neue Baustellen und Auszeit

Nachdem ich unlängst unserem kanadischen Freund Dean beim einkranen seines selbst gebauten 25ft Bootes geholfen habe, war vergangenen Montag das Boot eines weiteren Freundes an der Reihe. Diesmal war es Vincents Halberg Rassy Rasmus. Eine nette 35ft Slup.
Da Vincent dieses Boot an Land gekauft hat und nach 4 Monaten Umbau das Boot erstmals bewegen wollte bat er um Beistand, dieser war in diesem Falle überwiegend moralischer Natur da er unglaublich Nervös war, verständlicherweise.
Nachdem der Rumpf das Wasser berührte und wir noch sicher in den Gurten des Travellifts hingen haben wir als erstes geprüft ob Wasser ins Boot kommt. Dies tat es an 2 Stellen. Nichts dramatisches bzw. in einem Maße dass man es erstmal erfolgreich weg ignorieren konnte.
Nach dieser dennoch ernüchternden Erkenntnis haben wir die Maschine angeworfen. Erfreulicherweise sprang diese sofort an – lief für 2 Minuten, spuckte und ging aus.
Alte Weisheit, ein Griff und die Schrauberei beginnt!
Nach weiteren 5 Minuten lief die Maschine wieder. Diesmal ca 30 Sekunden dann das gleiche Spiel.
Lange Rede kurzer Sinn, nach einer geschätzten halben Stunde hatte ich die Maschine am laufen. Wie ich das bewerkstelligt habe möchte ich hier nicht näher erläutern da ich vermeiden möchte dass diese, nennen wir es nachdrückliche Überzeugungsarbeit, unbedarfte Nachahmer findet.
Glücklicherweise hatte Vincent den Krantermin so geplant dass er vor der Mittagspause gewassert aber erst nach der Mittagspause final eingesetzt wird – so weit der Plan. Dieser, mit dem Yardmanager vereinbarte Ablauf fand leider nicht den Weg zum Kranführer. Als wir diesem dies erklärten lehnte er das kategorisch ab und gab uns unmissverständlich zu verstehen das wir uns endlich davon machen sollen.
Endlich mal wieder eine Kolumbusaktion – rausfahren und schauen was kommt!
Wider Erwarten erreichten wir die Marina einwandfrei und auch die Anlegemanöver haben sauber und problemlos funktioniert.

Da das Einkranen Montags um die Mittagszeit erfolgte war ich an diesem Tag herzlich unproduktiv was das eigene Boot anging.
Am folgenden Tag jedoch habe ich sehr früh (gegen später am Tag wird es bereits zu warm hier) begonnen zu Spachteln und Schleifen.
Als das geliebte Schleifgerät nach über einer Stunde schleifen zu schwer wurde habe ich damit begonnen am ebenfalls gespachtelten Ruder zu schleifen. Dies läuft deutlich ergonomischer auf Brusthöhe ab bzw. ganz entspannt im Sitzen. Als ich dann so vor dem Ruder stand, geschliffen habe und ein wenig gedankenverloren in die Gegend schaute, fiel mein Blick auf den sehr schmalen Spalt zwischen Skeg und Ruder. Irgendwas sah da komisch aus. Da es sich diesmal um das eigene Boot handelte funktionierte weg ignorieren so gar nicht – und ich habe es versucht.
Also Werkzeug holen und das Gesehene frei legen und begutachten. Und was sahen meine sonnengeblendete Augen – einen Riss bzw. etwas dass wie ein Riss aussieht.
Schnell wird klar das ein weiteres frei legen der mutmaßlichen Schadstelle nicht möglich ist, zumindest nicht ohne das Ruder zu entfernen.
Was fällt uns dazu ein – herzlichen Glückwünsch bzw. Jackpot.
Das bedeutet nun dass ich den Ruderquadranten entfernen muss, läuft sicher wie geschmiert der sitzt ja nur seit über einem Jahrzehnt da drauf und sieht auch kaum festgerostet aus (Sarkasmusmodus aus).
Danach muss das Fusslager bzw. dessen Bronzenieten abgeflext, die Reste ausgeschlagen und der Fuss entfernt werden.
Und um dem ganzen die Krone aufzusetzen fehlen ca. 5-10cm um das Ruder aus dem Schaft zu ziehen. Das Ganze natürlich immer mit der Möglichkeit dass es sich lediglich um einen Riss im Beschichtungssystem bzw. im Gelcoat handelt.
Da wir bereits seit Beginn unserer Reise das britische Motto leben: „If you don´t know, don´t go“
frei übersetzt: ‚Weißt Du es nicht, fahre nicht‘ hilft alles Zetern nichts.
Eigentlich ist dieses Zitat für Törns gemeint, es lässt sich jedoch auch auf viele andere Bereiche anwenden und wer will schon mit einem Boot unterwegs sein bei dem der Verdacht bzw. die Möglichkeit besteht das Ruder oder die Steuerfähigkeit zu verlieren?
Also werde ich das Ruder ziehen und mir das Dilemma genauer ansehen.
Das was wirklich an dieser weiteren Baustelle stört ist die Tatsache das es immer wahrscheinlicher wird das wir die ganze Saison auf dem Trockenen verbringen müssen und das geht, um ehrlich zu sein, gar nicht.
Aber alles Zetern bringt nichts, es ist wie es ist und wir müssen mit den Umständen leben. Nur ein weiteres Problem das es zu lösen gilt.

Da mich die Erkenntnis des mutmaßlichen Ruderschadens dennoch ein wenig Nerven gekostet hat, habe ich mir tags darauf einen Tag Auszeit verordnet und bin mit Dean kurzerhand auf einen Probeschlag mit seinem Boot gegangen. Das war ein sehr schöner Tag bei dem wir auch erfolgreich einige Probleme direkt beim Segeln herausfinden und unmittelbar beheben konnten. Dieses selbstgebaute 25ft Holzbötchen hat sich überraschen zügig und sehr handlich segeln lassen. Auf dem Rückweg hat Dean ein wenig mit seiner Navigationselektronik gespielt und ich bin mit dem Teil direkt mal durch den Ankerplatz und den Rio Arade rauf und runter gesegelt.
Als ich dann, hoch motiviert, unter Segeln in die Marina segeln wollte war jedoch Deans Schmerzgrenze erreicht – fair enough.
Nach einem entspannten Anlegebier war ich dann gegen 18h, ziemlich erledigt und mit einem ordentlichen Sonnenbrand wieder bei meinem Boot.

Heute ist ein weiterer Organisationstag um meinem Sonnenbrand ein wenig Ruhe zu gönnen und um die kommenden Tage wieder Spachteln und Schleifen zu können.
Der Rumpf nimmt erfreulicherweise immer weiter gestalt an und die Form wird zusehends besser.

Kommenden Montag ist Ursula auch schon wieder hier – dann könnt ihr Euch wieder an ihren Beiträgen erfreuen und müsst Euch nicht mehr mit meinem literarischen Ausbrüchen rumärgern 😉

Kategorien:Umbau

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