Percy, der Perkinsmotor

Am heutigen Samstag hat sich unser Besucher Markus nach 2 Wochen wieder auf den Heimweg gemacht.

Lustigerweise hat er, obwohl wir nicht ein mal segeln waren, das Seglerleben hautnah miterlebt.
Einerseits lange Wege zum einkaufen, das ständige Hin- und Herräumen, die Suche nach Fehlern und deren Lösung sowie das damit verbundene Beschaffen von Ersatzteilen. Beziehungsweise das Suchen nach den Ersatzteilen.
Andererseits das sehr entspannte Herangehen an den Tagesablauf und auch an Probleme die auftreten, das gemütliche Beisammensein und die genügsame Akzeptanz dem Allgemeinen gegenüber.
Ihm hat es auch ohne segeln sehr gefallen, worüber wir sehr froh sind.

Das Segeln gehen war eigentlich fest eingeplant, aber erstens kommt es anders…
Seit einiger Zeit haben wir Probleme mit unserer 4. Diesel-Filterstufe. Diese ist sporadisch undicht. Jedesmal wenn ich eine Stelle abgedichtet habe, hat unser Percy (das ist der Name unseres Motors, Percy der Perkins) kurz daraufhin erneut an einer anderen Stelle Diesel verloren. Immer um die Motorseitig angebaute letzte Filterstufe herum. Es war nie wirklich dramatisch, es war eine überschaubare Menge die sich leicht und fachgerecht entsorgen lies, aber es war nervig.
Theoretisch hätte ich den kompletten Filterzusammenbau ausbauen können, da wir einen aktuelleren Ersatz dabei haben. Dies würde allerdings bedeuten, dass wir Änderungen an den Kraftstoffleitungen hätten vornehmen müssen. Das wiederrum hätte zur Folge, dass das von mir eingebaute System der Selbstentlüftung nicht mehr zuverlässig funktionieren würde.
Das ist schlicht inakzeptabel. Es ist ein nicht zu unterschätzender Vorteil, auf einem Boot über ein sich selbst entlüftendes Kraftstoffsystem zu verfügen. Die meisten Probleme mit Schiffsdieseln rühren faktisch von der Kraftstoffseite her, Luft im System, undicht, Dieselpest…
Da es für uns also keine Option war den verbauten Filter auszutauschen haben wir den Filter ausgebaut und komplett revisioniert. Natürlich ging das mal wieder nicht ohne Lauferei über mehrere Tage von statten.
Nachdem uns die üblichen Verdächtigen, die ortsansässigen Teilehändler und Marinedealer, mal wieder im Stich ließen, fanden wir unweit entfernt einen Bosch-Dienst. Mit dem Gedanken im Kopf „fragen kostet nichts“ sind wir rein und sahen uns um. Der Laden hat uns auf Anhieb gefallen. Die Maschinen wie auch der Besitzer mindestens 60 Jahre alt und absolute Unikate.
(Der Inhaber arbeitet mit Maschinen, die ich nicht mal ansatzweise bedienen könnte sowie an Einspritzpumpen und Injektoren vor denen es mir grausen würde, müsste ich daran Hand anlegen.)
Wir sprechen kein portugisiesch, er kein englisch – kompliziert wenn man einen technischen Sachverhalt erklären will. Nach 15 min. händischer Kommunikation mit viel Spaß und Gelächter allerseits hatten wir unser Anliegen mit Erfolg vermittelt und eine handvoll gebrauchter Ersatzteile aus dem Fundus.
Dank dieser konnte ich die Filtereinheit überholen und wieder einbauen.
Siegessicher habe ich dann noch kurz das Öl abgestochen, bevor ich den Motor starten wollte und siehe da – deutlich über dem max. Pegel.
Eine Reib- und Geruchsprobe machte klar, dass wir einen nicht unerheblichen Anteil Diesel im Öl haben.
Nächster Schritt war klar, das Gemsich muss raus. Auch damit wir wissen, wieviel Diesel im Öl ist.
Der Motor hat ein Ölvolumen von 3 Liter, dann ist die max-Markierung des Peilstabes erreicht. Wir haben 5,5 Liter abgepumpt.
Nach Adam Riese heisst das, es sind gute 2,5 Liter Diesel im Öl. Das ist auch unter Ausnutzung aller Toleranzen und Versuchen, sich das schön zu reden ein „klein“ wenig zu viel *Sarkasmusmodus aus*.

Ab diesem Punkt war endgültig klar, dass sich die Pläne mit Markus segeln zu gehen erledigt hatten.

Das ist der aktuelle Stand der Dinge.

Dankbarerweise hat sich Markus dazu bereit erklärt, einige Teile für uns in Deutschland zu besorgen und sie uns zu schicken.
So steht bei uns mal wieder warten auf Teile und das kümmern um andere Problemchen und Verbesserungen auf dem Plan.

Der namenlose Deutsche ist nach gut 2 Monaten Trockendock nun auch wieder in der Marina angekommen.
Ansonsten steht tägliches Abstrahlen des Decks auf dem Programm.
Dank eines über Afrika gezogenen Tiefdruckgebiets werden wir täglich mit gelbroten Saharasand eingestaubt.
langweilig wir uns also auch weiterhin nicht.

Kategorien:Portugal, Umbau

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