Schlag aufzubrechen. Die Sonne ist noch nicht ganz untergegangen und ich wünschte schon, die Nacht wäre vorbei. Auch Alex sieht nicht besonders happy aus, eher etwas grün im Gesicht. Als ich einmal runtergehe, um wieder etwas aufzusammeln, dass aus einem Regal geflogen ist, meldet sich mein Magen ganz stark. Ich rette mich nach draußen, beobachte den Horizont, aber es bringt nichts. Ich muss Neptun mein Mittagessen opfern. Etwaiger Dreck wird direkt von den Wellen weggespült. Alex sieht sehr besorgt aus. Er hat soeben eine gute 5 m Welle gesehen. Ich verfluche den Wetterbericht. Es geht so weiter, wie es im vergangenen Jahr aufgehört hat. Mit kämpfen. Gegenan. Auch in tieferen Wasser wird es nicht besser und so entscheiden wir uns schweren Herzens, umzudrehen. So wollen wir das nicht haben. Das Boot scheint den harschen Bedingungen wesentlich besser gewachsen als wir beide. Die neue Pacific tut ihren Dienst sehr zuverlässig. Wir wenden das Boot mit dem letzten Tageslicht. Nun kommen Wind und Welle von achtern. Schon scheint alles angenehmer. Schon allein, weil die Ankunftszeit jetzt nicht mehr 94 Stunden sind, sondern nur noch 7 Stunden. Bis wir wieder unter Landabdeckung sind, schaukelt und wackelt es zwar trotzdem noch, aber sobald wir diese erreicht haben, wird es sehr angenehm. Irgendwann stirbt der Wind und wir motoren durch die Nacht mit dem Groß als Stützsegel. Und hier liege ich nun, während Alex unten versucht zu schlafen und wundere mich, warum es nicht einfach sein kann. Der Sternenhimmel ist berauschend und sogar Meeresleuchten tritt auf. Meeresleuchten schafft bei mir immer wieder große Augen und Staunen. Es ist wundervoll. Leider in die falsche Richtung. 

Wir reduzieren die Drehzahl und kommen so im ersten Tageslicht am Ankerplatz in Portimao an. Wir finden schnell einen guten Platz, werfen den Anker und gehen bald schlafen. Es ist halb sieben Uhr morgens. Um kurz vor zehn sind wir wieder wach. Es ist Samstag und die Touristenboote erreichen den Ankerplatz mit lauter Partymusik und feierwütigen Leuten an Board. Wir fühlen uns, als hätten wir einen schrecklichen Kater. Mein Magen macht mir sehr deutlich, was er so von ganzen Sache hält. Nicht besonders viel, um es nett zu sagen. Wir bauen das Beiboot auf, gehen kurz baden und ruhen uns aus. Wir werden nun erstmal doch wieder hier bleiben und uns überlegen, was wir nun mit uns anfangen wollen. 

Goodbye Portimao

Kategorien:Portugal

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.