Lasset die Spiele beginnen

Seit drei Tagen sind wir nun auf dem Trockenen und haben so viel und doch irgendwie nichts gemacht. Wie zu erwarten war, haben wir auch mehr Probleme gefunden, als wir dachten. Aber ist das nicht immer so?
Den ersten Tag haben wir nicht viel zuwege gebracht, aber da mussten wir uns erstmal einrichten, Strom anschließen, Wasserableitungen schaffen aus der Spüle und uns überlegen, was wir als erstes tun müssen. Die Kielnaht sieht besser aus, als wir dachten, braucht aber doch noch mehr Liebe als gehofft. Der Kiel hat ordentliche Roststellen, noch sind aber viel zu viele Muscheln am Kiel, als dass man das so genau sagen könnte. Es ist schon faszinierend, wo diese Viecher alles leben können. Nachdem wir uns halbwegs sortiert haben, bringen uns Ruth und Peter ihren Kompressor und den Kärcher vorbei. Die beiden fliegen am Mittwoch für ein paar Wochen nach Deutschland und wir dürfen die Sachen derweil beaufsichtigen 🙂 Wir gehen früh ins Bett, da wir versprochen haben, sie beide am nächsten Morgen zum Flughafen zu fahren. Leider heisst das, um drei Uhr in der früh aufzustehen. Die Nacht wird nicht nur kurz, sondern leider auch ungemütlich, da ich die Mückennetze noch nicht angebracht habe und die kleinen Plagegeister uns malträtieren, so dass wir die Fenster schließen. Dann ist es aber sehr stickig und warm und wir haben nicht alle Mücken erwischt. Eine treibt immer noch ihr Unwesen und schwirrt uns beiden um die Ohren. Dementsprechend unfit stehen wir um drei Uhr auf und treffen Ruth und Peter um vier. Wir liefern sie gut ab und fahren wieder zurück. Um sechs Uhr morgens hat aber noch kein Baumarkt und nichts auf, so dass wir uns einfach wieder hinlegen. Mir fallen für zwei Stunden nochmal die Augen zu.
Um Acht stehe ich dann wieder auf und nach dem zweiten Kaffee machen wir uns auf, Baumärkte, Chinaladen, Decathlon und den Lidl abzuklappern. Als wir endlich wiederkommen, ist der Tag auch schon wieder rum. Vassil, einer der Arbeiter hier auf dem Trockendock kommt bei uns vorbei und eins der ersten Dinge, die er sagt ist, dass wir Osmose haben. Sogleich popelt er ein Loch in den Rumpf und tatsächlich, da suppt es raus und es riecht nach Essig. Dank der ganzen Muscheln und deren Überreste haben wir die ganzen Hubbel der Blasen gar nicht gesehen. Jetzt wird es also spannend. Wie schlimm ist der Befall und was können wir am besten dagegen tun?

Für alle, die es nicht kennen. Osmose befällt GFK Boote immer. Die Frage ist nur, in welchem Ausmaß. Reste des Harzes, dass beim Bootsbau vor 38 Jahren benutzt wurde ist nicht ausgedampft und zieht nun Wasser an. Das sammelt sich unter dem Lack und bildet Blasen, die mit einer nach Essig riechenden Flüssigkeit gefüllt ist. Da hilft nur, Blasen öffnen, austrocknen lassen und neu beschichten. Nun ist die Frage, wie viele Blasen wir da haben, denn ab einer gewissen Menge hilft nur noch, alles runter zu holen, das Boot bis auf die GFK Schicht „nackig“ zu machen, austrocknen lassen und dann komplett neu beschichten. Wir stellen uns nun die Frage, ob wir zu dem schlimmen Befall gehören oder nicht. Nach längerem rumstehen und reden mit unseren Nachbarn, Vassil, Denys und Bluewater stellen wir fest, dass wir durchaus zum schlimmen Befall gehören. Also, alles muss runter. Aber wie am besten? Möglichkeiten gibt es deren vieler, von Sandstrahlen, schleifen, flexen oder Tarcoo Scheibe benutzen. Da müssen wir uns erstmal schlau machen. Was dauert wie lange und was kostet das alles?

Heute dann fangen wir endlich an, wirklich was zu schaffen. Erstmals Emails schreiben an SVB und Bestellungen aufgeben. Das Bimini haben wir gewaschen und wieder aufgezogen, jetzt wird es imprägniert und ich fange an, das Deck dampfzustrahlen. Dabei kommt doch mehr Farbe runter, als ich mir so dachte. Bei vier Windstärken bläst mir das Wasser-Farbe Gemisch fröhlich ins Gesicht und bald sehe ich aus, als hätte ich die Masern in weiß. Bald wechsle ich auf Bikini Hose, denn nass bis auf die Haut bin ich eh schon. Dann kann die Hose wenigstens trocknen. Nach drei Stunden kärchern habe ich vielleicht das halbe Deck geschafft und das sieht dafür extrem gefleckt aus. Alex werkelt derweil an der Flex, die hin ist und repariert sie wieder. Nachdem wir den Dreck aus Wasser und Farbresten unter dem Boot sauber gemacht haben, testen wir einmal die Flex mit der Fächerscheibe, sind aber nicht übermäßig begeistert von dem Ergebnis.

Ruck zuck ist der Tag auch wieder rum. Nun müssen wir Hans verabschieden, der morgen früh wieder den Heimweg antritt. Es fällt uns durchaus schwer, da er schon zu unseren kleinen Gemeinschaft gehört. Aber wir hoffen, dass wir uns alsbald wiedersehen.

leicht fleckiges Deck nach der Reinigung

leicht fleckiges Deck nach der Reinigung

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es geht auch noch schlimmer

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was nicht mehr am Deck ist, klebt nun an meinem Bein

Kategorien:Portugal, Umbau

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