Lang ist’s her, ich weiß

Lang ist’s her, ich weiß, dass ich den Blog die letzten Wochen sehr sträflich vernachlässigt habe. Dabei lag es nicht daran, dass wir nichts zu tun oder zu berichten hätten. Aber eine Weile muss ich es noch spannend machen.

Aber was haben wir in der Zwischenzeit getan? Wir sind nach einer Woche am Potoon wieder ankern gegangen. Dieses Mal haben wir Front- und Heckanker ausgebracht. 30 m Kette vorne, 20 m hinten, hält bombastisch gut, bei Strömung und Wind, bei Strömung gegen Wind und überhaupt. Das ganze hat nur einen Nachteil. Wir schwoien nicht mehr. Das heißt, wir bewegen nuns nicht mehr mit Wind und Tide, sondern liegen immer mit dem Bug in Richtung Norden. Das ist okay, weil Wind und Strömung hier sowieso nur aus Nord oder Süd kommen.

Bei Springtide aber, wenn dank Vollmond oder Neumon besonders viel Wasser hin und her wandert, nimmt der Fluss viel Bambus mit, der am Ufer liegt. Auf auflaufender Tide kann es dann schon mal sein, dass sich ein so ein Bambusstäbchen (zwischen zwei und drei Meter lang), in das Ruder klemmt. Oder besser, irgendwie in den Propeller klemmt.

Dann steckt es da fest und durch die Strömung beginnt es zu vibrieren und schlägt gegen den Rumpf. Pong, pong, pong. Mal schneller, mal langsamer, meist lauter und immer mitten in der Nacht. Da wir genau über dem Ruder schlafen, wachen wir jedes Mal davon auf. Das kann man nicht wegignorieren. Wirklich nicht. Es klappert lauter, leiser, schneller, langsamer, noch lauter, kurze Pause, richtig laut. Spätestens nach fünf Minuten will man vor Hass irgendwas in die Luft sprengen.

Schlaf ade. Also aufstehen, Kopflampe an und raus. Gut ist, wenn man den Übeltäter sehen kann. Meist steckt er ein Stück weit aus dem Wasser. Aber nicht immer. Und dann hilft nur noch wenig. Entweder baden gehen mitten in der Nacht bei 2 Knoten Strömung, die ganz schön viel Bambus und auch halbe Baumstämme mitbringt. Wenig verlockend. An Schlaf ist so aber nicht zu denken. Nicht mal annähernd.

Die erste Nacht, in der uns das passiert ist, haben wir um vier Uhr morgens die Segel gestrichen und aufgegeben. Alex hat die Bugkabine umgeräumt und ich habe aus lauter Verzweiflung einen Käsekuchen gebacken. Da muss man nicht bei nachdenken. Nun ist die Bugkabine frei und sollte das nochmal passieren, ziehen wir einfach um. Vorne kann man das geklapper ganz gut ignorieren.

Ansonsten haben wir hier schon gute Freunde kennen gelernt. Hans und Birgit von der Haipule, sind uns in den Wochen, die sie hier waren sehr ans Herz gewachsen. Dörte und Jens waren kurz hier, das Wiedersehen war herzlich und freudig. Dann gibt es noch in der neugewonnenen Gemeinschaft Jochen auf seinem Kataman 42 und die beiden von der Wanderling, Matthias und Luisa. Nicht zu vergessen, Kurt auf der Mo und Jan, dem es in Gibtraltar zu heiß geworden ist.

Zudem haben wir einen neuen Mitbewohner. Naja, mehr oder minder. Jeden Morgen um halb acht kommt ein kleiner Spatz zu uns geflogen, und trällert aus voller Kehle. Meist sitzt er auf der Dirk. Genau über unserem Fenster, das wegen der sommerlichen Temperaturen auch nachts offen ist. Herzlichen Glückwunsch, eingebauter Wecker.

Das hat man davon, wenn man Natur will. Denn kaum ist Heinrich da und erzählt uns, was er geträumt und heute noch so vor hat, antwortet der Esel der an Land steht mit lautem IAAA IAAA, IAAAAAAA… wer dann noch nicht wach ist, kriegt Hühner, Hähne und Schafe.

Nun, wenn ich mir das so durchlese, klingt es, als ob es grausam wäre. Ist es nicht. Ganz im Gegenteil. Es ist herrlich. Man ist noch nicht am Arsch der Welt, aber man kann ihn von hier aus sehen. Die Menschen hier sind außerordentlich freundlich, heißen einen Willkommen und freuen sich, das man da ist.

Die Granatäpfelbäume wachsen direkt am Wasser, im Herbst muss man sie nur noch pflücken. Feigenbäume, die keiner erntet und viele Kleinbauern, die nicht mehr wissen, wohin mit ihren Orangen, Zitronen und Zucchini. Das Wasser hat lauschige 23 Grad Badetemperatur und es weht eigentlich immer ein laues oder auch mal starkes Lüftchen. Es ist wunderbar warm, ab und an zu warm auch jetzt schon. Aber dann gehen wir einfach baden. Das Wasser ist ja nicht weit weg.

Nachts sieht man unfassbar viele Sterne, weil keine Städte in der Nähe sind. Mal abgesehen vom trällernden Heinrich und dem Esel ist es einfach ruhig. Es gibt eine Straße und auf der fährt vielleicht drei Mal am Tag ein Auto. Wenn wir wollen sind wir mit dem Roller aber trotzdem in 20 Minuten an der Küste, wo größere Städte warten, erkundet zu werden und das blaue, glitzernde Meer einen zum baden einlädt.

Worüber soll man sich dann noch beklagen?

Kleiner Gecko auf der Hand
Abendrot – die Idylle ist kaum zu ertragen 😃
Pizza backen bei Freunden
Da liegt sie, sicher an Bug und Heckanker
Ein frohes Wiedersehen mit Dörte und Jens

Kategorien:Umbau

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