Man muss die Feste feiern, wie sie fallen

Die meisten Geburtstage kann man ja (so rein statistisch gesehen) im Sommer feiern. Am Samstag war Jens von der Tendrel dran. Ich habe ihm einen Geburtstagskuchen gebacken und wir haben einen sehr entspannten und lustigen Abend zusammen mit der Crew der Malama verbracht.

Wir liegen schon so lange hier zusammen vor Anker, dass es sich so anfühlt, als wäre das schon immer so gewesen. Diese Freundschaften, die sich so schnell und einfach unter Seglern bilden, sind schon etwas ganz besonderes. Vielleicht und gerade auch, weil sie immer einen nahenden Abschied in sich tragen. Und Menschen, bei denen man weiß, dass man sie vielleicht bis wahrscheinlich nicht unbedingt wieder sehen wird, kann man ganz anders und viel offener gegenüber treten.

Freundschaften entwickeln sich schnell und werden auch schnell intensiv. Weil man so bald so viel Zeit miteinander verbringt. Weil wir doch alle sprichwörtlich und ganz wörtlich alle im selben Boot sitzen. Gleichwohl aber nicht im gleichen Boot. Haha.

Wie so oft auf solchen Zusammenkünften geht es recht schnell und dann sitzen die Frauen zusammen irgendwo und reden, während die Männer ein eigenes Plätzchen finden und dort in ihrer Runde über die wichtigen Themen der Welt reden. Nein, nicht Politik oder Weltfrieden. Männer schaffen es (immer wieder zu meiner Verwunderung) stundenlang über die Technik an Booten zu reden. Das fängt meistens mit Volt, Ampere und anderen Schikanen an, geht über den Motor, Windkraft, Solar und findet ehrlich gesagt nie ein Ende.

Bitte nicht falsch verstehen. Das sind die essentiellen Dinge am Boot. Ohne die ganze Technik würde die Reise alsbald zu Ende sein und ich bin gottfroh, dass Alex da so eine Ader für hat, dass er sich dafür interessiert und so lösungsorientiert ist wie er ist. Ich für meinen Teil lerne jeden Tag an Bord etwas neues dazu und habe den Anspruch, die Dinge die an Bord sind nicht nur bedienen zu können, sondern möglichst auch zu verstehen. Über Elektrik und die Maschine habe ich in den letzten Jahren unvergleichlich viel gelernt.

Alex fragt mich zwischendrin: „Du, wie viel Kilowatt hat denn unser Induktionsfeld?“ Das eine, das wir immer dann nutzen, wenn wir Landstrom haben. Meine Antwort: „Stufe 10.“ Das sind leider Dinge, die ich nicht weiß und selbst wenn ich sie weiß, sofort wieder vergesse. Wahrscheinlich macht es ihm auch gerade deshalb so viel Spaß sich mit anderen Männern über Technik zu unterhalten, denn die können nicht nur auf seinem Level mitreden, sondern durch den Austausch lernt jeder noch etwas.

Bei den Frauen geht es (entgegen mancher Erwartung) nur selten um Rezepte und putzen oder sonstige wie auch immer geartete Frauenthemen. Wir reden über Gott und die Welt und haben am Samstag dann Karten zusammen gespielt. Wirklich nie aber reden wir über den technischen Kram.

Männer und Frauen sind einfach unterschiedlich, niemand ist dabei besser oder schlechter. Es wundert mich nur und belustigt mich ein wenig, wie sehr der Urmensch dann doch wieder hervorkommt in uns, bei solchen Begegnungen. Vielleicht kommt das daher, dass man ja doch zumeist als Paar zusammen auf seinem jeweiligen Boot sitzt. Da fehlt dann auf Dauer schon mal die Möglichkeit eines „Männer-“ bzw. „Frauenabends“. Irgendwie scheinen wir das dann bei solchen Zusammenkünften nachzuholen.

Ich persönlich finde das spannend anzusehen, aber auch etwas ganz wunderbares. Denn es nimmt niemanden etwas weg, sondern gibt jedem etwas.

Gemeinsam ist es schön
Trotzdem braucht man manchmal
Etwas Zeit allein

Kategorien:Umbau

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