Jeden Tag zwei Probleme

Am Dienstag kommt uns Nichos besuchen, unser Freund aus Athen. Er hat sich etwas Zeit genommen und möchte eine Weile mit uns zusammen segeln. Wir haben einen ruhigen Tag und Abend zusammen, an dem wir die Landschaft genießen. Am Mittwoch dann geht es weiter. Wir wollen raus ins Ionische Meer und haben uns Homer’s Insel Ithaka ausgesucht. Das Ziel heisst Frikes.

Wir gehen Anker auf und fahren zurück durch den schmalen Kanal. Kaum sind wir aus der Abdeckung draußen, sehen wir den Wind und freuen uns, dass wir segeln können. Das Großsegel geht zur Abwechslung sehr gut und ohne Dreher aus der Rolle, schön. Dann die Genua. Die tut sich heute sehr schwer. Nichos geht nach vorne und sucht den Fehler. An der von Super-George genralüberholten Genuarolle gibt es vier Schrauben, drei davon sind lose. Eine kann man so per Hand herausziehen. Das soll wohl nicht so sein. Na toll. Die Jungs ziehen also die Fock aus der Bugkabine und wir segeln so weiter. Die ist aber recht klein und wir machen kaum Fahrt. Auch können wir so den Kurs kaum halten. Also, nicht mal annähernd. Das zweite Vorsegel wird ausgepackt und hochgezogen. Die Fock ist größer, aber ihr fehlt einiges an Liebe. Sie muss genäht werden. Alsbald nimmt der Wind ab und die Wellen gewinnen wieder. Die vor nicht allzu langer Zeit hochgezogene Fock wird nun wieder eingepackt und motoren ein Stück. Da wo gerade laut Vorhersage vier Windstärken herrschen sollten, finden wir noch nicht mal ein laues Lüftchen. Naja, zumindest keine Wellen die nerven. Nach ein paar Meilen regt sich doch etwas Wind und die Herren sind nicht verzagt, und packen das dritte Segel aus. Der Gennaker wird gesetzt. Damit geht es herrlich voran und wir kommen schneller vorwärts als gedacht. Noch vor der Dunkelheit erreichen wir Friskes. Ein schnukeliger kleiner Hafen, der leider mit 6 Booten proppenvoll ist. Wir legen an der nach Osten ungeschützen Mole an, wohlwissend, dass der Wetterbericht in der Nacht viel Wind und Welle aus Osten angesagt hat. Einen kurzen Spaziergang später fallen wir alle erledigt ins Bett.
Um zwei Uhr Nachts wache ich, weil das Boot tanzt und ruckelt, an den Leinen zieht und offenbar alles doof findet. Treffpunkt Cockpit fünf Minuten später. Alle drei stehen wir an der Pier und begucken uns das bockige Schiff. Allerdings sind die Bewegungen noch okay und wir bewegen uns zwar auf und ab, aber rucken kaum in die Leinen ein, auch die Fender sind recht unbenutzt. Was können wir schon machen? Also legen wir uns wieder hin und hoffen das Beste. Um vier Uhr kann ich endlich einschlafen. Um sechs ist Alex wieder wach. Das Geschaukel scheint etwas nachgelassen zu haben.
Wir gehen um neun noch schnell im Mini-Market des Dörfchens einkaufen, dann sehen wir uns das Elend an. Das arme Boot hüpt immeroch, so kann keiner eine Schraube an der Genua reparieren.
Also überlegen wir uns ankern zu gehen in einer geschützen Bucht etwas außerhalb. Hier sind die Ankerbuchten allerdings anders als wir es gewohnt sind. Sehr schnell sehr tief abfallend. Wir müssten quasi direkt vor dem Strand ankern, und sobald sich der Wind drehen sollte, sitzen wir auf. So beschließen wir eine Bucht weiter zu fahren nach Kioni. Gegen die Welle stampfen wir ganz schön ein, aber das Deck bleibt trotz knapp zwei Meter Welle trocken.
In Kioni ist es typisch Mittelmeer, man schmeißt seinen Anker und geht mit dem Heck an die Pier, macht dann mit Leinen dort fest. Dieses Manöver haben wir noch nie gefahren und nun gleich mit drei bis vier Windstärken von der Seite haben wir alle etwas erhöhten Puls. Die schon ansässigen Segler sind hilfreich und stehen parat, aber sobald Alex den Rückwärtsgang einlegt, behindert der Schalter das Steuerrad. Kein Steuern mehr möglich. Wer hat sich den Quatsch ausgedacht?
So geht es jedenfalls nicht. Wir gehen mit vereinten Kräften der Segler an Land an der einzigen Pier längsseits, die im Sommer für Touristenfähren vorbehalten ist. Jetzt bei dem Wetter will wohl kein Tourist her. Also liegen wir sicher und ruhig.
Alex macht sich sofort daran, den Gashebel zu kürzen. Der wird kurIMG_1227zer Hand abgesägt. Jetzt können wir in Ruhe an der Genua arbeiten und uns ein neues kleines und wunderhübsches Örtchen angucken.

Kategorien:Griechenland

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