Jakobsweg Tag 2 – Redondela nach Pontevedra

Heute morgen klingelt um sieben Uhr der Wecker, nach einer eher unruhigen Nacht quälen wir uns aus dem Bett. Unten im Erdgeschoss sind schon alle wach und machen Krach. Schnell machen wir uns fertig und stehen bald gestiefelt und gespornt um Acht morgens auf dem Jakobsweg. Die Beine und Schultern fühlen sich noch etwas müde an, aber wir laufen uns schnell ein.
Die Sonne scheint vom Himmel und wir kommen gut voran. Nach den ersten Kilometern gönnen wir uns einen Kaffee in einer kleinen Bar. Zwei Cappuccino mit Keksen kosten hier 2.40 €. Klasse. Wir laufen mal an der Straße, mal durch nette Wäldchen. Der Weg heute ist toll. Unsere Mittagspause verbringen wir etwas abseits des Wegs am Strand. Alex hält die Füße ins Wasser. Am Wegesrand treffen wir hin und wieder fliegende Händler, die die Jakobsmuschel für 1 € verkaufen. Quasi das Erkennungszeichen für Pilger. Wir beugen uns dem Gruppenzwang und kaufen auch so eine Muschel. Mit einem kleinen gelben Pfeil auf der Muschel, so einen wie sie uns den ganzen Tag begleiten, um uns den rechten Weg zu weisen. Diese gelben Pfeile sind schlichtweg überall zu finden. Auf Mülleimern, auf der Straße, an Hauswänden und auch vor Straßenschildern machen sie nicht halt.

So ziemlich jeder, der uns begenet wünscht uns „Buon Camino“, der offizielle Gruß auf dem Jakobsweg. Alle sind uns gegenüber extrem freundlich, hilfsbereit und sehen über mein gebrochenes Spanisch aus Schulzeiten hinweg. Irgendwie klappt die Verständigung, auch dank des Lexikons, dass ich mit dabei habe. Heute treffen wir wesentlich mehr Pilger als gestern. So zählen wir zwischenzeitlich 16 Pilger, die wir sehen auf dem Weg. Interessaner Weise laufen 95% der anderen Pilger mit Daypacks – so kleinen Rucksäcken, dass dort nur Wasserflasche und Fotoapparat reinpassen können. Davon haben wir gelesen. Man kann als Teil einer Gruppe seinen Rucksack zur nächsten Alberge mit dem Auto fahren lassen, während man selbst gemütlich mit dem Tagesrucksack hinterher laufen kann. Das erleichtert so eine Tagesetappe schon gewaltig, denn weder die Strecke noch der Weg selbst sind arg anstrengend, aber eben 11 oder 12 kg Rucksack mitzutragen, die an Schultern und Knien zerren, machen  den Weg durchaus anstrengend in der spanischen Sonne. Und irgendwie scheint ein bisschen Leiden dazu zu gehören zum pilgern. Ob es der ursprüngliche Plan hinter so einer Pilgerreise ist, eher zu spazieren als zu pilgern, wissen wir nicht. Ob wir selbst den Pilgergeist treffen wissen wir auch nicht. Vermutlich sollte man dazu den ganzen Weg laufen. Also mehr als eben nur die letzten 100 Kilometer, aber dazu haben wir dieses mal nicht die Zeit.

So laufen wir und laufen wir, machen zwischendurch Pause um zu trinken und zu essen. Das ist immer gut, bedeutet doch alles was ich esse und trinke, dass ich es nicht mehr durch die Gegend tragen muss. Zumindest nicht auf meinem Rücken. Meine Schultern melden sich regelmäßig, dass sie weh tun. Etwas Milderung bringt mir mein Schal, den ich rechts und links unter die Träger spanne. Nach jeder Pause muss ich mich erst kurz einlaufen. Gewöhnt bin ich solche Anstregnung nicht mehr. Solange der Weg schön ist, läuft es sich aber ganz hervorragend. Nach 18 km kommen wir an die Stadtgrenze von Pontevedra. Dann führt uns der Weg noch gute 1,5 Stunden an der Straße entlang. Das Laufen auf Asphalt, während die Autos an einem vorbei sausen ist extrem anstrengend. Dafür sind unsere Wanderschuhe nicht entwickelt worden und die Monotonie trägt dazu bei, dass sich die Ermüdung mehr und mehr bemerkbar macht. Ich werde zwischenzeitlich doch wehleidig, aber da Alex flotter als ich unterwegs ist, bleibt mir Gott sei Dank keine Zeit zum jammern.
Wir haben Hunger und biegen in eine Pizzeria ab, essen eine leckere Pizza und machen uns auf dem Weg zu unserem Hotel. Das haben wir gestern über das Internet gebucht. Guter Preis, gute Lage in der Nähe eines Flusses und nah am Camino. Als wir über die Brücke laufen sehen wir ein doch sehr abgerocktes Gebäude, da wo das Hotel stehen soll. Ich wundere mich. Auf den Bildern gestern sah alles ganz toll aus. Aber ich kann mich auch beim besten Willen nicht daran erinnern, ob Bilder von der Außenseite des Gebäudes dabei waren. Wohl eher nicht, denn an das schäbige Bild könnte ich mich sicher erinnern. Wir gucken uns zweifelnd an, aber gehen in das Gebäude.
Wir staunen! Drinnen ist es sauber, hell und eine nette Dame am Empfang gibt uns den Schlüssel. Das Zimmer hält auch, was die Bilder versprochen haben. Merke: lasse dich nicht nur vom Äußeren leiten, das täuscht oft.

Nun entspannen wir die müden Glieder, die uns heute über 22 km getragen haben. Morgen geht es weiter. Wir haben festgestellt, dass wir uns besser fühlen, schon ein Zimmer sicher zu haben und buchen im voraus für morgen. Auch geben wir gerne etwas mehr Geld aus und schlafen dafür in einem Doppelzimmer, als in Gemeinschaftsschlafzimmer mit 6 oder mehr Betten. So haben wir für morgen auch ein nettes Hotel herausgesucht. Abends hören wir Hörbuch, Hape Kerkeling, der seinen Weg auf dem Jakobsweg beschreibt. Er ist damals allerdings von Frankreich aus gestartet. Trotzdem finden wir es spannend und irgendwie passend.

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Wanderschatten

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Pilgerwand mit den offiziellen Pilgermuscheln

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Pilgermuschel

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Pilgermuschel

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Mittagspause im und am Wasser

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Auch die Rucksäcke kriegen Pause

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Pilgerweg

Kategorien:Portugal

1 Antwort

  1. mit wachsendem Interresse lese ich Eure Kommentare über den Trip den Ihr Euch vorgenommen
    habt.Bei einem Urlaub auf Rhodos haben wir auch eine grosse Anzahl an Delphinen gesehen und
    ich kann mir das jedoch vom Boot aus noch viel interessanter vorstellen.
    Für die weitere Reise alles gute der Cousin Dieter Münchinger.
    Schiff ahoi…..

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