Nazare und Peniche

Am Sonntag laufen wir aus. Weiter in Richtung Süden. Den Weg nach Lissabon teilen wir nun auf in drei Etappen. Erst zwei gemütliche Tagesschläge nach Nazare und Peniche und dann einen längeren nach Cascais, wo wir hoffen ankern zu können.
Der Weg nach Nazare beginnt mit wenig Wind aber viel Welle. Wenig unterhaltsam, da das Segel oft hin und her schlägt. Aber ohne Großsegel rollen wir derartig hin und her, dass dies auch keine Alternative ist. So wackeln und segeln wir in fünf Stunden nach Nazare. Dort soll es zwei Häfen geben. Beide gehören wohl zu den best geschützten Häfen an der ganzen portugiesischen Küste. Klingt doch gut. Der eine der beiden Häfen wird als privat beschrieben. Als wir bei der Hafeneinfahrt anfunken werden wir prompt beantwortet. Man habe uns schon gesehen und jemand sei am Steg um uns in Empfang zu nehmen. Das ist ja mal klasse.
Wir fahren also um die Ecke. Aber an dem Hafen, an dem wir anlegen wollen steht niemand. Überhaupt sieht der nicht sehr einladend aus. Ich schaue zu der privaten Marina und sehe jemanden am Steg winken. „Ja, die Marina ist in den Büchern als privat beschrieben. Aber kommt ruhig rein. Kein Problem. “ Nach kurzem aber heftigen Hin und Her entscheiden wir uns gegen die angebotene Box und legen an der eher trostlos aussehenden Marina an. Sicherheitshalber bleibt Alex beim Boot, während mein Übersetzer (Michael) und ich loswandern, um uns beim Marina Büro anzumelden. An der Türe finden wir ein Schild, dass mitteilt, dass am Wochenende das Büro nicht besetzt ist und wir zum Haupteingang laufen sollen, um uns anzumelden. Der Weg ist beschrieben, windet sich aber um viele Ecken.
Wir laufen zuerst in eine kleine Bar und fragen. Dort weiss man auch nicht so genau, ist aber gewillt, uns die Schlüssel für Duschen und Toiletten zu geben. Wir laufen weiter zwischen Fischergaragen, Plätzen die aussehen als ob dort ewig nur Müll abgeladen wurde und alten Schiffen, mit großen rostigen Löchern sowie Booten aus denen die Natur schon herauswuchert. Was ein seltsamer Platz. Wir treffen auf drei Briten, die uns den Türcode sagen und uns wieder in eine ganz andere Richtung schicken. Nach einer halben Stunde brechen wir entnervt ab. Morgen soll es eh weitergehen.
Die Sturmschwalbe kommt eine Stunde nach uns an. Da die Briten der Pintail das Wort ‚Sturmschwalbe‘ weder aussprechen noch sich den Namen merken können, wurde sie heimlich in Sturmschnitzel umgetauft. Und wie das so mit Spitznamen ist, bürgert sich der Name schneller ein als einem lieb ist. Wir müssen aufpassen, die beiden nicht so über den Funkkanal anzurufen…
Der Abend verläuft gemütlich in einer kleinen Bar mit Wlan, wo wir schnell nochmal das Wetter für den nächsten prüfen. Dann ab in die Koje. Dank der angrenzenden Fischfabrik wird die Nacht eher unruhig. Diese wirft um zwei Uhr morgens einen (den Geräuschen nach) riesigen Generator an und ist offensichtlich ein großer Fan von Blinklichtern.

Um sieben legen wir zusammen mit der Sturmschwalbe ab. Der Weg nach Peniche ist kurz. Aber es herrscht Wind. So setzen wir die Segel und rauschen Richtung Süden. Wind und Welle nehmen beständig zu, so dass wir (ich) von Hand steuern  müssen. Das wird wirklich anstregend auf Dauer. Wenn wir den Wellenberg heruntersurfen kommen wir auf max. 7.2 Knoten. Schnell sind wir also in Peniche, wo wir zusammen mit der Sturmschwalbe die letzten freien Plätze am Steg ergattern. Da gerade Mittagspause ist, machen wir uns auch etwas zu essen, bevor wir uns bei der Marina anmelden wollen. Als wir glücklich futternd im Cockpit sitzen, kommt ein Polizist vorbei: „Hallo. Wann fahrt ihr wieder ab?“ Was eine nette Begrüßung… Er nimmt unsere Ausweise sowie die Schiffspapiere unter die Lupe, geht damit zu seinem Schiff und kommt nach zehn Minuten mit allem wieder. Das ist neu. Bislang hat sich die Polizei nicht im geringsten für uns und unser Boot interessiert. Aber gut, er läuft bei jedem neuen Schiff vorbei.
Zwei Stunden später hat auch das Marina Büro wieder geöffnet und wir melden uns brav an. Als wir wieder zurück laufen sehen wir Jan und Jule mit unserem Boot am Steg entlanglaufen. Was machen die da? Ist etwas mit unseren Leinen nicht in Ordnung gewesen? Schnell laufen wir hin. Nein, alles gut. Ein anderes Boot will anlegen und wir wurden etwas nach vorne verholt, um Platz am Steg zu schaffen. Das erste Anlegemanöver der ankommenden Yacht endet damit, dass sie eine Bavaria seitlich schrammen und dann den Rückwärtsgang einlegen, nur um gleich nochmal an deren Seite entlang zu schrammen. Sie drehen ab und versuchen es nochmal. Der zweite Versuch glückt, aber nur dank der vereinten Hilfe von fünf Mann an Deck, dem Bugstrahlruder und fünf Leuten am Steg, die das Boot abhalten. Eieiei.
Wir gehen einkaufen und gerade als wir zurück kommen, fragt ein kleiner Kat, ob sie für die Nacht längsseits anlegen können. Der Steg ist voll. Kein Problem. Alex klappt schnell das Solarpanel ein. Gute Idee, denn auch hier ist der erste Versuch nicht der Beste. Sie rammen uns fast. Während Michael und ich das Boot so gut wie möglich abdrücken, bleibt die Rettungsinsel des Kat (in Plastikverpackung) am Propeller unseres Außenborders hängen. Das Plastik gibt Gott sei Dank zuerst nach. Der zweite Versuch glückt wie aus dem Lehrbuch. Das Boot hatten wir am Tag vorher schon gesehen und wir kommen schnell ins Gespräch. Drei Leute sind an Bord. Ein britischer Skipper, seine spanische Freundin und ein Neuseeländer. Sie hatten eine recht ruppige Überfahrt von Nazare, bei der wohl auch eine Welle das Cockpit gespült hat. Sie planen, morgen bei noch mehr Wind Richtung Lissabon zu fahren. Hm. Der Skipper plant, ist wohl richtiger, da die spanische Dame offensichtlich wenig angetan ist von der Idee.

Den Abend verbringen wir zusammen mit den Sturmschnitzels, denen wir irgendwann beichten, dass Stefan sie umgetauft hat. Sie finden den neuen Namen glücklicherweise selbst super witzig.
Heute steht Stadtbesichtigung und Wäsche waschen auf dem Programm. Wir erfreuen uns der Ruhe im Hafen und warten auf die Pintail, die wohl morgen eintref

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Unsere Marina in Nazare. Dahinter die hübsche Marina

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Auf der Suche

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nach dem Hafenbüro

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Nazare's Schiffsfriedhof

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Rostprävention kann hier mal zeigen, was sie kann

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Umgekippt und liegen gelassen

fen wird.

Kategorien:Portugal

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