Lissabon die zweite oder der renovierungsbedürftige Park

Als Markus aus Deutschland hier ankommt, hat es gerade aufgehört aus Kübeln zu schütten. Die Sonne ist gerade untergegangen und ehrlich gesagt ist es kalt. Ziemlich sogar. Ihm ist es wurscht, er freut sich Urlaub zu haben. Wir haben Mitleid, dass er so olles Wetter erwischt hat. Aber da kann nun mal keiner was dran machen. Klarer Fall von isso. Den nächsten Tag regnet es auch noch fröhlich vor sich hin und wir nutzen unser gemietetes Auto, gehen einkaufen und in einer kurzen Regenpause auch mal zum Strand, wo wir die Wellen bewundern. Die Nacht wird dank Südschwell ziemlich unruhig. Aber wir haben ja keine Termine und können am folgenden Tag einfach länger schlafen. Alex bindet den Urlauber direkt mit in die Arbeiten am Boot ein. Es werden Schläuche und Kabel verlegt, die Produktivität kennt schier keine Grenzen 🙂 

Am Mittwoch aber klingelt unser Wecker früh am morgen. Wir wollen mehr von Portugal entdecken. Markus möchte gerne nach Lissabon und mit dem Auto sind es auch nur drei Stunden von hier. Es ist erstaunlich, wie lange wir mit dem Boot für die gleiche Strecke gebraucht haben. Aber da lagen wohl einfach zu viele Festivals auf dem Weg 😉 Unser erster Weg in Lissabon führt uns zum Magnum Pleasure Store. Der war beim letzten Mal als absolutes Highlight in Erinnerung geblieben und ich möchte auf jeden Fall noch eins haben. Aber: als wir vor dem Laden stehen ist der nicht nur abgeschlossen, irgendwie ist die Magnum Werbung weg und das Internet belehrt uns, dass der Laden dauerhaft geschlossen hat. Aus welchem Grund allerdings bleibt zumindest mir schleierhaft, denn am mangelndem Umsatz kann es sicher nicht gelegen haben. Wir laufen daher weiter zu einem Tipp der Schweizer, dem Time Out Market unten am Fluss. Eine große Markthalle, in der man kaufen kann, was das Herz begehrt. In der einen Halle gibt es den üblichen Markt, mit Fisch, Obst und Gemüse und einen Katzensprung weiter findet sich eine große Halle gefüllt mit kleinen Läden, die kaum einen Wunsch offen lassen. Von Sushi über Pizza bis gut angehangenen Schinken gibt es alles. Wir begnügen uns aber erstmal mit einem Kaffee. Dann klappern wir noch die wichtigen Plätze ab, die man in Lissabon gesehen haben muss, schnappen uns das Auto und fahren nach Belém. Die Pasteis de Belém gibt es noch und auch im Februar findet sich eine Schlange vor dem Laden. Wir packen uns welche ein und setzen uns im botanischen Garten um die Ecke auf eine Bank, um genüsslich zu essen. Der botanische Garten kostet zwar 2 Euro Eintritt, aber der ist im Reiseführer derartig angepriesen, dass wir es wagen. Kaum sitzen wir also auf der Bank und packen unser Essen aus, kriegen die Enten um uns herum lange Hälse und verlieren ihre natürliche Scheu vollständig. Das die Tiere mir nicht auf den Schoss springen ist alles. Auf anstupsen, wilde Armbewegungen und „Shhh shhh“ rufen reagieren die Tiere nur mit verständnislosen Blicken. Das einzige was hilft ist die Flucht nach vorne. Essen wieder einpacken und ne andere Bank suchen. Aber auch hier bleibt unser essen nicht lange unentdeckt. Diesmal waren wir aber schneller. Als die Tiere ankommen und nach Krümeln suchen, sind die Pasteis schon sicher im Magen. So! Der botanische Garten selbst, nun, machte nicht gerade den Eindruck, den der Reiseführer zu vermitteln versuchte. Markus titulierte: „Das sieht eher aus wie ein schwer renovierungsbedürftiger Park, der schon bessere Tage gesehen hat.“ Es gibt sicherlich hübsche Ecken, aber alles macht doch leider einen ungepflegten Eindruck. Als ob man den Park seit Jahren sich selbst überlassen hätte. Nun, vielleicht soll das ja auch so sein. Wer weiss. Wir ziehen jedenfalls weiter nach Sintra. Wir übernachten in einem netten Bed & Breakfast. Bevor wir uns auf die Suche nach Abendessen machen, besichtigen wir noch das Cabo da Roca. Den westlichsten Punkt des europäischen Festlands. Für das Abendessen folgen wir dem Tipp des Einheimischen Bed & Breakfast Besitzers. Eine kleine Bar, die gerade aufmacht als wir ankommen. Der Ofen muss noch geheizt werden. Macht uns gar nichts, derweil trinken wir halt schon mal was. Wir bestellen die übliche Vorspeise: Brot, Oliven, Tunfischpaste und Käse. Dazu finden wir einen weißen grünen Wein auf der Karte. Da keiner von uns so genau weiss, was das ist fragen wir. Die Bedienung kann das auf englisch nicht so gut erklären, also dürfen wir eben probieren. Der Probierschluck ist schon das halbe Weinglas voll. Gut so, denn der Wein ist super lecker. Wir bestellen also eine ganze Flasche. Alex verlässt sich bei der Bestellung auf die Empfehlung des Kellners und soll nicht enttäuscht werden. Unser aller Essen schmeckt hervorragend und wir probieren als bald auch den roten grünen Wein, der (wie uns der Kellner überzeugend erklärt) traditionsgemäß aus Suppenschüsseln getrunken wird. Aha. Ich halte das zuerst für einen gelungenen Scherz, aber die Schüsseln bleiben und der Wein ist auch super. Auch aus Suppenschüsseln. Der Abend wird immer mehr zum Erfolg. Als Nachtisch nehme ich diesmal die Empfehlung, eine Champagnercreme mit Sahne und Beeren. Alex kriegt einen Zitronenbaiserkuchen und Markus wollte nichts. Zwei Minuten später kriegen wir noch einen kreativen Apfelkuchennachtisch und eine Variante der ansässigen Käsekuchenspezialität serviert. Zwei Verdauungsliköre später lässt der Kellner dann schon einfach die Flasche bei uns auf dem Tisch stehen. Läuft bei uns. Als wir gegen neun Uhr den Laden wieder verlassen sind wir mehr als rundum zufrieden, vollgefuttert, angetüdelt und glücklich. Somit einer der besten Abende, die wir bislang in Portugal verbringen durften. 

Wer braucht schon Weingläser? Suppenschüsseln funktionieren genauso gut

Kategorien:Portugal

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.