Jakobsweg – Pontevedra nach Caldas de Reis

Um acht Uhr morgens stehen wir wieder mit Rucksack auf dem Jakobsweg. Pontevedra ist uns nicht sonderlich sympathisch, schon allein weil es weit und breit keine Chance auf einen guten Kaffee gibt. Schlecht. Ohne Kaffee am morgen sind weder Alex und ich kaum zu gebrauchen. Nachdem wir aus der Stadt raus sind, halten wir kurz an, um uns einen Instant-kaffee zu brühen. Die Sonne scheint zwar schon auf uns, aber die Bank aus Stein ist trotzdem ziemlich kühl am Popo, so dass wir sehr bald wieder zusammen packen und weiter laufen. Die heutige Etappe hat 22 km, von denen wir beim Kaffee gerade 3 hinter uns gebracht haben. Nach weiteren 3 km zerrt der Rucksack derartig an meinen Schultern, dass ich am liebsten direkt noch eine Pause eingelegt hätte. Aber so kommen wir nie ans Ziel. Also beisse ich mich durch, bis wir bei Kilometer 10 an eine kleine liebliche Bar kommen, deren Terasse draußen unter Weinreben wunderschön gelegen ist. Wir gönnen uns einen gescheiten Cappuccino und ein Brötchen. Brötchen für Pilger. Soll heißen, wir kriegen jeweils ein halbes Baguette dick belegt mit Käse und Schinken vorgesetzt. Das beste daran ist, dass wir uns eh so viel bewegen, dass wir essen können, was wir wollen.

Nach einer halben Stunde Pause geht es weiter. Nach nur 15 Minuten könnte ich den Rucksack am liebsten wegwerfen, so sehr tun mir heute die Schultern weh. Da hilft auch der Schal nicht mehr viel. Als wir bei Kilometer 16 angekommen, bitte ich um eine kurze Pause, wobei Alex kurzentschlossen meinen Rucksack schultert und seinen eigenen Heldenhaft vor die Brust spannt. So kann ich einen ganzen Kilometer ohne Gepäck laufen. Eine wahre Wohltat. Als er mir den Rucksack wiedergibt, ziehe ich erst kurz seinen auf. Der ist eigentlich genauso schwer, sitzt aber viel besser, so dass ich das Gewicht kaum spüre.
Klarer Fall, mein Rucksack ist falsch eingestellt. Das muss sich ändern. Ich spanne das Ding etwas höher und kriege etwas Entlastung. Circa 3 Kilometer vor unserem heutigen Etappenziel, legen wir doch nochmal eine Pause an einer wunderhübschen Alberge ein. Die hat einen riesen Garten mit Hängematte und wirklich großen Portionen zu essen zu echt guten Preisen. So geht schnell eine Stunde ins Land, bevor wir weiter ziehen. Schnell sind die letzten Kilometer auch gewandert und wir beziehen unser Zimmer.
Erledigt sind wir. Beide. Sobald wir nach fünf Minuten sitzen aufstehen, staksen wir durch die Gegend wie der sprichwörtliche Storch im Salat. So cremen wir am Abend wie die Wilden Füße und Beine ein und hoffen auf Wunderheilung über Nacht.
Heute haben wir Halbzeit erreicht. Mehr als 50 km haben wir nun geschafft. Noch zwei Tage pilgern und wir kommen planmäßig in Santiago de Compostela an. Den Abend verbringen wir mit essen und Hörbuch hören. Jeden Abend fallen wir völlig erledigt ins Bett und das auch immer früher. Trotz allem denke ich, dass wir stolz auf uns sein können. Denn schließlich haben wir die letzten Jahre so gut wie nur damit zugebracht, am Boot zu schrauben und kaum eine sportliche Ertüchtigung kam uns sozusagen dazwischen. Wir halten durch und werden die letzten Kilometer auch noch schaffen.

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Frühstück unter Weinreben

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Der heutige Weg

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Mittagessen bei einer tollen Alberge

Kategorien:Portugal

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