Keine Lust zu arbeiten?

„Immer noch keine Lust zu arbeiten?“ fragt mich meine Oma in unserem letzten Telefonat. Das blieb irgendwie hängen. Natürlich möchte sie und unsere Familie, dass wir uns öfter sehen. Welche Oma will das nicht? Gut, die letzten Wochen seitdem wir in Portimao sind, sind sehr relaxed verlaufen. Was wir uns auch bewusst gönnen, da wir bald im Oktober das Boot aus dem Wasser kranen werden und dann fängt der Spaß wieder so richtig an. Die Liste der Dinge, die zu tun sind ist so lang wie mein Arm. Das fängt an beim Unterwasserschiff, es abschleifen und neu streichen. Vorher einige der toten Seeventile herausnehmen und zu machen. Klingt einfach? Ist es langwieriger Job. Das Deck muss neu gestrichen werden, Motor und Elektrik wollen Aufmerksamkeit und wir haben neue Solarpanele bestellt, die sollen angebracht und angeschlossen werden. Das System des Großsegels gefällt uns noch nicht so ganz, da es einfach zu lange dauert, es gescheit wieder einzurollen. Das Vorstag soll kürzer, damit mehr Spannung drauf kommt. Der Baumniederholer quietscht erbärmlich, der muss überholt werden und so weiter und so fort. Um nur ein paar Punkte zu nennen. Also, Arbeit haben wir genug. Dazu kommt, dass langsam einige Leute spitz bekommen haben, dass vor allem Alex ein wandelndes Lexikon ist für Mechanik und Elektrik ist, wo doch die meisten anderen Segler eher so auf meinem „Bibi Blocksberg“ Wissensstand sind. Alex macht „hex hex“ und es funktioniert wieder. Langsam kann er da eine eigene Werkstatt aufmachen. Könnte, wenn er denn wollte.

Ich kann dafür eine Art Online Reisebüro aufmachen, denn die letzten Tage haben wir den zwei von der Dolphin geholfen, ihre Flüge nach Deutschland, ihre Abholung hier sowie den Transport zum Flughafen und ihr Hotel in Deutschland zu buchen. Die beiden sind super lieb, aber schon etwas älter und weigern sich standhaft seit Jahren überhaupt ein normales Telefon anzuschaffen. So ist es zwar netter sich jedes Mal zu sehen, wenn man was will, aber doch auch eher umständlich. Hätte ich gewusst, dass ich den Drucker so oft benutzen werde, hätte ich ihn nicht in das hinterletzte Eck gestopft.

Dann waren wir einen Tag in Monchique oben, um unsere Honigbestände wieder aufzufüllen. Der Onkel, der das macht ist ein alter Zausel, der kein Wort Englisch redet, aber gerne seinen eigenen Schnaps trinkt und ihn gerne den Touristen andreht. Wir finden den kleinen und versteckten Schuppen auch auf Anhieb, was uns sehr freut. Mehrere Gläser Honig und Medronho im Gepäck machen wir uns auf an einen Strand, der besonders toll sein soll laut Internet. Das Navi führt uns auf sehr abenteuerlichen Routen dorthin. Schnell kommen wir so nicht vorwärts aber wir sehen unglaubliche Landschaften, wodurch wir das Ausmaß des Waldbrands vor ein paar Wochen erst richtig erkennen. Schier stundenlang fahren wir durch eine Mondlandschaft, die schwarze Erde hinterlassen hat. Trotz der Zerstörung sehen wir hier und da frisches starkes Grün hervor blinken, wo die Pflanzen im Boden ihre Chance wittern und loslegen im Kampf um den besten Platz an der Sonne. Es ist absolut faszinierend zu sehen. Am Strand angekommen, ist es uns da doch nicht so genehm, vor allem weil wir den Sonnenschirm vergessen haben. Eine kurze Weile bleiben wir, dann lassen wir es gut sein und treten den Heimweg an. Uns fehlt ein wenig die Heimat und so backe ich Bretzeln und mache auch mal wieder Linsen mit Spätzle. Danke hier an das großartige Geschenk des Tupper Spätzleschabers von Micha und Kathrin. Das Ding ist von uns an Bord nicht mehr wegzudenken. Dann machen wir uns auf die Socken, Gas aufzufüllen. Nun, griechische Flaschen, portugiesische Füllstation und deutsche Adapter… Der eine oder andere mag schon heraushören, dass das Probleme geben kann. Tut es auch. Vor allem, weil die Portugiesen ihr Füllsystem geändert haben. Nun passt unser toller Adapter nicht mehr. Wir bestellen also einen neuen. Der kommt bald an und Alex fängt sofort an zusammen zu schrauben. Dann guckt er sich den Adapter an und lacht. Warum? Weil die so schlau waren und ein Rechtsgewinde auf den Adapter gemacht haben. Guten morgen! Alles, was mit Gas zu tun hat, hat ein Linksgewinde, nur eben der olle Adapter nicht. Jetzt noch eine Lösung finden, wie man rechts auf Linksgewinde bekommt und schwupps, nach zwei Wochen können wir unsere Gasflasche wieder füllen. Es ist ein Boot und dort dauert eben alles länger und ist mit mehr basteln verbunden, mehr Arbeit und mehr Denkleistung, wie man es am besten hin bekommt. Ich kann also sicher sagen, dass uns die Arbeit sobald nicht ausgehen wird.

Unterwegs zum Honigonkel

Gefunden

Wo man hin schaut, verbrannte Erde

Das erste Grün findet sich aber schon wieder

Aber es ist noch ein langer Weg bis sich die Natur wieder erholt haben wird

Kategorien:Portugal

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