Portugal

Unsere Zeit in Portugal findet nun ein Ende. Zumindest unsere Zeit auf dem Festland Europas. Wir haben wesentlich länger in diesem Land verbracht, als wir uns beim Ablegen in Stuttgart haben vorstellen können. Ehrlich gesagt, haben wir Portugal nur als ein Land gesehen, an dem wir halt eben vorbei müssen und das so schnell wie möglich. Hat ja gut geklappt. Wir haben nun mehr als ein halbes Jahr in diesem Land verbracht und ich möchte die kleinen Eigenheiten, die ich kennen gelernt habe, vorstellen.

Über die für uns unfassbare Freundlichkeit und Gastfreundschaft der Menschen hier haben wir uns ja schon mehrfach ausgelassen, daher erwähne ich es hier nur nochmal am Rande. Das Land selbst ist, von dem was wir gesehen haben, traumhaft schön. Die Algarve ist mit ihren vielen Stränden und Buchten ein Traum von Land aus wie vom Wasser her.

Was sofort ins Auge springt, sobald man sich durch die Dörfer und Städte bewegt, sind die Kacheln. So gut wie jedes Haus hat außen Kacheln, in allen Farben, Formen und Varianten, die man sich vorstellen kann. Die Kacheln dienen im Sommer dazu, die Hitze draußen zu halten. Isolierung, sowie Doppelglasfenster sind hier Fremdwörter. Die Räume in den kleinen Häusern sind teilweise winzig und heizen sich schnell auf. Daher die Kacheln. Ich habe sie mehr fach bewundert und endlos fotografiert, so dass Alex sich schon öfters Augen rollend umgesehen hat, wo ich denn bleibe. Es gibt unfassbar viele schöne, kleine verwinkelte Gassen. Die meisten Türen sind liebevoll gestaltet und absolut einzigartig. Auch die Verlegung der Hauselektrik ist eher von viel Vertrauen in Gott und die Nachbarn geprägt. Man sieht, dass es nicht oft regnet, denn die meisten Kabel werden schlicht an der Außenwand verlegt. Wobei hier das Wort ‚hingehangen‘ treffender wäre. Der Anschluss für Wasser ist mitsamt Haupthahn zumeist außen neben der Tür angebracht, ein kleines Plexiglas davor bietet jedem Sicht und Zugang, dem es passt. Nichts einfacher, als dem Haus mal eben das Wasser abzustellen. Obwohl das Land eins der Ärmsten in Europa ist, ist es sehr sauber. So gut wie nie findet man Dreck am Straßenrand oder am Strand. Die Portugiesen lieben ihr Land und so findet sich an vielen Ecken die Landesflagge in allen verfügbaren Größen. Der Fußball ist natürlich etwas, worauf sie stolz sind und Christiano Ronaldo grinst einen mehrfach von Werbeplakaten an.

Etwas, was wir hier sehr lieben gelernt haben, ist die Kaffeekultur. An jeder Ecke findet sich ein mehr oder weniger runtergekommen aussehendes Café, in dem aber zu jeder Tageszeit Leute sitzen, ihren Kaffee für 1 € trinken, mit dem Besitzer quatschen und vielleicht noch eine Pasteis essen. Ein kleines süßes Teilchen, das einen mit einem Zuckerschock zurücklässt. Lecker? Alle Mal. Es gibt viele kleine Mini-Markets, in denen man das nötigste kaufen kann, so gut wie in jedem größeren Dorf gibt es noch einen Markt, in dem man für die lokalen Preise frisches Obst und Gemüse kaufen kann. Natürlich auch frischen Fisch, denn die auf dem Wasser allgegenwärtigen Fischerbojen bringen den Kabeljau oder Bacalhau auf den Teller. Besonders gern werden hier Sardinen gegessen, die man für einen Appel und n Ei bekommen kann. Nach unserer Sardinenparty in Peniche Anfang August kann ich langsam wieder Sardinen riechen ohne direkt weglaufen zu wollen….

Das Segeln an der Küste ist im Sommer geprägt von der Nortada, dem (üblicher Weise) konsequent aus Nord kommenden Wind, der schon mal ganz schön ausgeprägt sein kann. Wir hatten hier unsere bislang schönsten Segeltage. Das obligatorische Ankerbier war bei uns oft ein Radler, das man hier problemlos überall bekommt. Wir haben uns verliebt in dieses eher unscheinbare Land mit den Menschen, deren Herz so groß ist. Wir können es nur jedem von ganzem Herzen empfehlen, sich selbst ein Bild zu machen und auch einmal von den touristischen Hochburgen wegzugehen, sich die hinteren Ecken anzusehen und mit den Leuten in Kontakt zu kommen. Fragt man einen Portugiesen (die so gut wie alle gut englisch sprechen) nach einer Empfehlung für ein Restaurant, kann man wenig falsch machen. Die Bars und Restaurants sind nicht schick oder besonders, aber man bekommt gutes, simples Essen für einen guten Preis. Nur die Vegetarier haben es in diesem Land eher schwer und müssen mit Pommes und Salat mehr als einmal auskommen.

        

 Kacheln

 in allen Formen

 Farben

 und Varianten

Kategorien:Portugal

1 Antwort

  1. Hallo Ihr beiden,
    Ich habe über Euch in der Yacht und dann Euren Blog mehr oder weniger quer gelesen und weiß halb, dass Ihr seit ziemlich genau einem Jahr unterwegs seid.
    Wir warten auf die letzten Arbeiten an unsrer Cassandra, im IJsselmeer und hoffen Ende des Monats loszukommen, rüber an die britische Küste dann -wohl auch von Falmouth- die Biskaya überqueren und nach A Coruña.
    Wie soll es denn jetzt bei Euch weitergehen, zunächst Madeira? und dann …
    Wann und wie werdet Ihr Euren Weg fortsetzen, immer noch den Abstecher ins Mittelmeer machen?
    Unser Ziel ist das Mittelmeer – und ich hatte gedacht, unsere Weg würden sich ggf. in diesem Sommer noch irgendwo kreuzen.
    Eine konkrete Frage hätten wir noch: Könnt Ihr uns vor dem Hintergrund des letzten Jahres Kurzwellen-Frequenzen empfehlen?
    Wäre nett, von Euch zu hören und zunächst Alles Gute für die Überfahrt.
    Michael und Annette

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