Passierschein A 38 oder die Suche nach dem Paket

Ich liebe Portugal, wirklich. Ich fühle mich rundum wohl hier. Nur, wenn es dazu kommt, seine Pakete zusammen zu suchen, treibt es mich schier in den Wahnsinn. Es erscheint mir jedes Mal so, als würde ich den berühmten Passierschein A 38 haben wollen, dabei suche ich doch nur mein Paket.

Kennt ihr die Geschichte von Asterix und Obelix, wie sie in das Haus das Verrückte macht geschickt werden, um den Passierschein A 38 zu kriegen? Es ist der normale behördliche Wahnsinn. Sie gehen rein, zur Info und verlangen den Passierschein. 1 Stock, dritte Tür rechts. Da gehen sie hin. Ja, nee, da brauchen sie erst das rosa Formular. Das kriegen Sie in Stock 7, zweite Tür links. Als sie da sind, hat der Kollege aber gerade Mittag. Schickt sie später weiter um einen Stempel zu kriegen in Stock 2, fünfte Tür links…. und so weiter. Ich denke, ihr versteht, worauf es hinaus läuft. Asterix und Obelix können das Haus das Verrückte macht nachher mit ihren eigenen Waffen schlagen.

So, als ich in Deutschland war, habe ich ein Paket aufgegeben. Das ist laut Paketverfolgung auch angekommen, aber aufzufinden ist es nirgends. Nicht im Büro, also zur Poststelle nach Ferragudo. Nee, sagt die Dame, sie habe das Paket nicht. Das sei wahrscheinlich in Lagoa. Sie ruft auch direkt dort an, aber die sind beschäftigt oder was auch immer, jedenfalls gehen sie nicht ans Telefon.

Abends gehen wir noch auf gut Glück bei Bluewater vorbei, die sich zwar freuen, mich wieder zu sehen, aber kein Paket für uns haben. Im Büro von Dave sitzt ein neuer Mitarbeiter, der schüttelt auch nur den Kopf. Nee, kein Paket für uns dabei.

Am nächsten Tag fahre ich also erstmal nach Parchal, vielleicht liegt es ja da. Die Dame dort ist sehr nett, sagt aber auch, Paket ist in Lagoa. Klasse, das ist mit dem Fahrrad dann doch etwas weit und so fahre ich zu Peter, leihe mir kurz sein Auto und fahre los. Google sei Dank finde ich die kleine Poststelle und durch Zufall direkt einen Parkplatz vor der Tür. Dort herrscht gähnende Leere, außer mir ist niemand da. Die drei Mitarbeiter unterhalten sich fröhlich als ich reinkomme.

Der Herr hinterm Schalter ist sehr freundlich. Schreibt sich die Verfolgungsnummern auf und läuft weg. Aber anstatt mir meine Pakete zu holen, kommt er mit einem Haufen ausgedrucktem Papier in der Hand wieder. Mir schwant schon nichts gutes bei dem Anblick. Die Pakete wären zugestellt worden, sagt er mir. Ob ich sie nicht bekommen hätte? Wohl kaum, sonst würde ich sie ja nicht hier bei ihm suchen… Aber egal. Er ist sehr bemüht, fragt den Postboten, seinen Chef und sucht nochmal alles ab, ob sie nicht doch irgendwo auftauchen. Aber Fehlanzeige. Ich soll meine Daten aufschreiben, der Chef würde sich später bei mir melden. Als ich zwanzig Minuten später wieder gehe, ist die Hütte voll mit Leuten, die warten. Hm, zumindest damit hatte ich Glück.

Während ich leicht genervt im Auto auf dem Rückweg sitze, habe ich eine Eingebung: Geh nochmal ins Büro. Kurz vor der Mittagspause bin ich wieder am Büro. Nee, Post wäre immer noch keine für mich dabei, sagt der neue Kollege. Ich frage ihn freundlich, ob er denn schon mal in den Briefkasten unten geguckt hätte. Da guckt er mich groß an. Der Blick sagt: „Was für ein Briefkasten?“ Er telefoniert mit Dave, der ihm sagt, dass es tatsächlich einen Briefkasten gibt und wo der Schlüssel hängt.

Gemeinsam gehen wir zum Briefkasten und siehe da: beide Pakete liegen drin und sagen nichts. Hach, all der Aufstand und die ganze Zeit waren sie hier. Egal, ich bin froh, dass sie da sind und nicht verschollen im Nirgendwo.

Kategorien:Umbau

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