Hochzeitstag mit Hindernissen

Gestern hatten wir Hochzeitstag. Nachdem die letzte Woche ziemlich viel los war, haben wir nun eine ruhigere Zeit vor uns. Unsere Freunde Kurt und Helmut von der Mo haben sich dank Alex‘ Hilfe durch das Boot repariert. Ein neuer Anlasser, einige Kabel am Anlasser und der Ankerwinsch später, sowie eine neue Leitung zur Toilette, setzen die beiden Segel und fahren wieder Richtung Küste. Schließlich ist Helmut hier zu Besuch bei Kurt und hatte sich seinen Segelurlaub irgendwie anders vorgestellt, als entweder bei uns auf dem Stückle zu buddeln oder mit Kurt Boot zu reparieren.

Jochen ist mit seiner Liste der Dinge, die zu tun sind, auch soweit gekommen, dass er mal wieder Meeresluft schnuppern will. Und auch Michael mit seiner Malu zieht es nach Alvor, er will sein neues Surfequipment austesten. Innerhalb einer Woche sind se alle wech. Den Hund haben wir aber immernoch in Pflege, so dass wir uns leider nicht einfach anschließen können. Wozu ich allerdings schwer motiviert wäre, denn der Wetterbericht für die kommende Woche sagt konstant Temperaturen über 36 Grad an, sagt sogar etwas von 44 Grad. Im Schatten natürlich. Und bislang war die wirkliche Temperatur meist noch zwei oder drei Grad über der angesagten. Mir schwant schlimmes und ich möchte mich gerne an die Küste verziehen. Aber wohin mit dem Hund?

Glücklicherweise haben unsere Freunde, deren Hund wir gerade sitten eine Klimaanlage in ihre Wohnung eingebaut. Die beiden sind eh nicht da und haben uns angeboten, bei ihnen zu wohnen, während sie weg sind. Allein um die Option zu wissen, beruhigt mich schon sehr.

Nachdem wir nun hier alleine sind, haben wir uns überlegt, was wir zu unserem Hochzeitstag denn machen wollen. Letztendlich entscheiden wir uns für einen Ausflug im Dinghi bis Pomerao. Da hat es ein wohl weithin bekanntes Restaurant, dass laut Bewertungen und Hörensagen sehr gutes Essen zubereitet. Das Wetter ist wie jeden Tag überragend, die Temperatur durchaus angenehm. Tank wird gefüllt, was zu trinken mitgenommen und los geht’s.

Direkt nachdem die Tide gekippt ist, fahren wir mit auflaufendem Wasser den Fluss hinauf. Es ist spannend, mal wieder was anderes zu sehen und die Flusslandschaft hier ist wirklich außergewöhnlich schön. Wir sehen viele kleine oder große, versteckt liegende Häuser. Boote, in allen Zuständen, von kurz vor’m absaufen bis sehr gut gepflegt. Je weiter wir uns von Alcoutim entfernen, desto weniger Boote sehen wir.

Was man so sieht am Fluss

Nach etwas mehr als einer Stunde, kommen wir in Pomerao an. Das Restaurant hat auch offen. Das freut uns sehr, denn aufgrund der aktuellen Lage waren wir uns nicht ganz sicher. Zwei Tische sind besetzt. Wir sprechen die Bedienung an, Tisch für zwei? Nein, sagt sie. Keine Chance für den Rest des Tages. Alles reserviert. Sie sieht jetzt schon gestresst aus. Ich bin kurz etwas entsetzt. Zwei Tische besetzt und wir sollen jetzt nichts bekommen können?

Die Geschäftstüchtigkeit der Portugiesen ist halt anders. Und auch das Verhalten bei Tisch. Ich kenne es, dass man in so einem Fall gesagt bekommt: „Nun, der Tisch da hat in zwei Stunden reserviert, wenn ihr bis dahin weg seid, könnt ihr was haben“. Oder man zaubert noch irgendwo einen Mini Tisch herbei, an den man sich quetschen kann. Muss ja kein Schi-schi sein. Aber nein. So etwas gibt es hier nicht. Das ist auch leider das einzige Restaurant in Pomerao. Also müssen wir wieder abziehen. Ohne essen.

Zurück nach Sanlúcar, dieses Mal gegen die Strömung, die nun die höchste Intensität erreicht hat. Bis wir wieder zurück sein werden, werden wir vermutlich genau in der Nachmittagspause da sein. Die Rückfahrt dauert erstaunlicherweise nicht wesentlich länger als die Hinfahrt. Allerdings fahren wir nun genau in der Mittagshitze, dieses Mal mit dem Wind. Das heißt kaum Kühlung. Wir sammeln uns einen ordentlichen Sonnenbrand ein. Wir sind froh, dass wir unsere Sonnenhüte angezogen und genug zu trinken dabei haben.

Trotzdem sind wir ziemlich erledigt, als wir um vier Uhr wieder in Sanlúcar anlegen. Beim ersten Restaurant, dass wir aufsuchen, finden wir nur noch den Besitzer, ganz alleine. Der zwar lieb ist und in den Kühlschrank guckt, ob es uns vielleicht ne Stulle anbieten kann, aber wir winken ab. Beim zweiten Restaurant bestellen wir uns zuerst ein kühles Getränk, aber auf die Frage nach dem Menü schüttelt der Ober auch hier den Kopf. Nee, also die Küche ist geschlossen. Ich sehe mich schon selber kochen an unserem Hochzeitstag.

Ich muss einen sehr elenden Gesichtsausdruck gehabt haben, denn er macht eine beschwichtigende Geste und läuft weg. Er kommt mit den Getränken wieder und bietet uns noch an, dass wir ein halbes Hähnchen haben könnten. Nehmen wir. Er fragt noch, ob wir uns ein halbes Hähnchen teilen wollen oder jeder eins haben will. Ha. Jeder will eins.

Das kommt auch recht schnell und ist sehr lecker. Halbes Hähnchen mit Soße und ein paar Tomaten als Beilage. Ein Festmahl, so hungrig wie wir sind. Noch ein Eis hinterher und dann droht das Futterkoma uns zu erschlagen. Also, wieder ins Dinghi und ab zum Boot. Dort bewundern wir unseren Sonnenbrand gebührend und beginnen sofort zu cremen.

Ingesamt ein Hochzeitstag, der nicht ganz so lief, wie wir uns das mal vorgestellt hatten, aber doch super toll und witzig war.

Eisenerz wurde hier früher abgebaut
Schönes Haus, mit eigener Slipanlage

Kategorien:Umbau

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