Manchmal hat man kein Glück und dann kommt noch Pech hinzu

Okay, das klingt dramatischer als es ist, aber ich mag den Spruch. Mittwoch morgen gehen wir Anker auf und können schon bald Segel setzen. Wir legen Kurs spanisches Festland und freuen uns über den Wind. Frisch geht es voran. Nach 15 Minuten werden wir angefunkt. Wir befinden uns wohl in einer militärischen Zone und sollen den Kurs nach Süden legen. Das wäre rückwärts fahren. Aber die Offiziellen sitzen immer am längeren Hebel und mit dem italienischen Militär wollen wir uns nicht anlegen. Also ändern wir den Kurs. Etwas vor uns segelt noch ein Boot, dass auch bald angefunkt wird. Die antworten aber nicht nach zweimaliger Anforderung. Fünf Minuten später hören wir Motoren brummen und sehen ein kleines Militärboot auf den Segler zuhalten. Schnell drehen wir noch südlicher, um ja nicht aufzufallen. Nach ein paar Minuten Diskussion zwischen Militär und dem anderen Segler dreht der auch ab. Nach fünf Meilen Süd drehen wir wieder auf West. Naja, wir wollen auf West, aber natürlich kommt der Wind genau da her. Also legen wir etwas südlicher, da soll später eh mehr Wind kommen. Wir segeln also durch einen ruhigen und sonnigen Tag. Langsam schläft der Wind ein. Gegen Mitternacht ist es dann vorbei und wir werfen die Maschine an. So motoren wir durch die Nacht, während sich langsam ein Schwell aufbaut.

Am nächsten Morgen sind die Wellen bis zu zwei Meter hoch, aber es geht kaum Wind. Wo kommt der Quatsch denn her? Wenigstens kommen die Wellen von hinten und schieben uns. Während meiner Wache frischt der Wind auf und wir können bald Segel setzen. Fast den ganzen Tag können wir segeln, auch trotz der hohen Wellen macht es Spaß. Die Sonne scheint und die Wellen schieben. Wir sind aber sehr froh, dass sie uns von achtern treffen. Alle paar Minuten kommen drei Wellen, die wesentlich höher sind als die anderen. Ich nenne sie inzwischen ‚die drei Schwestern‘. Einmal sind sie mindestens drei ein halb Meter hoch. Sehr beeindruckend sie anrollen zu sehen. Das Boot macht sich gut. Gegen Abend nimmt der Wind ab, die Wellen aber nur unmerklich. Wir werden hin und her geschubst, so dass wir die Maschine wieder brauchen. Im ganzen sind wir aber trotzdem noch nicht weit gekommen. Wir hängen immer noch 100 Meilen vor Sardinien rum. Und der Diesel wird so sicher nicht reichen, da wir mehr motoren müssen als wie dachten. Denn der vorhergesagte Wind findet uns nicht. Nur die Wellen. So entscheiden wir den Kurs nach Mallorca zu legen. Durch die Nacht wird der Schwell nicht weniger, und es schaukelt uns arg hin und her. So kann Alex kein Auge zumachen. Schlafen tun wir im vier Stunden Rhythmus in der Nacht, aber eben nicht in unserem Bett in der Achterkabine sondern im Salon. Hier ist es ruhiger was die Bewegungen angeht und die Maschine ist auch leiser. Leider hat sich im Laufe des Tages der Autopilot verabschiedet. Auch die Bremse des Steuerrads kann nichts mehr. Das Rad dreht sich einfach trotzdem. So sind wir gezwungen immer am Steuer zu sein. Das ist sehr anstrengend vier Stunden am Stück und bei der Welle noch mehr.

Alex löst mich um ein Uhr nachts ab, weckt mich aber um vier wieder, weil er einfach zu müde ist. Als ich hochkomme, um ihn abzulösen, hat sich der Himmel völlig zugezogen und man sieht quasi nichts. So ist das steuern eher versuchen nicht völlig vom Kurs abzukommen. Um sechs wird es aber langsam wieder hell, das macht es gleich besser. Wir sind nur noch 40 Meilen vor Mallorca. Die Insel versteckt sich aber in Wolken. Der ganze Himmel hat sich zugezogen, wir sehen kein Stück Land bis wir 5 Meilen davor sind.

Wie immer ist es spannend, in eine neue Bucht zu fahren. Wo ist die Einfahrt? Wie breit ist sie? Wo ist die Tankstelle und ist die Samstag Abend überhaupt besetzt? Die Einfahrt ist groß, die Bucht gut geschützt, es gibt einen guten Ankerplatz und die Tankstelle finden wir schnell. Ein gutes und schnelles Anlegemanöver fährt Alex und wir suchen jemanden, der sich verantwortlich fühlt für die Tankstelle. Nach ein paar Minuten kommt der spanische Kollege und während Alex tankt nutze ich die Gelegenheit in dem nahen Supermarkt zu verschwinden. Als ich wieder komme, wurden wir nach vorne gezogen da eine große, richtig große und schicke Yacht auch tanken will. Schnell legen wir ab und suchen uns einen Platz zum ankern. Wir schmeißen den Anker auf den einzigen Sandfleck den es gibt. Der hält beim zweiten Versuch. Wir bleiben noch eine kleine Weile wach, beobachten die anderen Boote die zum ankern kommen. Kaum berührt unser Kopf das Kissen unseres Bettes, ohne das es schwankt und brummt, sind wir beide schon eingeschlafen.

Um halb sieben klingelt schon der Wecker wieder und bei immernoch völlig grauem Himmel holen wir den Anker wieder hoch und fahren los, Richtung Formentera.

Kategorien:Spanien

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