Ins Schicksal ergeben

„Das klingt wie eine Horde wild gewordener Hummeln“ sagt Alex während wir am Rand unserer Boatyard stehen und der Formel 1 zugucken. Ja, richtig. Der Formel 1, nämlich der auf dem Wasser. Dieses Wochenende wird hier in Portimao am Fluss eines der Rennen ausgetragen, mit großem Tamtam drum herum. Eigentlich mache ich mir so gar nichts aus Leuten, die entweder mit Autos oder eben mit Booten stumpf im Kreis fahren, aber George (bisher habe ich ihn Hulk Hogan genannt) hat die Fahrer in seinem Hotel kennen gelernt und konnte zwei Karten für den Backstagebereich abstauben. Am Samstag sollte das Qualifying stattfinden und so sind George und ich über die Brücke ins Fahrerlager gelaufen und konnten einen guten Einblick bekommen. Viele Kameras, die nach Fernsehen und Reportern aussehen sind vor Ort. Da es aber noch Recht windig ist und diese Boote keinen Tiefgang besitzen wird das Qualifying verschoben. Überhaupt bereitet sich die Stadt auf den 25 April vor. Hier der wichtigste Feiertag im Jahr. Sie feiern die unblutige Revolution und damit die Befreiung von der Diktatur. Eine Art Unabhängigkeitstag in Portugal, mit viel Partys, eben der Formel 1 auf dem Wasser und Konzerten. 

Da es von der Front der Bootsreparatur leider nicht viel erfreuliches zu berichten gibt, vertreiben wir uns die Zeit mit grillen, plaudern und uns unserem Schicksal ergeben. Die Dame in England, so ziemlich die Einzige weltweit, die noch Ersatzteile für unsere Aries verkauft ist seit Ostern nicht zu erreichen. Weder über per Telefon, per E-Mail geschweige denn das sie auf unsere Nachrichten auf ihrem Anrufbeantworter antwortet. Das Einkleben des Echolots und des Auspuffs zögert sich auch jeden Tag weiter heraus, da entweder hier eine Schraube oder Mutter fehlt oder der Wind so ziemlich jedes Arbeiten am Boot zunichte macht. Durch die Straße von Gibraltar weht immer ein starker Wind (entweder rein oder raus), dieser betrifft uns hier aber normalerweise nicht, da wir weit genug entfernt sind. Von Mittwoch bis Freitag aber war der Wind auch bei uns zu spüren und zwar mit bis zu 7 Windstärken. Hier auf dem Trockendock stehen wir gut und sicher, trotzdem wackelt das Boot in dem Wind gewaltig, so dass ich zwei Nächte hintereinander nur bedingt geschlafen habe. Aber es ist ja nicht so, als hätten wir Termine oder im Moment gerade arg viel zu tun. Wir haben unsere Bilgenpumpe neu verlegt, die Pinne neu gestrichen und sind froh um die neuen Freunde, die wir hier gefunden haben. 

Formel 1 Rennboote auf dem Trockenen

Während des Rennens

Wenn wir nicht arbeiten können, so gehen wir halt eben essen

Kategorien:Portugal, Umbau

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