Mertola Schlachtplan

Nach einer unruhigen und unglücklichen Nacht entschließen wir uns, den Tag damit zu nutzen, Internet zu finden. Denn da wo wir sind, haben wir noch nicht mal normales Netz und wir brauchen Informationen.

Also setzen wir uns mit Jens ins Dinghi und fahren noch weitere 3 Meilen den Fluss rauf. Hier ist es nun völlig vorbei mit Tonnen und Tiefen auf irgendwelchen Karten. So ist die Fahrt mit dem Dinghi schon spannend. Aber die Landschaft entlohnt mit schönen Ausblicken und wie hier immer, brütender Hitze. Das Thermometer klettert bis zum Nachmittag auf über 40 Grad im Schatten.

Als wir um die letzte Biegung fahren, ist Mertola zu sehen mit der imposanten Burg auf dem Berg. Es gibt einen kleinen Anleger, an dem sogar ein großer Katermaran und ein kleiner Segler liegen schon dort. Ich bin beeindruckt von dem kleinen Dorf und seinem Anblick.

Wir legen an und wollen natürlich die Burg besichtigen. Worum nur müssen die immer die Burg nach ganz oben bauen? Bei 40 Grad im Schatten laufen wir den Berg also in der Sonne hinauf und schwitzen Unmengen an Wasser aus. Der Ausblick lohnt sich allerdings.

Lange halten wir es aber nicht oben in der Sonne aus, sondern verziehen uns schnell in ein süßes Cafe. Zwei Tosta Mista und ziemlich viel Wasser später fühlen wir uns soweit gestärkt, dass wir den Supermarkt suchen gehen können.

Vorher aber überlegen wir gemeinsam, wie das Boot ohne Ruder irgendwo hin bekommen, dass es repariert werden kann. Optimaler Weise würden wir ja gerne wieder in Portimao raus, da kennen wir schon alles.

Aber wie dahin kommen? Wir fragen lieb und gucken so unschuldig wie moglich, ob die Aurelie uns schleppen kann. Zumindest den Fluss runter. Dann wollen wir versuchen mit dem Notruder der Windsteueranlage und unter zu Hilfenahme des Bugstrahlruders selbst vom Guardiana bis Portimao zu kommen. Jens und Dörte stimmen zu und wir sind froh, erleichtert und unglaublich dankbar.

So haben wir einen Schlachtplan entwickelt, ähnlich wie früher die Leute in der Burg von Mertola. Die ist strategisch so klug gebaut, dass man wirklich nicht viele Leute gebraucht haben muss, um sie zu verteidigen.

Hier wurde früher Eisenerz abgebaut und über den Fluss Weg transportiert. So sehr Mertola sonst an ein verschlafenes Örtchen im Nirgendwo des Hinterlandes anmutet, so strategisch wichtig wird es damals gewesen sein. Dann machen wir uns aber wirklich auf, um den Supermarkt zu finden.

Direkt neben dem Cafe gibt es einen kleinen Supermarkt, aber laut Internet gibt es etwas weiter einen größeren. Wir hangeln uns von Mini Schatten zu Mini Schatten. Als wir nach 15 Minuten sehr schweißtreibenden Fußmarsches ankommen, sagen uns die Einheimischen, dass der Laden Samstag Nachmittag zu hat. Aber der oben an dem kleinen Cafe, der hätte noch offen.

Tja. Also wieder zurück Marsch Marsch. Der Laden hat auch noch geöffnet, ist aber eher klein. Trotzdem finden wir alles, was wir brauchen.

Ein Eis später sitzen wir wieder im Dinghi und fahren zurück. Wieder beim Boot, kontrollieren wir nochmals ob irgendwo Wasser rein kommt. Nein, immer noch alles dicht. Alex springt nochmal ins Wasser und prüft den Sitz der Gurte und der Leine. Auch noch alles gut. Und dann noch das Bugstrahlruder. Das ist auch frei.

Die Hitze des Tages hat mir aber doch mehr zugesetzt, wie ich nun merke. Ich habe bestimmt schon vier Liter Wasser getrunken und frühe mich immer noch wie ausgedörrt. Ich muss ins Wasser. Auch wenn das 28 Grad hat. Bei 40 Grad im Schatten ist das Abkühlung.

Kaum habe ich meinen Bikini an, kommt als erstes der Portugiese vorbei, wieder mit seinem schweigsamen Neffen im Schlepptau. Fragt, wie es uns geht und was nun unsere Pläne sind. Kaum ist der wieder weg, kommen Alfredas und Aglia in einem kleinen Dinghi vorbei.

Das sind die Nachbesitzer von unserer Faith, die sich hier nieder gelassen haben. Wir hatten uns eigentlich verabredet, aber aufgrund der Ereignisse wieder abgesagt. Daraufhin sind sie spontan mit dem Dinghi zu uns gefahren um hallo zu sagen und uns Hilfe anzubieten.

Wenn wir wollten, könnten wir gerne unser altes Boot nehmen, und uns selbst schleppen. Er würde es wieder aus Portimao abholen. Oder wenn wir Urlaub bräuchten, dann sollten wir einfach für ne Woche vorbei kommen. Platz wäre genug.

Überhaupt sind die Rückmeldungen, die wir bekommen, herzerweichend lieb und mitfühlend oder unterstützende Hilfe wird aus allen Ecken angeboten. Wir sind so sehr dankbar, solche tollen Freunde zu haben.

Mertola vom Fluss aus
An der Stadtmauer
In den Gassen
Eis essen gegen die Hitze

Kategorien:Umbau

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